14.09.2018, 13.58 Uhr

Mordfall Peggy: Nach 17 Jahren erneute Durchsuchungen bei 41 Jahre altem Beschuldigten

Im Mordfall Peggy gab es nach 17 Jahren neue umfangreiche Einsätze der Polizei. In Oberfranken kam es am Mittwoch zu Durchsuchungen mehrerer Anwesen. Der Mörder konnte aber noch nicht identifiziert werden.

Wurde Peggys Mörder endlich geschnappt? Bild: dpa

Das Schicksal der neunjährigen Peggy zählt zu den rätselhaftesten Vermisstenfällen in Deutschland. Im Mai 2001 war die alte Schülerin im oberfränkischen Lichtenberg spurlos verschwunden. Im Juli 2016 entdeckte ein Pilzsammler zufällig ihre sterblichen Überreste im Grenzgebiet zwischen Bayern und Thüringen. Die Ermittler haben den Fall nicht gelöst - aber es gab einen neuen Einsatz.

Mordfall Peggy: Suche nach Mörder 17 Jahre später wieder aufgenommen

Aufgrund neuer Erkenntnissehat die Polizei mehrere Anwesen eines 41 Jahre alten Beschuldigten durchsucht. Der Mann sei bereits früher zum "relevanten Personenkreis" im Zusammenhang mit dem Verschwinden von Peggy gezählt worden, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit.

"Es gab einen umfangreichen Polizeieinsatz", sagte Jürgen Stadter von der Polizei Oberfranken am Donnerstag zu den Durchsuchungen vom Mittwoch in Marktleuthen und Peggys Heimatort Lichtenberg im Norden von Bayern. Dabei seien Personen vernommen worden. Medienberichte, wonach es eine Festnahme oder sogar ein Geständnis gegeben habe, dementierte der Sprecher. Es gebe keinen neuen Tatverdächtigen. "Es ist derzeit niemand in Haft."Details zu dem Einsatz wollte die Polizei am Nachmittag bekanntgeben.

Beschuldigter (41) wieder unter Verdacht wegen Mord an Peggy

Nun sei Der 41-Jährige wieder in den Fokus der Ermittler gerückt, weil inzwischen Untersuchungsergebnisse zu Spuren vom Fundort von Peggys Knochen vorliegen und frühere Erkenntnisse neu bewertet wurden. Er sei vernommen und danach wieder entlassen worden. "Zum Inhalt der Aussage können wegen der andauernden Ermittlungen keine Angaben gemacht werden", hieß es. Die Durchsuchungen im oberfränkischen Lichtenberg (Landkreis Hof) und im rund 50 Kilometer entfernten Marktleuthen (Landkreis Wunsiedel) fanden bereits am Mittwoch statt.

Gegen den beschuldigten 41-Jährigen hätten sich Verdachtsmomente ergeben, nachdem die Polizei die wissenschaftlichen Untersuchungen zu den am Knochen-Fundort gefundenen Spuren bewertet und mit Erkenntnissen aus den Ermittlungsakten abgeglichen habe. Weitere Ermittlungsschritte hätten diese Verdachtsmomente untermauert. Jetzt sollen Nachbarn des Verdächtigen der "Bild" berichtet haben, wie die Behörden Proben aus seinem Garten nahmen. Eventuell sollen diese mit Erdklumpen verglichen werden, die beim Fund von Peggy gesichert wurden, aber von einem anderen Ort stammen sollen.

Fall um Peggy spektakulärster Mord in der deutschen Kriminalgeschichte

Peggys Schicksal zählt zu den rätselhaftesten Vermisstenfällen in Deutschland. Am 7. Mai 2001 war die damals neunjährige Peggy auf dem Heimweg von der Schule verschwunden. Gut 15 Jahre später, am 2. Juli 2016, fand ein Pilzsammler Teile ihres Skeletts in einem Waldstück in Thüringen - knapp 20 Kilometer von Peggys Heimatort Lichtenberg entfernt. Am Fundort entdeckten die Ermittler auch DNA des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt. Wie sich später herausstellte, war der Grund für den Zusammenhang aber eine Verunreinigung bei der Spurensicherung.

Eine Gen-Spur Böhnhardts, die an einem zwölf mal vier Millimeter großen Textilstück entdeckt worden war, habe zweifelsfrei einem Kopfhörer Böhnhardts zugeordnet werden können, teilten die Ermittler später mit. Eine Täterschaft des NSU-Mitglieds ist ihren Angaben nach auszuschließen. Allerdings war Peggys Tod deshalb auch Thema im NSU-Prozess vor dem Münchner Oberlandesgericht: Die Hauptangeklagte Beate Zschäpe bestritt dort, etwas über die getötete Peggy gewusst zu haben.

Mordfall Peggy konnte bis heute nicht gelöst werden

Die Ermittler haben den Fall bis heute nicht gelöst. Sie hatten im Laufe der Jahre aber mehrere Verdächtige im Visier. Der deutschlandweit bekannteste Fall ist der eines geistig Behinderten, den ein Gericht 2004 als Mörder von Peggy verurteilte. Zehn Jahre später wurde er aber in einem Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen.

Im vergangenen Jahr hatte sich eine Gruppe von Bürgern aus Lichtenberg mit einem "Hilferuf" an die Öffentlichkeit gewandt. Darin warfen die elf Unterzeichner den Ermittlungsbehörden gravierende Fehler und Schlamperei vor. Sie sprachen von einem "Polizei- und Justizskandal" und einseitigen Ermittlungen. Viele Hinweise aus der Bevölkerung seien ignoriert worden und Zeugenaussagen aus den Akten verschwunden. Unter den Unterzeichnern sind Lichtenbergs Bürgermeister Holger Knüppel und mehrere Stadträte. Der Leitende Oberstaatsanwalt Herbert Potzel wies die Vorwürfe zurück.

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fka/jat/news.de/dpa

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