19.03.2020, 10.29 Uhr

Coronavirus-Krise: Handyüberwachung! DAS erfahren die Forscher anhand unserer Smartphone-Daten

Um der Corona-Pandemie Einhalt zu gebieten, darf das Robert-Koch-Institut nun sogar auf Ihre Handydaten zugreifen. Lesen Sie hier, was die Wissenschaftler anhand Ihres Smartphones alles über Sie in Erfahrung bringen können.

Zum Zweck der Eindämmung des Coronavirus bekommt das Robert-Koch-Institut von der Telekom die Handydaten ihrer Nutzer zur Verfügung gestellt. Bild: sdecoret/AdobeStock

Im Zuge des Kampfes gegen die Corona-Epidemie sind nicht nur Ausgangssperren rechtlich möglich, sondern auch weitere Eingriffe in Grundrechte und Privatsphäre des Einzelnen. So darf das Robert-Koch-Institut jetzt sogar unsere Handydaten einsehen. Droht jetzt die totale Überwachung?

Wie kommt das Robert-Koch-Institut an die Handydaten?

Die Telekom ließ den Wissenschaftlern des Robert-Koch-Instituts die Handydaten der User zukommen. Anhand der Daten sollen die RKI-Mitarbeiter die Verbreitung von COVID-19 besser einschätzen können.

Was geben die Handydaten über uns preis?

In der Pressekonferenz zum aktuellen Stand der Coronavirus-Pandemie sagte der Präsident des Robert-Koch-Instituts am Mittwoch: "Die Daten zeigen uns, ob insgesamt die Mobilität der Bevölkerung nachgelassen hat." Dabei handele es sich um anonyme Daten, aus denen sich keine Schlüsse auf die individuelle Aktivität einzelner Personen ziehen lässt. Was Sie als Einzelperson gestern unternommen haben, sieht das RKI also nicht.

Lesen Sie auch:Ausgangsperre, Handyüberwachung, Drohneneinsatz - welche Maßnahmen kommen noch?

Wozu sind die Handydaten gut?

Obwohl sich anhand der Daten nicht ablesen lässt, welcher Handynutzer sich im Einzelnen wie verhält, geben die Daten doch Informationen darüber, inwieweit die Bevölkerung die aktuellen Verhaltensrichtlinien befolgt. Dazu erklärte Lothar Wieler: "Wenn wir sehen, dass die Menschen die Maßnahmen gar nicht umsetzen – und das sehen wir anhand dieser aggregierten Daten – dann sehen wir den Grund dafür, dass die Intervention, die wir wünschen, nicht erfolgreich ist."

Was schließt das Robert-Koch-Institut aus den Daten?

Schießen die Infektionszahlen trotz der Einschränkungsmaßnahmen weiterhin in die Höhe, so könne man anhand der Daten den Grund dafür erkennen: Statt zu Hause zu bleiben, gehen die Menschen raus und treffen sich mit anderen. So kann sich Sars-CoV-2 unkontrolliert weiterverbreiten.

Ist die Nutzung der Handydaten Datenschutz-rechtlich erlaubt? 

Tatsächlich erlaubt das Infektionsschutzgesetz im Falle des Pandemiefalls erhöhte Eingriffe in die Grundrechte der Bürger, wenn sich die Pandemie nur so eindämmen lässt. Dazu gehört auch eine mögliche Vernachlässigung des Datenschutzes. Die letzten Tage haben gezeigt, dass es nicht reicht, allein auf den gesunden Menschenverstand und das Verantwortungsbewusstsein der Menschen zu setzen. Außer der Auswertung der Handydaten durch das Robert-Koch-Institut sind weitere Maßnahmen wie Ausgangssperren denkbar.

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sig/sba/news.de

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