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07.07.2017, 08.32 Uhr

Discounter erpresst: Freigelassener Mörder vergiftet Nutella im Lidl

Im Herbst 2016 erhält der Discounter Lidl mehrere Erpresserschreiben. Später werden in verschiedenen Filialen vergiftete Lebensmittel gefunden - unter anderem Nutella. Beim Prozessauftakt in Dortmund wird bekannt, dass einer der beiden mutmaßlichen Täter wegen Mordes vorbestraft ist.

Einer der mutmaßlichen Lidl-Erpresser ist ein freigelassener Mörder. Bild: dpa

Am 10. September 2016 um exakt 0.07 Uhr landet eine E-Mail im Postfach des Discounters Lidl. In englischer Sprache fordert der Absender die Zahlung von fünf Millionen Euro in der Digitalwährung Bitcoin und droht damit, andernfalls mit Gift versetzte Lebensmittel in Lidl-Filialen zu deponieren. Seit Donnerstag beschäftigt der Fall das Dortmunder Landgericht.

Die beiden Männer auf der Anklagebank sind 45 und 46 Jahre alt. Zuletzt haben sie in Kreuzau in der Eifel gewohnt. Ob sie etwas mit der Erpressung zu tun haben, wollen sie den Richtern am ersten Verhandlungstag noch nicht sagen. Ihre Aussagen sind nun für Mitte Juli vorgesehen.

Lidl-Erpresser vergiftete Nutella

Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, dass mindestens zwei weitere Männer an der Erpressung des Konzerns beteiligt waren. Diese sollen den Angeklagten dabei geholfen haben, Zucker, Zahnpasta, Nutella und andere Lebensmittel mit einem nicht tödlich wirkenden Pflanzenschutzmittel zu vergiften und die Produkte anschließend wieder in die Regale verschiedener Filialen des Discounters zu stellen. Solche Produkte wurden in Dortmund, Köln, Düsseldorf und Bonn sichergestellt. Kurz zuvor hatte Lidl eine erneute Erpresser-Mail erhalten, in der die Forderung noch einmal bekräftigt und auf die vergifteten Lebensmittel hingewiesen wurde. Auch dieses Schreiben wurde laut Anklage in englischer Sprache verfasst.

Gift mit Spritzen durch die Deckel eingefüllt

Staatsanwältin Dagmar Kolbe wirft den Angeklagten vor, mit der Gesundheit der Lidl-Kunden gespielt zu haben. "Sie gingen zumindest davon aus, dass es zu Durchfallerscheinungen kommen könnte", heißt es in der Anklageschrift. Ob tatsächlich jemals vergiftete Produkte verkauft und verzehrt wurden, ist nicht bekannt. Sicher ist aber, dass die Verpackungen nur mit größten Schwierigkeiten als manipuliert zu erkennen gewesen wären. Die Täter hatten das Gift mit Spritzen in die Tuben und durch die Deckel eingefüllt. Auf verschiedenen Fotos in den Prozessakten sind die Einstichlöcher zu erkennen - allerdings längst nicht immer auf den ersten Blick.

Mutmaßlicher Lidl-Erpresser ist verurteiler Mörder

Sollten die Richter am Ende von der Schuld der beiden Angeklagten ausgehen, würde der 46-Jährige vermutlich dorthin zurückkehren, wo er schon viele Jahre seines Lebens verbracht hat. Der Mann hat bereits reichlich Gefängnis-Erfahrung gesammelt.

Als die Richter ihn am ersten Verhandlungstag zu seinem bisherigen Lebenslauf befragen, kommt der 46-Jährige auch auf das bisher dunkelste Kapitel seiner Lebensgeschichte zu sprechen. 1993 wurde er vom Schwurgericht Aachen wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Auf die Frage, wann er wieder entlassen wurde, antwortet der 46-Jährige hastig: "Nach 14 Jahren, elf Monaten, drei Wochen und fünf Tagen." Die genauen Details der damaligen Verurteilung wollen die Richter erst im Laufe des Verfahrens erörtern.

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rut/news.de/dpa

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