In Deutschland erkranken immer mehr Menschen an Covid-19. Eine Lockerung der Beschränkungen ist in Deutschland vom Tisch. Alle aktuellen Entwicklungen zur Corona-Krise, lesen Sie in unserem Schlagzeilen-Ticker.

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20.03.2020, 07.38 Uhr

Coronavirus im Job: Was passiert bei Kurzarbeit mit unserem Gehalt? 

Die Auswirkungen der Corona-Krise bringen zahlreiche Branchen zum Stillstand. Um die Situationen aufzufangen, bieten viele Unternehmen Homeoffice an und beantragen Kurzarbeitergeld. Was für Arbeitnehmer jetzt wichtig ist.

Das gilt bei Home Office und Kurzarbeitergeld. (Symbolfoto) Bild: picture alliance/Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Die Corona-Krise hat auch Deutschland fest im Griff: Die Zahl der Infizierten steigt und viele Unternehmen müssen beispielsweise wegen Ladenschließungen mit Einnahmeverlusten rechnen und ihre Mitarbeiter nach Hause schicken. Diese Situation stellt Arbeitnehmer und Selbstständige vor die Frage, wer ihnen durch eine Krankschreibung oder in der Quarantäne ihren Lohn zahlt. Darf ich einfach imHomeoffice arbeiten? Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten für Sie im Überblick zusammengefasst.

Homeofficeoder Büro? Darf ich einfach zu Hause bleiben?

Nein, meint Rechtsanwalt Sören Siebert auf dem Portal "eRecht24". Denn in Deutschland gibt es kein "Recht auf Home Office". Die Entscheidung, ob Sie daheim arbeiten dürfen, trifft der Chef. "Die Angst, sich im Job mit Corona anzustecken, reicht nicht aus, um einfach zu Hause zu bleiben", meint Siebert. Bei konkreten Verdachtsfällen oder wenn sich ein Mitarbeiter mit einer Infektion herumplagt, muss der Arbeitgeber "im Rahmen seiner Fürsorgepflicht abwägen, ob er auf der Anwesenheit der Mitarbeiter im Büro oder am Arbeitsplatz besteht", erklärt Siebert.

Außerdem muss der Arbeitnehmer zustimmen, wenn sie im Homeoffice arbeiten wollen. Er kann sie aber arbeitsrechtlich nicht zwingen, zu Hause zu bleiben. Eine Sache gilt aber für den Chef: Er muss seinen Angestellten für die Heimarbeit alle notwendigen Arbeitsmittel zur Verfügung stellen.

Darf ich mir wegen Corona eine Krankschreibung holen?

Ja, denn bei Verdacht auf eine Covid-19 Erkrankung müssen Sie krankgeschrieben werden und sich in Quarantäne begeben. Wie sieht es dann mit der Lohnfortzahlung aus? Arbeitgeber müssen Mitarbeitern in Quarantäne sechs Wochen lang ihren Lohn weiter zahlen. Hier greift dann§ 56 Infektionsschutzgesetz. Das bedeutet, dass der Chef die Beträge von der Behörde zurückgezahlt bekommt. Ab sieben Wochen gibt es Krankengeld von der Krankenkasse.

Wer kann Kurzarbeit beantragen?

Kurzarbeit beantragt der Arbeitgeber. Der Bundestag hat dazu kurzfristig ein neues Gesetz auf den Weg gebracht. Rückwirkend zum 1. März können Betriebe Kurzarbeitergeld nun bereits nutzen, wenn nur zehn Prozent der Beschäftigten vom Arbeitsausfall betroffen sind. Bislang musste das ein Drittel der Arbeitnehmer sein.

Was bedeutet das für mein Gehalt?

Arbeitnehmer erhalten 60 Prozent ihres Nettolohns für die ausfallende Arbeitszeit, wenn sie Kurzarbeit machen müssen, erklärt Johannes Schipp, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Gütersloh. Wer also beispielsweise statt wie üblicherweise fünf Tage nur noch vier Tage pro Woche arbeiten würde, bekäme 80 Prozent des Lohns weiter vom Arbeitgeber. Für die übrigen 20 Prozent erhalten Beschäftigte die Kompensationszahlung von der Arbeitsagentur.

"Bei Arbeitnehmern mit Kindern sind es 67 Prozent", erläutert Schipp. Allerdings sind diese Prozentzahlen dem Fachanwalt zufolge auf die Beitragsbemessungsgrundlage in der Arbeitslosenversicherung begrenzt. Das sei aber für "Normalverdiener" eher ohne Bedeutung. Im Extremfall kann die Arbeitszeit auf Null reduziert werden.

Weitere Informationen zum Kurzarbeitergeld gibt es auf der Seite der Bundesagentur für Arbeit.

Kann der Arbeitgeber mich zwingen, erst mal Urlaub abzubauen?

Die Voraussetzungen für Kurzarbeitergeld sind im Sozialgesetzbuch III genau geregelt. Kurzarbeit kann der Arbeitgeber demnach anmelden, wenn der Arbeitsausfall unvermeidbar ist und der Betrieb alles getan hat, um ihn zu vermindern oder zu beheben. "Das bedeutet, dass zunächst auch Zeitguthaben, Überstunden oder Ähnliches "abgefeiert" werden müssen", erklärt Schipp. Zudem sei es möglich, Urlaub anzuordnen, soweit die betreffenden Urlaubstage nicht schon genehmigt sind. Urlaub, der schon genehmigt ist, könne vom Arbeitgeber nicht ohne weiteres wieder gestrichen werden.

Zur Frage, in welchem Rahmen Urlaub angeordnet werden kann, gibt es laut Schipp keine eindeutigen Regeln. Seiner Einschätzung nach kann es aber in einer Pandemie-Situation durchaus möglich sein, dass Arbeitnehmer die Hälfte oder zwei Drittel ihres Urlaubsanspruchs erst einmal einsetzen müssen. Dringende betriebliche Gründe stehen dann den Urlaubswünschen der Arbeitnehmer entgegen.

Kann mein Arbeitgeber auswählen, wen er in Kurzarbeit oder Zwangsurlaub schickt?

"Bei der Auswahl der Arbeitnehmer wird es entscheidend darauf ankommen, in welchen Bereichen der Arbeitsausfall eintritt", so der Fachanwalt. Wenn dann noch eine Auswahlmöglichkeit für den Arbeitgeber verbleibt, wird die Auswahl nach billigem Ermessen erfolgen müssen. Der Arbeitgeber kann also nicht willkürlich verfahren.

In Betrieben mit Betriebsräten unterliegen die Einführung der Kurzarbeit und die Regelung der Einzelheiten zudem der Mitbestimmung des Betriebsrats. Hier kann der Arbeitgeber also nicht einseitig die Dinge festlegen.

Was gilt für Selbstständige?

Selbstständige können nicht in den Genuss von Kurzarbeitergeld kommen, weil sie nicht in der Arbeitslosenversicherung pflichtversichert sind, erklärt der Fachanwalt. Auch bei Verdienstausfällen kommen Selbstständige in eine schwierige Lage. Hier lohnt sich je nach Einzelfall ein Blick in die Verträge. "Ist ein Rücktrittsrecht vereinbart, welche Kündigungsfristen gibt es, kann man bei Kündigung durch den Vertragspartner Schadensersatz geltend machen ...", schreibt "eRecht 24.

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bos/sig/news.de/dpa

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