06.12.2019, 07.36 Uhr

Tödlicher Autounfall: Unfassbar! Totraser auf freiem Fuß, da kein Therapieplatz frei ist

Unglaubliches Vorgehen: Ein Totraser wird nach seiner Suffahrt verurteilt, ist aber immer noch nicht inhaftiert. Denn der Mann aus Niedersachsen bekam keinen Therapieplatz - und darf jetzt seine Freiheit genießen. Wie konnte es dazu kommen? 

Keine Therapieplätze: Für einen verurteilten Totraser bleiben die Gefängnistüren deshalb zu (Symbolbild). Bild: adobestock/Bibiphoto

Dieser Fall sorgt für großes Entsetzen: Waldemar S. wurde nach einer tödlich endenden Suff-Fahrt, bei der ein 14-jähriger Freund der Familie starb, zu drei Jahren Haft und einem Alkoholentzug verurteilt. Weil er aber keinen Therapieplatz bekam, konnte er den Maßregelvollzug nicht antreten.

Verurteilter Raser ist nach tödlichem Unfall weiter auf freiem Fuß

Zwei Jahre nach dem tödlichen Unfall ist der verurteilte Mann aus Seelze in Niedersachsen immer noch auf freiem Fuß. Nach dem Urteilsspruch am 18. April im Amtsgericht Hannover sollte er eigentlich eine Therapie machen, bevor er seine Strafe antritt. So will es das Gesetz. "Das Urteil wurde am 19. August rechtskräftig", bestätigt Katrin Söfker, Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Bis er einen Therapieplatz bekommt, kann es noch dauern, denn alle 1.231 Therapieplätze in Niedersachsen sind besetzt. Das bedeutet: Freiheit für 79 Straftäter, psychisch Kranke und Waldemar S.

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Entzug vor Strafe": Wegen Personalmangel wird sich die Situation verschärfen

Diese Praxis verurteilt Frank Bornemann, Landesvorsitzender des Niedersächsischen Richterbundes scharf in "Bild": "Die Zeiten zwischen Verurteilung und Therapiebeginn sind eindeutig zu lang. "Das ist unverantwortlich." Diese Lage herrscht schon seit Jahren an. Auch andere Institutionen fordern eine Umkehrung. Suchtkranke sollten sofort inhaftiert und in der Haftanstalt therapiert werden. Dadurch könnten Häftlinge als Anti-Alkoholiker auf die Versuchungen nach der Entlassung vorbereitet werden. Und Straftäter wären endlich hinter Gittern und könnten angemessen therapiert werden.

Obwohl sichFrank Bornemann schon für eine Änderung der Regelung einsetzt, hat sich bislang noch nichts an der Situation geändert - und es kann noch schlimmer werden. Bornemann vermutet, dass sich die Zahl der drogenabhängigen Patienten noch erhöht. Auch die wenigen Therapieplätze bleiben ein Problem, meint Elke Nobel, Ver.di-Gewerkschaftssekretärin: "Schon jetzt können Patienten nicht aufgenommen werden, weil nicht genug Personal da ist."

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bos/news.de

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