17.03.2020, 09.07 Uhr

Coronavirus-Epidemie aktuell: Stehen die Gefängnisse wegen der Corona-Krise bald leer?

Die rasante Ausbreitung des Coronavirus hat auch Auswirkungen auf Straftäter: In Großbritannien sollen jetzt Häftlinge aus den Gefängnissen entlassen werden, um die Ausbreitung von Sars-CoV-2 einzudämmen.

Infolge der Coronakrise könnten Häftlinge früher als geplant aus Gefängnissen entlassen werden. Bild: Patrick Seeger / picture alliance / dpa

In Zeiten der Coronakrise wird alles Menschenmögliche unternommen, um die Ausbreitung des Sars-CoV-2-Erregers einzudämmen. Die Spanne reicht von der Absage von Großveranstaltungen über Schulschließungen bis hin zur Ausgangssperre - doch wer meint, Menschen in geschlossenen Einrichtungen wie etwa Gefängnissen seien vor dem grassierenden Virus geschützt, der irrt.

Coronavirus-Pandemie aktuell: Häftlinge sollen aus Gefängnissen freikommen

In Großbritannien beispielsweise, wo das Coronavirus (Stand 16.03.2020) bislang rund 1.400 Menschen infiziert und mehr als 30 Menschen getötet hat, erwägen die Behörden drastische Schritte. Wie im "Mirror" zu lesen ist, sei nicht abzuschätzen, wie sich die Ausbreitung des Coronavirus auf Gefängnisinsassen und Justizvollzugsbeamte auswirkt. Deshalb sei angedacht, Häftlinge kurzerhand in die Freiheit zu entlassen. Wie genau das in Großbritannien vonstatten gehen soll, darüber befänden sich die Gefängnisleitungen im regen Austausch mit der Regierung.

Haftstrafen könnten wegen Coronakrise vorzeitig beendet werden

Denkbar sei, vorrangig Gefangene freizulassen, die nur noch einen kurzen Rest ihrer Haftstrafe zu verbüßen hätten und als geringes Risiko für die Allgemeinheit gelten. Auch eine vorübergehende Haftentlassung sei vorstellbar. Die Option, alle Häftlinge in Einzelhaft zu überführen, sei aufgrund der ohnehin überlasteten Kapazitäten nicht realisierbar.

Kontaktsperren für Neuzugänge im Gefängnis wegen Coronavirus auch in Deutschland

Ähnliche, wenn auch nicht ganz so drastische Maßnahmen werden derzeit im Justizvollzug in Deutschland angewendet. Um eine Einschleppung des neuartigen Coronavirus in die Gefängnisse Mecklenburg-Vorpommerns möglichst zu verhindern, werden Neuzugänge fortan separat untergebracht. Wie Justizministerin Katy Hoffmeister (CDU) am Samstag in Schwerin mitteilte, werden dazu in den Vollzugsanstalten Bützow und Neustrelitz jeweils Aufnahmestationen eingerichtet. Dort würden vorübergehend all jene Straftäter untergebracht, die ihre Haftstrafe gerade antreten - und damit würde der direkte Kontakt zu bisherigen Insassen vermieden.

In den vier Haftanstalten Mecklenburg-Vorpommerns sitzen laut Ministerium aktuell rund 1.100 Häftlinge ein. Besuche fänden bis auf weiteres mit Trennwänden statt, hieß es. Sie könnten auch untersagt werden, wenn dies aus medizinischen Gründen geboten erscheine. Besucher würden befragt, ob sie aus Risikogebieten kommen oder vor kurzem dort waren.

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loc/news.de

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