Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier - 08.01.2010, 15.55 Uhr

Klima: Deutschland ist gar nicht so gemäßigt

Warum ist es in Leipzig so kalt, und womit hat das Sauerland den ganzen Regen verdient? Deutschland liegt samt und sonders in der gemäßigten Klimazone, doch Wasser- und Landmassen bringen dennoch kräftig Abwechslung ins Wetter.

Ein Rundflug über Deutschland zeigt, dass auch hier nicht alles gleich gemäßigt ist. Bild: ap

Hamburg minus 2, Köln minus 7, Konstanz minus 2, Nürnberg minus 3 – und Leipzig minus 12. Wer sich auf den Temperatur-Rundflug über Deutschland begibt, fällt über der Leipziger Tieflandsbucht in ein Kälteloch.

Dabei leben wir hier doch eigentlich alle in der gemäßigten Klimazone. «Im wesentlichen hängt das Klima von der geographischen Breite ab, und da haben wir mit zwischen 47,5 und 55 Grad nördlicher Breite nicht so viel zu bieten», wiegelt der Meteorologe Gerhard Müller-Westermeier, der für den Deutschen Wetterdienst (DWD) das Klima betrachtet, die Frage nach den deutschen Klimazonen ab.

Denn Deutschland ist vergleichsweise langweilig, was die klimatischen Varianten betrifft. Der Golfstrom, der die Westseiten der Kontinente beeinflusste, mache es uns relativ mild, erklärt Müller-Westermeier. Dennoch zeichnen Garten- und Heizungsbauer Karten, in denen sie sogenannte Klimazonen aufmachen. Für die Gärtner beispielsweise es wichtig, wie kalt die Winter werden können, um zu wissen, welche Pflanzen in welcher Region als «winterhart» gelten.

FOTOS: Aberglaube oder Wissenschaft Mit Bauernregeln durch das Jahr
zurück Weiter 01.jpg (Foto) Foto: news.de/dpa (Montage) Kamera

Zerklüftete Streifen ziehen sich auf der «Winterhärte»-Karte diagonal von Nordost nach Südwest durch Mitteleuropa, vier davon streifen Deutschland. Die Tendenz ist eindeutig: Je weiter südöstlich, desto kälter. «Die beiden Einflussfaktoren sind die Höhe und der Abstand vom Meer», erklärt Müller-Westermeier.

Nord- und Ostsee im Norden und Nordwesten und die Alpen im Süden sind also unsere Klimamacher. «Meeresnah ist das Klima ausgeglichener, wir haben mildere Winter und kühlere Sommer, und im Flachland sind die Temperaturen höher als in der Höhe. Wenn man alles zusammen nimmt, kommt dabei raus, dass die wärmsten Ecken am Rhein sind», erklärt der Meteorologe. Die höchste langfristige Durchschnittstemperatur erreichte zwischen 1961 und 1990 Duisburg, mit 10,9 Grad. Durch die Nähe zur Nordsee und die atlantischen Tiefdruckgebiete wird es dort im Winter nicht so kalt, im Sommer allerdings auch nicht außergewöhnlich warm. Gemäßigt eben.

Je weiter weg vom Meer wir leben, desto mehr gelangen wir in den Griff des kontinentalen Klimas: Das ist ruppiger, knackig kalt im Winter und sommerlich heiß. Der Oberrhein hat ein bisschen von beidem: Er liegt weit genug im Westen und damit nah genug am Meer, um relativ milde Winter zu erleben, aber auch südlich genug, um im Sommer die Hitze zu spüren.

Meer und Berge haben es auch zu verantworten, dass es im Sauerland ständig regnet - und in Leipzig nicht so viel. «Über dem Wasser lädt sich die Luft auf, zum Kontinent hin wird die Feuchtigkeit weniger, nimmt in der Höhe aber wieder zu», erläutert Gerhard Müller-Westermeier die klimatischen Grundregeln. Vor der ersten Mittelgebirgswelle vom Meer ins Inland regnet sich die Feuchtigkeit ab, was im Westen die Niederschlagskarte mit nassblauen Punkten sprenkelt. «Hinter Bergen und in Mulden ist es dann wieder trocken», fügt der Meteorologe hinzu. Ziemlich trocken bleibt auch der Osten, denn bis zu Thüringer Wald, Vogtland und Erzgebirge liegt er von der Ostsee aus flach da. Tiefblau und sogar lila wird die Niederschlangskarte dann im Alpenraum und im Schwarzwald.

Nicht nur die Gartenbauer wollen darüber im Bilde sein, was das Klima für sie bereithält. «Die Bauwirtschaft muss wissen, wie sie ihre Heizungen dimensionieren und bei Dachkonstruktionen, wie viel Schnee die Dächer aushalten müssen», sagt Müller-Westerwald. Und auch die Abwassersysteme würden von vornherein so dimensioniert, dass sie den zu erwartenden Niederschlagsmengen entsprechen. «Wir haben Kunden aus allen Wirtschaftsbereichen», erklärt der DWD-Meteorologe.

kat/news.de

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