Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann - 15.07.2009, 15.45 Uhr

Zuschuss für Hartz-IV-Kinder: Schule ist ein teurer Spaß

Einkommensschwache Familien bekommen künftig einmal jährlich 100 Euro für Schüler. Erstmals zahlen Grundsicherungsstellen und Familienkassen die mit dem Konjunkturpaket II beschlossenen Schulstarterpakete aus.

Nicht nur der Schulanfang ist für Eltern, die Hartz IV beziehen, ein teurer Spaß. Bild: ddp

Das Geld ist nicht nur für Schulanfänger gedacht, sondern für alle Schüler, die das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben und eine allgemein- oder berufsbildende Schule besuchen. Voraussetzung: Mindestens ein Elternteil muss Hartz-IV-Empfänger sein. Für Kinder, für die ein Anspruch auf Kinderzuschlag besteht, wird das Geld ebenfalls ausgezahlt.

Erstmals wird das Geld Ende Juli zusammen mit dem Arbeitslosengeld II bereitgestellt. Insgesamt 1,3 Millionen Kinder in Deutschland sollen ein solches Starterpaket erhalten. Das Geld muss nicht beantragt werden. Die Auszahlung erfolgt automatisch.

Mit dem Geld sollen etwa Schulranzen, Sportbekleidung und Unterrichtsmaterial angeschafft werden. Doch was lässt sich damit wirklich finanzieren?

«Uns ist bewusst, dass mit 100 Euro nicht alle Kosten gedeckt sind», sagt Hermann Leistner, Sprecher der Arbeitsagentur Leipzig. «Doch mehr, als der Gesetzgeber vorsieht, können wir nicht tun.» Betroffene müssten sich umschauen, auf Sonderangebote achten oder dafür sorgen, dass Materialien älterer Geschwister so gut erhalten bleiben, dass die jüngeren sie nutzen können.

Ranzenkauf langfristig planen

Viel lässt sich mit den 100 Euro nicht bestreiten. Gerade neue Schulranzen sind teuer. Selbst im Internet kostet ein stabiler, rückenschonender Ranzen – bisweilen mit Federmappe, Brotdose und Turnbeutel - ab 100 Euro aufwärts.

Wer die Optik vernachlässigt und Preisnachlässen sucht, zahlt rund 50 Euro. Wer wisse, dass sein Kind im nächsten Jahr in die Schule kommt, sollte den Kauf in den September legen. «Dann ist die aktuelle Erstklässlergeneration in der Schule und Restbestände werden günstiger angeboten», so Leistner. Tauschbörsen an Schulen und Kindergärten sollten ebenfalls genutzt werden.

Günter Habetz, Vorstandsmitglied des Vereins Second-Hand rät zudem, sich in Second-Hand-Kinderläden umzuschauen. Einige Städte, etwa Neunkirchen im Saarland, rufen regelmäßig Spendenaktionen für gebrauchte Schulranzen aus, um sie – gegen Vorlage eines ALG-II-Bescheides – kostenlos an Hartz-IV-Empfänger zu vergeben.

Neben dem Ranzen sind Füller, Bleistifte, Tuschkasten und Pinsel, Schreibhefte oder passende Alternativen nötig. Tuschkasten und Buntstifte kosten im Fachhandel etwa fünf Euro. Im Discounter sind diese Materialien schon für die Hälfte oder weniger zu haben. Was zählt, ist der Preisvergleich. Denn 1-Euro-Läden sind nicht immer die günstigsten Anbieter.

Es geht nicht ohne Preisvergleich

Schulhefte werden beispielsweise im Supermarkt schon für 70 Cent angeboten - oder im Paket. Die einfachste Ausführung ist meist die preisgünstigste.

Schwieriger wird es bei kindgerechten Füllhaltern, die die Schulen fordern. Über Preissuchmaschinen finden sich im Internet Angebote für Markenhersteller bereits ab acht Euro. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass dabei Versandkosten anfallen. Ein Kauf lohnt nur, wenn weitere Materialien mitbestellt werden können und der Gesamtpreis günstiger ist als in ortsansässigen Geschäften.

«Mit Sportschuhen für draußen und abriebfesten Sportschuhen für die Halle sowie kurzem und langem Sportzeug und allen Verbrauchsmaterialien kostet eine Erstausstattung um die 200 Euro», sagt Roman Schulz, Sprecher der Leipziger Regionalstelle der sächsischen Bildungsagentur.

Wer bei knapper Kasse alles Notwenige zusammenbekommen wolle, soll bedenken, dass sich etwa eine Schultüte für den Schulanfang nicht nur mit Süßigkeiten füllen lassen. «Schon im Vorfeld kann man sich eine Liste machen und die gemeinsam mit der Verwandtschaft abarbeiten», rät Schulz.

Schulen dürfen keine Markenforderung stellen

Was ein Schüler konkret benötigt, wird in den niedrigen Klassenstufen von den Schulen aufgelistet. Zahlreiche Eltern beklagen sich in Internetforen über geforderte Markenprodukte, die sich gerade Hartz-IV-Empfänger nicht leisten können. «Schule muss so gestaltet sein, dass sie sich an sozial Schwächeren orientiert. Lehrer dürfen also nicht auf eine bestimmte Materialmarke pochen. Das ist nicht zulässig», sagt Schulz gegenüber news.de.

Schwerster Brocken neben dem Schulranzen sind die alljährlich nötigen Bücher. Da die für Einkommensschwache nicht erschwinglich sind – ein einfaches Lesebuch für die erste Klasse kostet ab zehn Euro –, bieten einige Bundesländer Lehrbücher gegen eine Leihgebühr an. In anderen können Kindern und Eltern, beispielsweise per ALG-II-Nachweis, davon befreit werden.

Anders sieht es bei Kopierkosten aus. Viele Schulen verzichten auf die Anschaffung von Arbeitsheften. Die kosten ab fünf Euro, die Schulen nutzen mitunter aber nur einzelne Seiten. Kopierkosten sind daher preiswerter, fallen aber oft auch für verschiedene Fächer an.

Weiterführende Links:

Arbeitslosengeld II: Sozialamt muss Schulbücher bezahlen
Schulkleidung in Deutschland: Gleiche Klamotten machen keine besseren Schüler
Schulkleidung: Ein Gymnasium sieht blau

kat/news.de

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