In Deutschland erkranken immer mehr Menschen an Covid-19. Eine Lockerung der Beschränkungen ist in Deutschland vom Tisch. Alle aktuellen Entwicklungen zur Corona-Krise, lesen Sie in unserem Schlagzeilen-Ticker.

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27.03.2020, 09.53 Uhr

Coronavirus-News aktuell: Habe ich schon Corona? SO verläuft die Covid-19-Erkrankung

Der große Teil der Corona-Infizierten spürt nichts oder nur wenig. Andere Betroffene sterben. Beim neuen Coronavirus variieren die Krankheitsverläufe stark. Das wissen wir bisher über Covid-19.

Das ist bisher über den Verlauf von Covid-19 bekannt. Bild: AdobeStock/ peterschreiber.media

Nur etwas Schnupfen? Nichts schmeckt mehr? Keine Luft mehr zum Atmen? Eine Infektion mit dem neuen Coronavirus verläuft nicht für alle Menschen gleich. Bisher haben sich in Deutschland laut Robert-Koch-Institut mehr als 36.000 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. (Stand 26.03.2020) 207 Corona-Patienten verloren dabei ihr Leben.

Corona-News aktuell: Infizierte ansteckend bereits 2 bis 3 Tage vor ersten Symptomen

Besonders tückisch: Sollte man sich mit dem Coronavirus infiziert haben, ist man bereits ansteckend, bevor man selbst erste Symptome bemerkt. Diese treten oftmals erst zwei bis drei Tage nach der Infektion auf. Dies fanden dieWissenschaftler um Gabriel Leung vom WHO Zentrum für die Epidemiologie infektiöser Krankheiten heraus. DerenStudie wurde auf dem Preprint-Server "MedRxiv" veröffentlicht.

Coronavirus-News aktuell: Wie verläuft eine Covid-19-Erkrankung?

Für die einen fühlt es sich an wie eine Erkältung, für andere wird es lebensgefährlich oder gar tödlich. Allgemeingültige Aussagen zum typischen Krankheitsverlauf seien nicht möglich, erklärt das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin. Etwa die Hälfte der Menschen, die sich angesteckt haben, würden das gar nicht merken, sagte kürzlich RKI-Chef Lothar Wieler: "Die sehen wir gar nicht." Über die Beschwerden der erkannten Infizierten liegen inzwischen aus mehreren Ländern und zunehmend auch aus Deutschland Daten vor. Manche Betroffene berichten auch selbst, wie es ihnen mit Sars-CoV-2 ergeht.

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Corona-Erkrankung mit eher mildem Verlauf ohne Krankenhausaufenthalt

Von den Corona-Infizierten, die etwas merken, haben laut RKI vier von fünf milde Verläufe. Husten (54 Prozent) und Fieber (40 Prozent) zählten nach Daten von mehr als 22.000 Erkrankten in Deutschland zu den häufigsten Symptomen, wie Wieler sagte. "Es ist ein Gerücht, dass eine Sars-CoV-2-Infektion definitiv keinen Schnupfen hervorruft", sagt Martin Witzenrath von der Klinik für Infektiologie und Pneumologie der Charité Berlin, wo nach seinen Angaben derzeit mehr als 20 Patienten mit unterschiedlich schweren Verläufen behandelt werden.

Corona-Patienten berichten von trockenem Reizhusten und "laufenden Nasen"

Wie es rund 100 Menschen im besonders betroffenen Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen in häuslicher Isolation ergangen ist, haben Teams um den Bonner Virologen Hendrik Streeck erfragt: "Das am häufigsten beschriebene Symptom war trockener Reizhusten mit 70 Prozent, vor dem Verlust von Geschmacks- und Geruchssinn mit 68 Prozent und Müdigkeit mit 68 Prozent", sagt er. Aber auch von einer "laufenden Nase", Kopf-, Muskel- und Halsschmerzen sowie Fieber berichteten viele Erkrankte. "Manche waren ganz schön K.o.", sagt der Wissenschaftler. Auch Durchfall sei nicht selten gewesen, so Streeck.

Coronavirus-News aktuell: Symptome und Verlauf von Covid-19

Nach Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) dauern milde Krankheitsverläufe im Mittel zwei Wochen. Die Krankheit beginne nach den bisherigen Erfahrungen mit Halskratzen oder -schmerzen und oftmals Fieber, so Streeck. Und damit wie viele Erkältungskrankheiten. Gibt es Anzeichen, anhand derer man Covid-19 klar unterscheiden kann? "Das Einzige, was Grippe nicht hervorruft, ist dieser Geschmacks- und Geruchsverlust", sagt Streeck. Ansonsten gelte bei milden Verläufen: "Es ist wie ein grippaler Infekt. Die Betroffenen hätten die Infektion mit Sars-CoV-2 überhaupt nicht gemerkt."

Corona-Erkrankung mit schwerem Verlauf und Krankenhausbehandlung

Wie viele Menschen im Deutschland insgesamt wegen Covid-19 im Krankenhaus liegen oder lagen, ist bisher nicht bekannt. Bei knapp 56.000 in China erfassten Fällen verliefen 14 Prozent schwer. Bei sechs Prozent war der Verlauf kritisch bis lebensbedrohlich, etwa wegen Lungenversagen. Schwere Verläufe könne laut WHO im Mittel zwischen drei und sechs Wochen dauern.

Viele Corona-Patienten bekommen in Folge eine Lungenentzündung

Bei Patienten mit Symptomen der oberen Atemwege dauere es nach den bisherigen Erfahrungen vier bis acht Tage bis sich entscheide, ob die Erkrankung auch die unteren Atemwege befällt, sagt Witzenrath von der Charité. Es gebe aber auch Patienten, die direkt eine Lungenentzündung bekommen, ohne dass vorher die oberen Atemwege betroffen sind. Entzündetes Lungengewebe bedeutet, dass die Sauerstoffaufnahme nicht mehr so gut funktioniert.

Habe ich Corona? Atemnot sollte keinesfalls unterschätzt werden!

Das Krankheitsbild bei Covid-19 unterscheide sich deutlich von den bisher gekannten Lungenentzündungen, sagt Witzenrath. "Das Besondere daran ist, die Patienten haben zum Teil ein bisschen Luftnot, nicht dramatisch, man hat den Eindruck, die sind gar nicht besonders krank. Dann guckt man sich die Lunge im CT an und die sieht ganz schlimm aus. Es ist etwas, das wir so bisher nicht kennen." Beispielsweise könne dann schon mehr als die halbe Lunge durch das Virus geschädigt sein. Der Verlauf könne sich dann rapide verschlechtern.

Der Mediziner nennt Alarmsignale: "Wenn Sie eine Treppe hochgehen, die Sie sonst locker bewältigen, und nach der Hälfte merken, Sie bekommen deutlich keine Luft mehr, sollte das nachdenklich stimmen. Vor allem, wenn man schon älter ist, Vorerkrankungen hat."

Sars-CoV-2- befällt Lunge und kann zu extremer Atemnot führen

Bräuchten Patienten schließlich mehr Sauerstoff, werden auf Intensivstationen bestimmte Sauerstoff-Therapien (High Flow) genutzt. Reiche auch das nicht mehr aus, sei eine Beatmung durch einen Schlauch in der Luftröhre nötig, dafür werden Patienten ins Koma versetzt. "Allerdings kann es mit der Dauer der Intubation zu Komplikationen kommen", sagt Witzenrath. Nach bisherigen Daten werde angenommen, dass Betroffene auf Intensivstationen im Durchschnitt 17 Tage beatmet werden müssen. "Das ist sehr, sehr lange."

Wie hoch der Anteil der Patienten ist, die beatmet werden müssen, lässt sich Experten zufolge, auch wegen der Dunkelziffer unerkannter Infektionen, bisher schwer sagen. Das RKI nennt für China: 2 bis 6 Prozent.

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fka/news.de/dpa

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