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Kindesmissbrauch in Freiburg: Missbrauchsbeauftragter: Jugendämter brauchen mehr Personal

Der neunjährige Junge aus Freiburg wurde seit 2015 im Internet zum Sex angeboten. Bild: dpa

Angesichts des jahrelangen Missbrauchs eines Neunjährigen im Raum Freiburg fordert der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung unter anderem Verbesserungen bei den Jugendämtern. "Hier ist die Abwägung zugunsten des Kindeswohls nun völlig daneben gegangen und das Zusammenspiel zwischen Jugendamt und Familiengericht war falsch", sagte Johannes-Wilhelm Rörig am Montag im «Morgenmagazin» von ARD und ZDF. "Jugendämter brauchen mehr Personal, müssen besser hineinschauen können in die Familien." Zudem müssten Familienrichter entlastet und fortgebildet werden, um besser mit sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche umzugehen.

Freiburger Junge konnte nicht aus Familie genommen werden

In dem Freiburger Fall konnte das Kind nicht dauerhaft aus der Familie genommen werden, obwohl Polizei, Justiz und Jugendamt wussten, dass ein vorbestrafter Sexualstraftäter verbotenerweise mit dem Jungen zusammenwohnte. Der Junge wurde nach Ermittlerangaben etwa zwei Jahre lang von seiner Mutter im Internet für Sex angeboten. Der Lebensgefährte der Mutter durfte nach Justizangaben seit 2014 keinen Kontakt mit Kindern unter 18 Jahren haben, zog aber trotz gerichtlichen Verbots zu der Frau.

Deutschland braucht Kindesmissbrauchsbekämpfungsgesetz

"Ich frage mich zum Beispiel: Warum hat in der Schule niemand was gemerkt davon, was dem Kind angetan wurde?", sagte Rörig. "Ein Kind, das so einer katastrophalen Brutalität ausgesetzt ist, sendet Signale." Lehrer bräuchten Basiswissen zum Thema sexuelle Gewalt, um sensibel zu sein. "Wir müssen den Kampf gegen sexuelle Gewalt viel konsequenter führen", forderte der Experte. "Wir brauchen in Deutschland dringend ein Kindesmissbrauchsbekämpfungsgesetz."

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Ministerium: Freiburger Pädophilenfall wird untersucht

Baden-Württembergs Sozialminister Manne Lucha (Grüne) will die Rolle von Behörden und Justiz im Fall des jahrelang missbrauchten Neunjährigen im Raum Freiburg überprüfen lassen. "Soweit ich die Sachlage bis jetzt kenne, war es ja nicht so, dass die Behörden nicht auf die Missstände in der Familie hingewiesen hätten", sagte er am Montag der Deutschen Presse-Agentur in Freiburg. "Deshalb müssen wir nun auch mit den Kollegen der anderen Ministerien, also auch dem Justizministerium überprüfen, wo hier etwas schiefgelaufen ist." Zudem gehe es darum, dem Neunjährigen nun optimal zu helfen.

"Bevor wir pauschal urteilen, müssen wir die Vorfälle gründlich, transparent und zügig untersuchen", sagte der Minister. Das werde er innerhalb der Landesregierung anstoßen. Jugendhilfe sei zwar eine sogenannte weisungsfreie Pflichtaufgabe der Kommunen. Dennoch müsse das Land jetzt genau hinschauen, ob und wo es Nachbesserungsbedarf gebe. Auch müsse dem Jungen geholfen werden, "damit er überhaupt noch die Chance auf eine eigene Biografie hat".

Das Kind war den Ermittlungen zufolge von seiner Mutter und deren Lebensgefährten im Internet gegen Geld für Vergewaltigungen vermittelt worden. Das Jugendamt hatte den Jungen nach Hinweisen der Polizei im vergangenen März aus der Familie genommen. Zwei Gerichte hatten diese Entscheidung aber nicht mitgetragen, der Junge kam daraufhin zurück in die Familie, in der es zu den Taten kam.

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gea/news.de/dpa

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