26.10.2009, 14.39 Uhr

Kommentar zur Vagina-Ausstellung: Spaß mit der Yoni

Haben Sie schon mal eingehend Ihre Vagina angeschaut? Es wäre doch schön, zu wissen, ob sie einem Schmetterling, einer Blume oder einer Felsspalte ähnelt. Dank Grit Scholz können wir jetzt auch darüber reden.

Isabelle Wiedemeier Bild: news.de

Am Anfang war das Wort. Vagina, Scheide, Muschi, und von da an geht es unter die Gürtellinie. Keine Worte, mit denen sich Frau wohlfühlt. Medizinisch oder vulgär lässt sich prächtig über weibliche Genitalien plaudern. Aber persönlich und liebevoll? Schon dafür können wir Grit Scholz dankbar sein. Sie sagt Yoni. Das klingt seltsam vertraut. Da sind plötzlich auch andere Gespräche denkbar.

Am Anfang war die Tat, interpretiert Goethes Faust die Bibel um. Und trifft schon eher den Kern. Denn getan wird Vieles mit der Vagina. Kinder gezeugt, geboren, und auch manchmal Spaß gehabt - wenn auch, noch 50 Jahre nach Simone de Beauvouir, oft zu einseitig. Sicher liegt das auch daran, dass Frauen im Allgemeinen nicht so ein inniges Verhältnis zu ihrer Yoni haben wie Männer zu ihrem Pendant. Daran ist zur Abwechslung mal nicht der Mann Schuld.

FOTOS: Ausstellung Kein Monolog über Vaginas

Offenbar hat einfach die Natur die Verschwörung gegen die weibliche Sexualität angezettelt. Denn um zu sehen, wie sie «da unten» eigentlich aussieht, brauchen Frauen einen Spiegel. Und das intensive In-den-Spiegel-schauen gehört zum Aufklärungspaket normalerweise nicht dazu. Passiert irgendwann «heimlich», oder auch nicht. Die Männer müssen sich gar nicht erst Gedanken machen. Sie sehen ja beides.

Dass Frauen mindestens genauso viel natürliche Schönheit zu bieten haben, zeigt jetzt Grit Scholz mit ihren Fotos. Aber sie hat nicht nur die weibliche Vielfalt fotografiert und mit der Natur verglichen. Sie hat sie vor allem gelebt. Ihre gar nicht schockierende Vagina-Ausstellung blüht erst mit der Geschichte dazu richtig auf.

Wenn Scholz erzählt, wie sie sich mit 15 anderen Frauen gegenseitig betrachtet und kleine Kunststückchen vorgeführt haben, wird die Yoni auf einmal ein ganz normales Körperteil – mit dem man richtig Spaß haben kann. Und manche Frau wird den Spiegel zücken. Und es ist Zeit dafür.

hav/reu/news.de

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