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Von news.de-Redakteurin Juliane Ziegengeist - 14.01.2014, 08.00 Uhr

Unwort des Jahres 2013: Sozialtourismus: Zwischen Rassismus und Polemik

Opfer-Abo, Herdprämie oder Alternativlos: Sie alle wurden bereits zum Unwort des Jahres gekürt. Auch für 2013 gab es heiße Favoriten auf den Sieg. Doch es siegte mal wieder ein Außenseiter.

Das Unwort des Jahres 2013 steht fest. Die Jury hat sich für Sozialtourismus entschieden. Bild: dpa/Stephan Jansen

Mehr als 700 Vorschläge waren eingegangen, nun steht das Unwort des Jahres 2013 fest: Sozialtourismus. Wie jedes Jahr hat eine Fachjury von der Technischen Universität Darmstadt entschieden, welches Wort im vergangenen Jahr als besonders diskriminierend, undemokratisch oder menschenverachtend aufgefallen ist.

Zur Begründung hieß, mit dem Wort "wurde von einigen Politikern und Medien gezielt Stimmung gegen unerwünschte Zuwanderer, insbesondere aus Osteuropa, gemacht". Es diskrimiere Menschen, die aus Not nach Deutschland kommen, um ein besseres Leben zu führen.

Angst vor gering qualifizierten Migranten geschürt

Als Favorit galten eigentlich "Armutszuwanderung" und "Supergrundrecht". Letzteres hatte der frühere Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) im Zusammenhang mit der NSA-Affäre lanciert. Er wollte damit zum Ausdruck bringen, dass die Sicherheit höher zu gewichten sei als andere Grundrechte.

Auch "Armutszuwanderung" stammt aus der CSU-Wortschmiede. Die Partei bezeichnete damit jüngst jene gering qualifizierten Zuwanderer, die kaum eine Chance darauf hätten, in Deutschland Arbeit zu finden, und deshalb auf entsprechende Sozialleistungen angewiesen seien.

FOTOS: Unwort des Jahres Was besser nie gesagt worden wäre

Zum Hintergrund: Seit 1. Januar können Bulgaren und Rumänen in Deutschland uneingeschränkt nach Arbeit suchen. Einige Politiker befürchten jedoch offenbar, dass aus der neuen Freizügigkeit vor allem neue, prekäre Lebensverhältnisse für Migranten entstehen.

Sprachliche Fehlgriffe müssen aktuell sein

Tatsächlich bestätigt sich dieser Verdacht in den bisherigen Zahlen nicht. So waren Mitte 2013 nur 0,6 Prozent der Hartz-IV-Empfänger Bulgaren und Rumänen; ihre Arbeitslosenquote lag laut Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung unter dem Schnitt der Gesamtbevölkerung.

Genau diese Diskrepanz veranlasste die Bürger, "Armutszuwanderung" als Vorschlag für das Unwort des Jahres einzureichen. Denn Ideen einbringen kann jeder bis zum 31. Dezember eines Kalenderjahres. Dabei müssen die sprachlichen Fehlgriffe aktuell sein und mit einer Quelle belegt werden können.

Die Unwörter des Jahres 1991-2012
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