28.10.2019, 12.06 Uhr

Visa-Affäre an deutscher Botschaft: Botschaftsmitarbeiter in Beirut soll Visum-Unterlagen verkauft haben

Nachdem der Polizei bereits am Donnerstag ein Schlag gegen die organisierte Clan-Kriminalität gelungen ist, kommen nun erschreckende Tatsachen ans Licht. Mit Hilfe eines Arbeiters im Auswärtigen Amt sollen wichtige Dokumente für die legale Einreise in die Hände eines kriminellen Clans geraten sein.

Wichtige Visa-Etiketten wurden beim Auswärtigen Amt in Beirut gestohlen. (Symbolbild) Bild: adobestock/Animaflora PicsStock

Die deutschen Behörden fahnden nach Informationen der "Bild am Sonntag" nach einem ehemaligen Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Beirut. Hintergrund seien Unregelmäßigkeiten mit Visa-Unterlagen.

Visa-Skanal in deutscher Botschaft: Fahndung nach Ex-Mitarbeiter

Der aus dem Libanon stammende Mann arbeitete demnach bis 2017 in der Visa-Stelle und soll sogenannte "Visum-Etiketten", die für die Einreise nach Deutschland nötig sind, unterschlagen und an einen libanesischen Clan verkauft haben. Dieser nutzte dem Bericht zufolge die Visa-Dokumente, um unter anderem syrische Flüchtlinge nach Deutschland zu schleusen.

Aus dem Auswärtigen Amt heißt es laut "BamS": "Wir arbeiten in diesem Fall eng mit den zuständigen Strafermittlungsbehörden zusammen." Der Beschuldigte sei nicht mehr für das Auswärtige Amt tätig und befinde sich derzeit auf der Flucht.

Flüchtlinge mit falschen Papieren nach Deutschland geschleust?

Auslöser für die Ermittlungen war dem Blatt zufolge eine bundesweite Razzia gegen libanesische Clan-Mitglieder am vergangenen Donnerstag. Laut einem internen Bericht gehe es um 26 Schleusungen syrischer Flüchtlinge zwischen August 2018 und September 2019 nach Deutschland und in die Niederlande. Die Flüchtlinge hätten an die Clan-Organisation für eine Schleusung zwischen 4.500 und 15.000 Euro pro Person zahlen müssen.

Noch ist nicht klar, wie viele Personen tatsächlich mithilfe der Dokumente die im Libanon aus der deutschen Botschaft gestohlen wurden, nach Europa und Deutschland reisen konnten, ohne nach den vorgeschriebenen Verfahren legal einzureisen.

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luj/news.de/dpa

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