14.06.2013, 20.06 Uhr

Schönheitswahn: Selbst die Schamlippen sind geliftet

Immer mehr Deutsche nehmen eine schmerzhafte Operation auf sich, um ihren Traumkörper zu bekommen. Schon jetzt dient jeder dritte chirurgische Eingriff der Ästhetik. Auch für unten herum. Selbst Männer lassen richtig Hand an sich legen.

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Brüste vergrößern, Lider straffen und Fett absaugen: Das sind die drei häufigsten ästhetischen Operationen, die in deutschen Kliniken und Praxen 2011 - das sind die aktuellsten Zahlen - durchgeführt worden sind. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC) hervor. Insgesamt wurden 885 Fachärzte dafür kontaktiert.

Nach DGPRÄC-Angaben wurden im Jahr 2011 insgesamt 138.500 ästhetisch-plastische Korrekturen gemacht. Das macht bereits jetzt schon ein Drittel der gesamten plastisch-chirurgischen Eingriffe aus. Bereits 2004 lag der Anteil bei etwa einem Viertel. So ist über die Jahre hinweg ein leichter, aber kontinuierlicher Zuwachs zu verzeichnen.

«Dies zeigt sehr deutlich, dass die Plastische Chirurgie mehr als ,Schönheitschirurgie' beinhaltet und die Ästhetische Chirurgie als eine der vier Säulen des Faches lediglich einen Teil des breiten Spektrums darstellt», betont DGPRÄC-Präsident Professor Peter M. Vogt in einer Pressemitteilung.

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Mittlerweile spritzt jeder

Der klassischen OP stehen mit 132.000 Fällen fast ebenso viele Eingriffe gegenüber, wo Falten mit Botox, Hyaluronsäure und anderen Präparaten weggespritzt worden sind. Doch die Aussagekraft der Fallzahlen seien Vogt zufolge eher gering.

«Zum einen kommt die hohe Zahl dadurch zustande, dass Botulinumtoxin (Botox) und Hyaluronsäure regelmäßig nachgespritzt werden müssen. Außerdem bieten viele andere Arztgruppen ebenfalls Unterspritzungen an, so dass die Gesamtzahl mit Sicherheit deutlich größer ist», erklärt Vogt. Der Professor kritisiert: Selbst Heilpraktiker und Kosmetiker würden heute schon Falten unterspritzen, wobei letztere Gruppe dazu gar nicht befugt sei.

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Fast jeder sechste Patient ist männlich

Schönheits-OPs sind schon lange nicht mehr eine Domäne der Frauen: Der Männer-Anteil bei Eingriffen liegt derzeit bei 16 Prozent – Falten wegspritzen nicht mitgerechnet. Bei Haartransplantationen ist das starke Geschlecht mit 81 Prozent in der Überzahl.

Bei Ohrkorrekturen ist mit 34 Prozent jeder dritte Patient ein Mann, bei den Kinnkorrekturen sind es 32 Prozent. Verschwindend gering hingegen lassen sich die Oberschenkel (sechs Prozent) und die Oberarme (vier Prozent) straffen. «Die Statistik bildet deutlich die Problemzonen des Mannes ab – Haarausfall, abstehende Ohren, ein wenig markantes Kinn», erklärt Präsident Vogt. «Dafür ist das männliche Bindegewebe an Oberschenkel und Oberarm nicht so sehr das Problem.»

Enge Schamlippen liegen im Trend

Auch im Intimbereich wird kräftig operiert. Während Penis-Verlängerungen mit rund 150 Eingriffen eher unbedeutend waren, gibt es einen Boom bei Korrekturen der weiblichen Schamlippen. Mehr als 5400 Eingriffe zeigen deutlich, dass diese Eingriffe kein Randthema mehr sind. «In vielen Fällen sind die Eingriffe notwendig, etwa bei stark vergrößerten, schmerzhaften Schamlippen. Aber natürlich sorgt die starke mediale Aufmerksamkeit auch dafür, dass viele Frauen ihre Schamlippen nicht mehr als ‹schön› empfinden», bilanziert der Experte.

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sca/news.de