11.09.2019, 17.24 Uhr

Missbrauch in Lügde im News-Ticker:  +++ 17.06.2019: Amtsgericht Detmold: Vierte Anklage im Missbrauchsfall Lügde +++

Auf einem Campingplatz in Lüdge (NRW) wurden mindestens 34 Kinder jahrelang missbraucht. Bild: Friso Gentsch/dpa

Rund um den Missbrauchsfall Lügde gibt es eine vierte Anklage. Das geht aus einem Bericht von Landesjustizminister Peter Biesenbach (CDU) an den Rechtsausschuss des NRW-Landtags hervor. Der Direktor des Amtsgerichts Detmold bestätigte der Deutschen Presse-Agentur den Eingang der Anklage beim Jugendschöffengericht. "Zum Tatzeitpunkt war der Angeschuldigte noch Jugendlicher", sagte Michael Wölfinger am Montag. Weitere Details zur Person oder den Vorwürfen wollte der Direktor des Amtsgerichts nicht nennen. Über die Annahme der Anklage muss das Amtsgericht entscheiden.

Die drei Anklagen gegen die Hauptbeschuldigten im Missbrauchsfall Lügde werden wegen der Schwere der Straftaten in der höheren Instanz am Landgericht Detmold verhandelt. Der Prozess gegen drei Männer aus Lügde (56), Steinheim bei Höxter (34) und Stade in Niedersachsen (49) wegen hundertfachen sexuellen und schweren sexuellen Kindesmissbrauchs beginnt am 27. Juni.

+++ 12.06.2019: Anklagen zum Lügde-Missbrauch zum gemeinsamen Prozess zugelassen +++

Im Fall des massenhaften Kindesmissbrauchs von Lügde hat das Landgericht Detmold die Anklagen gegen die drei Tatverdächtigen zugelassen. Die Vorwürfe werden nach Gerichtsangaben von Mittwoch in einem Prozess zusammengeführt. In diesem werden ein 56-jähriger Dauercamper, sein 34 Jahre alter mutmaßlicher Komplize aus Steinheim sowie ein 49-Jähriger aus dem niedersächsischen Stade gemeinsam auf der Anklagebank sitzen. Wie vorgesehen beginnt der Prozess am 27. Juni. Bis Ende August sind neun weitere Verhandlungstermine vorgesehen.

Den beiden Hauptangeklagten aus Nordrhein-Westfalen wirft die Staatsanwaltschaft sexuellen und schweren sexuellen Kindesmissbrauch vor. Dem 56-Jährigen aus Lügde werden 298 Fälle zur Last gelegt. Die Staatsanwaltschaft geht von 23 Opfern aus. Der 34-Jährige soll sich in 162 Fällen des Kindesmissbrauchs schuldig gemacht haben. Acht Mädchen und neun Jungen sollen ihm zum Opfer gefallen sein. Beide sollen auf dem Campingplatz an der Grenze zu Niedersachsen über Jahre hinweg Kinder missbraucht und dabei gefilmt haben.

Mitverhandelt wird ab Ende Juni auch die Anklage gegen den 49-Jährigen, weil er unter anderem in mindestens vier Fällen an Webcam-Übertragungen des Dauercampers teilgenommen haben soll.

+++ 05.06.2019: Weiteres Opfer im Missbrauchsfall Lügde: Ermittler erweitern Anklage +++

Im Fall des massenhaften Kindesmissbrauchs von Lügde geht die Staatsanwaltschaft nun von einem weiteren Opfer des Hauptangeklagten aus. Wie das Landgericht am Mittwoch mitteilte, haben die Ermittler deshalb ihre Anklage gegen einen 56-Jährigen um fünf Fälle auf nun insgesamt 298 erweitert.

Zusätzlich zu den bereits 22 in der Anklageschrift aufgeführten mutmaßlichen Opfern bestehe der begründete Verdacht, dass der Angeklagte ein weiteres Kind auf dem Campingplatz missbraucht habe. Das Mädchen soll damals zehn Jahre alt gewesen sein.

Schon bei der Anklageerhebung hatte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft betont, dass die Ermittlungen noch nicht gänzlich abgeschlossen seien. Finden Polizei und Staatsanwaltschaft weitere mutmaßliche Täter, Opfer oder Taten, können diese noch in den laufenden Prozess einfließen oder zu weiteren Anklagen führen.

Beschuldigt werden neben dem 56-Jährigen ein 34 Jahre alter Mann aus Steinheim und ein 49-jähriger Mann aus Stade in Niedersachsen. Dem 34-Jährigen wirft die Staatsanwaltschaft insgesamt 162 Fälle des sexuellen und schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern vor. Acht Mädchen und neun Jungen sollen ihm zum Opfer gefallen sein.

Der 49-Jährige Komplize ist mitangeklagt, weil er unter anderem in mindestens vier Fällen an Webcam-Übertragungen des Dauercampers teilgenommen haben soll. Teilweise soll er den hauptverdächtigen Dauercamper vorher ausdrücklich zum Missbrauch aufgefordert haben. Beide sollen zudem im Besitz von kinderpornografischen Videos und Bilddateien gewesen sein. Bei allen drei Beschuldigten prüft das Landgericht noch, ob es die Anklagen zur Hauptverhandlung zulässt.

+++ 25.05.2019: Bericht: Lügde-Opfer fühlen sich durch Briefe geoutet +++

Im Missbrauchsfall von Lügde fühlen sich Familien von Opfern nach einem Zeitungsbericht durch Post der NRW-Opferschutzbeauftragten geoutet. Die Briefe trugen den Absender "Opferschutzbeauftragte des Landes NRW". Deshalb hätten sich bisher zwei betroffene Familien bei ihr gemeldet und beschwert, sagte die Opferschutzbeauftragte Elisabeth Auchter-Mainz dem "Westfalen-Blatt" (Samstag). "Eine sagte, jetzt sei die Information in dem Mehrfamilienhaus rum."

Insgesamt habe ihr Büro in den vergangenen Wochen 45 Familien mutmaßlich missbrauchter Kinder angeschrieben. Sie habe nicht damit gerechnet, dass die Erkennbarkeit des Absenders zu Problemen führen könne, sagte Auchter-Mainz. Postzusteller seien zur Verschwiegenheit verpflichtet. Ein Rechtsanwalt, der vier mutmaßliche Opfer vertritt, sagte der Zeitung, er hätte von einer Opferschutzbeauftragten mehr Fingerspitzengefühl erwartet.

Als Konsequenz werde ihr Büro künftig das Prozedere ändern, kündigte Auchter-Mainz an. "Bei Opfern in kleinen Orten werden wir in Zukunft neutrale Briefumschläge verwenden." In größeren Städten gebe es offenbar kein Problem, denn weder nach der Silvesternacht von Köln noch nach der Amokfahrt von Münster habe es Beschwerden von Opfern gegeben, die sie angeschrieben habe.

+++ 23.05.2019: Gericht lässt 16 Nebenkläger im Lügde-Prozess zu +++

Im Fall des massenhaften Kindesmissbrauchs in Lügde in Nordrhein-Westfalen hat das Landgericht Detmold bislang 16 mutmaßliche Opfer als Nebenkläger zugelassen. Sie werden nach Angaben von Gerichtssprecher Wolfram Wormuth in der anstehenden Hauptverhandlung von neun Rechtsanwälten vertreten. Diese Zahl kann sich nach Angaben des Gerichts bis zum bisher geplanten Prozessauftakt am 27. Juni aber noch ändern. Am Donnerstag hatte das Landgericht den Eingang einer dritten Anklage in dem Fall bestätigt.

Auf dem Campingplatz in Lügde an der Landesgrenze zu Niedersachsen sollen über Jahre hinweg zahlreiche Kinder schwer sexuell missbraucht worden sein. Dem 56-jährigen Hauptverdächtigen wirft die Staatsanwaltschaft in der Anklage 293 Fälle vor. Demnach soll sich der Mann unter anderem wegen sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen, schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern sowie dem Besitz von kinderpornografischen Schriften verantworten.

+++ 23.05.2019: Landgericht liegt dritte Anklage im Fall Lügde vor +++

Im Fall des massenhaften Kindesmissbrauchs auf einem Campingplatz in Lügde hat das Landgericht Detmold auch die dritte Anklageschrift erhalten. Das teilte ein Sprecher am Donnerstag in Detmold mit. Das Gericht werde dem 34-jährigen Beschuldigten die Anklage zuleiten und um Stellungnahme bitten. Details zu den Vorwürfen will das Gericht erst nennen, wenn die Anklage zugestellt ist. Nach den Erkenntnissen der Ermittler soll der Mann aus Steinheim bei Höxter ebenfalls Kinder auf dem Campingplatz in Nordrhein-Westfalen missbraucht und dabei gefilmt haben.

Im Fall der beiden anderen Hauptbeschuldigten hat das Gericht schon Details veröffentlicht. Demnach wirft die Staatsanwaltschaft dem 56-jährigen Hauptverdächtigen in der Anklage 293 Fälle vor. Der Mann soll sich unter anderem wegen sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen, schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern sowie des Besitzes von kinderpornografischen Schriften verantworten.

Ein mutmaßlicher Komplize (49) des Mannes aus Stade in Niedersachsen ist mitangeklagt, weil er unter anderem in mindestens vier Fällen an Webcam-Übertragungen des Dauercampers teilgenommen haben soll. Teilweise soll er den Hauptverdächtigen vorher ausdrücklich zum Missbrauch aufgefordert haben. Darüber hinaus sollen bei dem Mann aus Stade im Januar 42.719 Bild- und Videodateien mit kinder- und jugendpornografischem Inhalt gefunden worden sein.

+++ 19.05.2019: Prozess zum Missbrauchsfall Lügde soll am 27. Juni beginnen +++

Der Prozess um den massenhaften Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz in Lügde soll nach Planung des Landgerichts Detmold am 27. Juni beginnen. Voraussetzung sei, dass die Anklage gegen einen dritten Verdächtigen noch rechtzeitig eintreffe und alle Anklagen zugelassen werden, sagte ein Gerichtssprecher am Samstag auf Anfrage. Das "Westfalen-Blatt" hatte zuerst über den Termin berichtet.

Die bereits vor einigen Tagen beim Gericht eingegangene Anklage wirft dem 56-jährigen Hauptverdächtigen 293 Straftaten vor. Demnach soll sich der Mann unter anderem wegen sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen, schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern sowie den Besitz von Kinderpornografie verantworten.

Die Anklageschrift führt 22 Opfer auf, die zum Zeitpunkt der Taten alle minderjährig gewesen seien. Sein mutmaßlicher Komplize (49) aus Stade solle im Besitz von fast 43.000 Bild- und Videodateien mit Kinder- und Jugendpornografie gewesen sein. Außer den beiden Angeklagten sitzt noch ein 34-Jähriger in Untersuchungshaft, der noch angeklagt werden soll. Gegen weitere fünf Personen wird noch ermittelt.

+++ 17.05.2019: Anklage im Fall Lügde wirft Hauptverdächtigem 293 Fälle vor +++

Nach dem massenhaften Missbrauch auf einem Campingplatz in Lügde werden dem Hauptverdächtigen von der Staatsanwaltschaft in der Anklage 293 Fälle vorgeworfen. Das teilte das Landgericht Detmold am Freitag mit. Demnach soll sich der 56-Jährige unter anderem wegen sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen, schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern sowie des Besitzes von kinderpornografischen Schriften verantworten.

Die Taten sollen im Sommer 1998 und seit Anfang des Jahres 2008 bis Dezember 2018 auf dem Campingplatz begangen worden sein, so das Gericht. Die Anklageschrift führe 22 Opfer auf, die zum Zeitpunkt der Taten alle minderjährig gewesen seien. Außerdem soll der Mann laut Anklage im Dezember 2018 im Besitz von 879 Bild- und Videodateien mit kinderpornografischem Inhalt gewesen sein.

In 226 Fällen wird dem 56-Jährigen vorgeworfen, zehn Kinder vergewaltigt zu haben. In einem Fall soll er zwei Kinder veranlasst haben, sexuelle Handlungen aneinander vorzunehmen.

Ein Komplize (49) des Mannes aus Stade ist mitangeklagt, weil er unter anderem in mindestens vier Fällen an Webcam-Übertragungen des Dauercampers teilgenommen haben soll. Teilweise soll er den Hauptverdächtigen vorher ausdrücklich zum Missbrauch aufgefordert haben. Darüber hinaus sollen bei dem Mann aus Stade im Januar 2019 42.719 Bild- und Videodateien mit kinder- und jugendpornografischem Inhalt gefunden worden sein.

Die zuständige 3. Strafkammer prüfe gegenwärtig die Zulassung der Anklagen zur Hauptverhandlung, so das Landgericht Detmold.

Außer den beiden Angeklagten sitzt noch ein 34-Jähriger in Untersuchungshaft, der gesondert angeklagt werden soll. Gegen weitere fünf Personen wird wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs, des Besitzes von kinderpornografischem Material oder Strafvereitelung im Amt ermittelt.

+++ 15.05.2019: Lügde-Beschuldigter informierte Schule selber über Ermittlungen +++

Im Fall des massenhaften Kindesmissbrauchs von Lügde hat der beschuldigte Dauercamper die Schule seines Pflegekindes selbst über die Ermittlungen gegen ihn informiert. Aus einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht des nordrhein-westfälischen Schulministeriums an den NRW-Landtag geht hervor, dass der Mann die Klassenlehrerin des Kindes im November 2018 angerufen hat. Er habe sie darüber informiert, dass das Mädchen in einer anderen Familie sei und dass gegen ihn ermittelt werde.

Gerüchte über den Umzug des Mädchens waren der Grundschulleitung demnach schon Tage zuvor zu Ohren gekommen. "Aus datenschutzrechtlichen Gründen konnte die Schulleitung durch das Kreisjugendamt darüber keine offizielle Bestätigung erhalten."

Auf dem Campingplatz in Lügde im Kreis Lippe soll der 56-jährige arbeitslose Dauercamper mit einem Komplizen über Jahre hinweg mehr als 40 Kinder missbraucht und dabei gefilmt haben. Der 56-Jährige soll sein Pflegekind eingesetzt haben, um andere Kinder anzulocken. Das Mädchen war seit Mitte 2016 in seiner Behausung untergebracht. 2017 war ihm die Pflegschaft übertragen worden - trotz mehrfacher Hinweise auf Pädophilie. Im November 2018 wurde das Mädchen vom Jugendamt Lippe in Obhut genommen.

Mitte Dezember 2018 habe das NRW-Schulministerium eine Krisenmeldung der Bezirksregierung erhalten, hieß es weiter. Darin habe die zuständige Dezernentin über schulische Krisenmaßnahmen vor Ort berichtet - etwa die Schaffung von Anlaufstellen für betroffene Kinder und Eltern. Der Fall habe sich bis Paderborn ausgeweitet. Ende Februar seien dort Ermittlungsbeamte in einer Schule erschienen, um einen Schüler zur Vernehmung abzuholen. Mit Unterstützung einer Schulpsychologin und der Polizei sei am 1. Februar ein gemeinsamer Elternbrief an allen öffentlichen Schulen in Lügde verteilt worden. Eine Telefonhotline sei geschaltet und ein Beratungsangebot vor Ort eingerichtet worden.

+++ 14.05.2019: Aufarbeitung von Lügde kommt voran - Erste Anklagen vorgelegt +++

Nach monatelangen Ermittlungen kommt die Aufarbeitung des massenhaften Kindesmissbrauchs in Lügde in Nordrhein-Westfalen voran. Gegen zwei der drei Beschuldigten, einen 56 Jahre alten Dauercamper und einen 49-Jährigen Mann, hat die Staatsanwaltschaft Detmold die Anklageschriften vorgelegt. Das bestätigte das Landgericht Detmold am Dienstag. Die Anklage gegen den dritten Beschuldigten, einen 34 Jahre alten Mann, werde "in Kürze" folgen, sagte ein Sprecher der Anklagebehörde.

Dem beschuldigten 56-jährigen Dauercamper wird schwerer sexueller Missbrauch vorgeworfen. Das Strafmaß liegt bei zwei bis maximal 15 Jahren. Eine Strafe oberhalb von zehn Jahren Haft sei denkbar, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Über die Anklageerhebung hatten NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung" zuerst berichtet.

Das Landgericht Detmold werde den Beschuldigten die Anklagen zuleiten und um Stellungnahme bitten, sagte ein Gerichtssprecher. Danach werde die rund 70-seitige Anklage mit dazugehörigen Haupt- und Fallakten geprüft. Dies werde einige Wochen dauern. Das Material sei umfangreich. Anschließend entscheidet das Gericht, ob die Anklage zur Hauptverhandlung zugelassen wird.

Der 56-Jährige, gegen den jetzt die Anklage vorliegt, gilt laut Staatsanwaltschaft zusammen mit dem 34-Jährigen als Hauptbeschuldigter. Beide sollen über viele Jahre hinweg auf dem Campingplatz an der Grenze zu Niedersachsen mehr als 40 Kinder missbraucht und dabei gefilmt haben. Die beiden Männer und der 49-Jährige sitzen seit Monaten in Untersuchungshaft. Der 49-Jährige aus Stade in Niedersachsen soll Material bestellt und per Videoübertragung den Missbrauch beobachtet haben.

Auf dem Campingplatz sollen minderjährige Opfer auch gezwungen worden sein, an anderen Kindern sexuelle Handlungen vorzunehmen. Das sagte der Bielefelder Opferanwalt Peter Wüller der Deutschen Presse-Agentur. Es sei nach Aussagen vieler Opfer zu Vergewaltigungen gekommen. Kinder hätten zudem an sich selbst und anderen Minderjährigen sexuelle Handlungen vornehmen oder beim Missbrauch zusehen müssen. Das "Westfalen-Blatt" hatte zuvor unter Berufung auf Ermittlungsakten und einen Abschlussbericht der Ermittlungskommission entsprechend berichtet.

Gegen weitere fünf Personen wird wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs, des Besitzes von kinderpornografischem Material oder des Verdachts der Strafvereitelung im Amt ermittelt. Der Fall Lügde hatte sich auch zu einem Justizskandal ausgeweitet. Unter anderem war bei der Kreispolizei Lippe in Detmold ein Teil des Beweismaterials verschwunden. Einem Mitarbeiter des Jugendamtes im niedersächsischen Landkreis Hameln-Pyrmont wurde vorgeworfen, Akten manipuliert zu haben.

+++ 13.05.2019: Neue Details im Fall "Lügde": Minderjährige wurden zum Missbrauch von Kindern gezwungen +++

Im Fall des massenhaften Missbrauchs in Lügde sollen minderjährige Opfer gezwungen worden sein, an anderen Kindern sexuelle Handlungen vorzunehmen. Das berichtete das "Westfalen-Blatt" unter Berufung auf Ermittlungsakten und einen Abschlussbericht, den die Ermittlungskommission an die Staatsanwaltschaft Detmold übergeben habe. Der in der Zeitung zitierte Bielefelder Opferanwalt Peter Wüller sagte der Deutschen Presse-Agentur (dpa) am Montag, es solle nach Aussagen vieler Opfer zu Vergewaltigungen gekommen sein. Kinder hätten zudem an sich selbst und anderen Minderjährigen sexuelle Handlungen vornehmen oder beim Missbrauch zusehen müssen.

Die ermittelnde Polizei in Bielefeld und die Detmolder Staatsanwaltschaft äußerten sich nicht zum Bericht des "Westfalen-Blatt". Danach wird dem Hauptbeschuldigten - einem 56-jährigen Dauercamper - sexueller Missbrauch von 28 Kindern vorgeworfen, seinem Komplizen (33) der Missbrauch von 18 minderjährigen Opfern. Solange die Ermittlungen andauerten, werde man zu Ergebnissen oder Vorwürfen im Detail keine Angaben machen und Medienberichte weder dementieren noch bestätigen, sagte Oberstaatsanwalt Ralf Vetter der dpa. Auch die Polizei in Bielefeld erteilte keine Auskünfte.

Wüller schilderte, er habe die umfangreiche Hauptakte gelesen sowie die Fallakten, die die vier Opfer betreffen, die er vertrete. Daraus gehe hervor, dass die jüngsten Opfer im Kindergartenalter gewesen seien. Den Mädchen und Jungen sei unfassbares Leid zugefügt worden. Es soll zu brutalen Vergewaltigungen gekommen sein, sagte Wüller. Bei so vielen Opfern und mutmaßlichen Taten in derart gewaltigem Umfang sei mit hohen Freiheitsstrafen zu rechnen. Nach ursprünglicher Planung soll ein Prozess im Juni beginnen.

Laut einem Bericht vom Montagabend wurde gegen den 56 Jahre alten Dauercamper und einen 49-Jährigen aus Niedersachsen inzwischen Anklage am Landgericht Detmold erhoben. Das habe das Gericht bestätigt, berichteten NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung". Das Gericht und die Staatsanwaltschaft Detmold waren dazu am Abend nicht zu erreichen.

Den 56 und 33 Jahre alten Beschuldigten wird vorgeworfen, über viele Jahre hinweg auf einem Campingplatz in Lügde (Nordrhein-Westfalen) mehr als 40 Kinder missbraucht und dabei gefilmt zu haben. Die beiden Männer und der 49-Jährige sitzen seit Monaten in Untersuchungshaft. Gegen weitere fünf Personen wird ermittelt wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs, des Besitzes von kinderpornografischem Material oder Strafvereitelung im Amt.

+++ 13.05.2019: Bericht: Anklage gegen zwei Beschuldigte im Fall Lügde erhoben +++

Im Fall des massenhaften Kindesmissbrauchs im nordrhein-westfälischen Lügde ist einem Bericht zufolge Anklage gegen zwei Beschuldigte erhoben worden. Das habe das Landgericht Detmold bestätigt, berichteten NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung". Das Landgericht und die Staatsanwaltschaft Detmold waren dazu am Abend zunächst nicht zu erreichen.

Das Gericht werde den Beschuldigten, einem 56 Jahre alten Dauercamper und einem 49-Jährigen, die Anklagen nun zuleiten und um Stellungnahme bitten, hieß es unter Berufung auf einen Gerichtssprecher. Danach werde entschieden, ob die Anklage zur Hauptverhandlung zugelassen wird.

Im Fall Lügde werden ein 56-Jähriger und ein 33-Jähriger beschuldigt, über viele Jahre hinweg auf einem Campingplatz in Lügde an der Grenze zu Niedersachsen mehr als 40 Kinder missbraucht und dabei gefilmt zu haben. Der 56-Jährige, der 33-Jährige sowie der 49-Jährige sitzen seit Monaten in Untersuchungshaft. Gegen weitere fünf Personen wird wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs, des Besitzes von kinderpornografischem Material oder Strafvereitelung im Amt ermittelt.

+++ 10.05.2019: Fall Lügde: Hauptbeschuldigter macht erstmals Angaben +++

Im Fall des massenhaften sexuellen Missbrauchs von Kindern auf einem Campingplatz in Lügde hat der Hauptverdächtige erstmals Angaben gegenüber den Ermittlern gemacht. Der Verteidiger des Hauptbeschuldigten habe "eine Einlassung eingereicht", die allerdings "nicht die eigene Tatbeteiligung betrifft", teilten die Polizei Bielefeld und die Staatsanwaltschaft Detmold auf dpa-Anfrage am Freitag mit. Darüber hinaus habe der 56-Jährige "keine Angaben zur Sache gemacht". Mit Blick auf die laufenden Ermittlungen gaben die Behörden keine konkreteren Auskünfte.

Die "Neue Westfälische" zitierte den Verteidiger des 56-Jährigen, sein Mandant sei bereit, "die Taten schnell aufzuklären". Von ihm sei auch der Hinweis auf den 21-Jährigen gekommen, gegen den seit Kurzem wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs ebenfalls Ermittlungen aufgenommen wurden. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur wollte sich der Verteidiger nicht äußern.

Dem 56-jährigen Dauercamper und einem Komplizen (33) wird vorgeworfen, mehr als 40 Kinder über Jahre hinweg missbraucht und dabei gefilmt zu haben. Die beiden Männer und ein inzwischen 49-Jähriger aus Stade (Niedersachsen) sitzen in Untersuchungshaft. Zudem wird gegen weitere fünf Beschuldigte wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs, des Besitzes von kinderpornografischem Material oder Strafvereitelung ermittelt.

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