22.02.2017, 14.30 Uhr

Katharina von Bora: So lebte Luthers Frau wirklich nach ihrer Flucht aus dem Kloster

Die Reformation war nicht allein das Werk von Männern. Auch Frauen hatten ihren Anteil an der Verbreitung von Luthers Thesen - wie das Beispiel von Luthers späterer Frau Katharina von Bora zeigt. Aber das ist heute fast vergessen.

Es gibt ein Bild von Lucas Cranach dem Jüngeren, auf dem Martin Luther umringt von seinen Mitarbeitern zu sehen ist. Alle sind Männer. Doch die wohl wichtigste Mitarbeiterin Luthers - seine Ehefrau Katharina von Bora - ist nicht auf dem Bild. Aber auch Frauen brachten die Reformation voran.

Von einem "Filter der Geschichte" spricht Irene Diller von der Gender- und Gleichstellungsstelle der Evangelischen Kirche im Rheinland. "Bei den Mächtigen wurde vor allem überliefert, was Männer gemacht haben", sagt sie. Zum 500. Reformationsjubiläum zieht eine Wanderausstellung mit 13 Porträts von Herrscherinnen, Dichterinnen und Theologinnen der Reformation durch Deutschland.

Katharina von Bora: Bei Luthers Frau war Multi-Tasking gefragt

Ohne seine Ehefrau und engste Vertraute Katharina von Bora (1499-1552), eine adlige Nonne, die wie viele andere aus dem Kloster geflüchtet war, hätte Luther zum Beispiel sein offenes Haus nicht unterhalten können. Katharina war das perfekte Beispiel für Multi-Tasking: Sie zog sechs eigene Kinder und manches andere auf, besaß ein eigenes Landgut, managte Garten, Viehhaltung, Brauerei und sicherte den Lebensunterhalt mit Untervermietungen an Studenten. Auch brachte sie eigene theologische Beiträge zur Reformation ein.

Wahre Geschichte von Katharina Luther: Nach Luthers Tod wurde sie enteignet

Aber ob ihre Beziehung zu Luther gleichberechtigt war, wisse man nicht, sagt die Oxford-Historikerin Lyndal Roper. Luther schrieb Katharina zwar verehrungsvolle Briefe. Andererseits musste sie ihn immer mit "Herr Doctor" ansprechen. Nach Luthers Tod erlebte Katharina Enteignung und üble Nachrede. Luthers Testament, das ihr alle Vollmachten gab, wurde nicht anerkannt.

Wie Katharina von Bora: Diese Frauen strebten nach Luthers Beispiel

Katharina von Bora ist noch vielen ein Begriff - Argula von Grumbach (1492-1554) dagegen wird in den Geschichtsbüchern zumeist nur nebenbei erwähnt. Die adlige Mutter von vier Kindern gilt als die erste Frau, die öffentlich für die Reformation eintrat.

Katharina Schütz Zell (1497/98-1562), die bürgerliche "Kirchenmutter Straßburgs", wurde öffentlich angegriffen, weil sie den evangelischen Prediger Matthias Zell geheiratet hatte. Elisabeth von Rochlitz (1502-1557), Geheimagentin für den Schmalkaldischen Bund, musste sogar fliehen. Sie war die einzige Frau in dem Verteidigungsbündnis protestantischer Fürsten.

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rut/sam/news.de/dpa

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