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27.03.2020, 08.29 Uhr

Reichsbürger in Deutschland: Waffensammler! SO gefährlich sind die Reichsbürger wirklich

Reichsbürger sind immer noch gefährlich: Bei einer Razzia in NRW haben Polizisten bei einer Anhängerin Armbrüste und Flinten entdeckt. Damit ist sie nicht die Einzige. Viele andere Mitglieder sind immer noch schwer bewaffnet.

Polizisten fanden bei Razzien schwere Waffen und wurden bedroht (Symbolfoto) Bild: dpa

Für den Schutz ihrer eigenen Ideologie haben sich Mitglieder einer mittlerweile verbotenen Reichsbürger-Gruppierung schwer bewaffnet. Was die Polizei bei Razzien in mehreren deutschen Waffen fand, zeigt, wie gefährlich die Mitglieder der Gruppierung "Geeinte deutsche Völker und Stämme" wirklich sind.

Polizei findet bei Reichsbürgerin Armbrüste und andere schwere Waffen

Wenn die Polizei bei Reichsbürgern zur Durchsuchung anrückt, werden meist Fahnen, Stempel und selbst hergestellte Fantasie-Ausweise gefunden. Bei ihrer Razzia in der Reichsbürger-Szene vor einer Woche hat die Polizei mehrere Schusswaffen entdeckt. Nach Informationen aus Sicherheitskreisen fanden die Beamten bei einer Endfünfzigerin im nordrhein-westfälischen Gummersbach unter anderem drei abgesägte Schrotflinten, drei Armbrüste, zwei Macheten und eine Zwille. Auch in der Wohnung eines Mitglieds der gleichen Gruppierung in Rheinland-Pfalz wurde eine Schrotflinte sichergestellt, melde die Nachrichtenagentur dpa.

Auch bei einem Mann in Dresden fanden die Polizisten ein japanisches Kampfschwert. Als Einsatzkräfte die Wohnung einer Anhängerin der Gruppierung in einem Vorort von Dresden durchsuchten, wurden sie nach dpa-Informationen von deren hochbetagter Mutter bedroht. Sie soll vom Nachbargrundstück aus ein Luftgewehr auf sie gerichtet haben.

Bei einer in Berlin ansässigen Frau, die im Namen der Gruppe Videos über YouTube verbreitet, soll ein Dokumentendrucker gefunden worden sein. Insgesamt hatten die Beamten den Angaben zufolge in Berlin vier Objekte in Augenschein genommen. Das zeigt wie waffenaffin die Reichsbürger immer noch sind. Seit 2016 wurden 790 Mitgliedern der Waffenschein entzogen. Aber im Jahr 2019 hatten laut Sicherheitsbehörden immer noch 530 Reichsbürger legal eine Waffe besessen.

Horst Seehofer hat Reichsbürger-Gruppe verboten

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte am vergangenen Donnerstag zum ersten Mal eine Reichsbürger-Gruppierung bundesweit verboten. Polizisten durchsuchten die Wohnungen 21 führender Mitglieder des Vereins "Geeinte deutsche Völker und Stämme" und seiner Teilorganisation "Osnabrücker Landmark" in zehn Bundesländern. Sie sollen seit 2017 antisemitische Schriften und Drohbriefe an Amtsträger und deren Familien verschickt haben, wo sie sogar gedroht haben, Finger abzuschneiden. Das geht deutlich über"Verbalradikalismus" hinaus, heißt es in der Verbotsverfügung, aus der der "Spiegel" zitiert.

Die Mitglieder "bringen durch Rassismus, Antisemitismus und Geschichtsrevisionismus ihre Intoleranz gegenüber der Demokratie deutlich zum Ausdruck", hieß es aus dem Innenministerium. In den vergangenen Jahren sei die Gruppierung, deren Mitglieder vorwiegend älter als 50 Jahre sind, unter anderem durch "verbalaggressive Schreiben" aufgefallen.

Nach dem Mord eines Polizistenim fränkischen Georgensgmünd im Jahr 2016 werden die zunächst nur als Spinner oder Querulanten bezeichneten Reichsbürger vom Verfassungsschutz als Gefahr wahrgenommen.

Was sind Reichsbürger?

Sogenannte Reichsbürger und Selbstverwalter zweifeln die Legitimität der Bundesrepublik Deutschland an und weigern sich oft, Steuern zu zahlen. Die Sicherheitsbehörden rechnen aktuell 19 000 Menschen dieser Szene zu, darunter 950 Rechtsextremisten. Einige Gruppierungen berufen sich auf ein selbst definiertes "Naturrecht", andere auf das historische Deutsche Reich. Viele unter ihnen behaupten, die Bundesrepublik sei in Wirklichkeit kein Staat, sondern ein Unternehmen. Sie erkennen Gesetze und Behörden nicht an und wehren sich teilweise gewaltsam gegen staatliche Maßnahmen.

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bos/sig/news.de/dpa

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