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Glückspielvertrag: Regelungen erfordern Datenspeicherung

Die Regulierung von Online-Casinos in Deutschland hat mit dem neuen Glücksspielstaatsvertrag nun einen rechtlichen Rahmen gefunden. Damit sind jedoch einige Änderungen verbunden, die mitunter auch Spieler treffen. Wenn Sie gerne im Online-Casino spielen, könnte Ihnen die neue Sperrdatei zumindest teilweise sauer aufstoßen. Von Datenschützern wurde die Regelung scharf kritisiert, weil sie angeblich eine staatlich geforderte Überwachung der Spieler mit sich bringt. Doch was steckt genau dahinter?

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Foto: Michael Gottschalk/ddp Bild: ddp, Foto: Michael Gottschalk/ddp

Neue Regelungen erfordern Datenspeicherung

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass Sie als Spieler sich aufgrund der neuen Regelungen des Glücksspielstaatsvertrags komplett registrieren müssen und die Daten am Ende bei der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) gespeichert werden. Dies liegt zu einem großen Teil an der Ausgestaltung der Regelungen:

1. Einsatzlimit von 1.000 Euro pro Monat (Limitdatei)

Um eventuell Spielersucht und damit einhergehend einen finanziellen Ruin von Spielern zu vermeiden, soll casinoübergreifend ein Maximaleinsatz von 1.000 Euro pro Monat gelten. Mehr können Sie als Spieler also monatlich nicht einzahlen, um damit im Online-Casino zu spielen. Ein genauerer Blick zeigt: Diese Regelungen erfordert die Aufzeichnung einiger Daten:

  • Daten zur Person: Nur so können Sie als Spieler genau identifiziert werden.
  • Daten zu Ihren Einsätzen: Nur so lässt sich sicherstellen, dass Sie als Spieler nicht mehr als 1.000 Euro pro Monat einzahlen.

Auf den ersten Blick ließe sich einwenden, dass eine Speicherung beim jeweiligen Online-Casino völlig ausreichend wäre. Da das Einsatzlimit allerdings casinoübergreifend gelten soll, müssen die Daten der Spieler zentral im länderübergreifenden Glücksspielaufsichtssystem (LUGAS) gespeichert werden. Hierbei stehen also der Spielerschutz und die Suchtprävention im Gegensatz zum Datenschutz.

2. Verhinderung von parallelem Spielen (Aktivitätsdatei)

Das LUGAS-System enthält neben der Limitdatei auch noch eine Aktivitätsdatei. Hier müssen die Glücksspielanbieter stets melden, wenn Sie als Spieler gerade aktiv spielen. Währenddessen können Sie sich nicht gleichzeitig bei einem zweiten Anbieter anmelden und dort parallel spielen. Auch diese Regelung soll der Verhinderung von Spielsucht dienen. Doch auch hier ist eine casinoübergreifende Speicherung nötig, um am Ende auch wirklich das Parallelspiel-Verbot durchsetzen zu können.

Hinweis: Sie können auch künftig Spielerkonten bei verschiedenen Anbietern anmelden. Das Parallelspiel-Verbot soll lediglich verhindern, dass sich Spieler gleichzeitig bei mehreren Anbietern einloggen und Slots parallel laufen lassen oder Wetten parallel platzieren.

3. Spielersperr-Datei (OASIS)

Zusätzlich möchte der Gesetzgeber eine spielformübergreifende Sperrdatei einrichten. Hierbei geht es um die Sperrung von Spielern, die sich nicht an Regeln halten. Auch dieses System erfordert die zentrale Speicherung von Daten, da Spieler bei Fehlverhalten deutschlandweit in allen Online-Casinos gesperrt werden sollen.

Unter dem Strich lässt sich festhalten, dass die zentrale Speicherung der Daten tatsächlich einen deutlichen Eingriff in die informelle Selbstbestimmung der einzelnen Spieler darstellt. Als Spieler stimmen Sie dieser Speicherung zwar freiwillig zu, aber es bleibt eben auch keine Alternative, wenn Sie gerne im Online-Casino spielen möchten. Letztlich ist das Ganze hier ein Abwägungssache zwischen Anliegen wie dem Spielerschutz und der Suchtprävention auf der einen Seite und dem Datenschutz auf der anderen Seite.

Es bleibt zudem abzuwarten, ob hier eventuell nachgebessert wird und sich am Ende nur Personen registrieren müssen, die tatsächlich ein Spielsucht-Problem aufweisen. Dies wird am Ende nur die Zeit und der Ausgang etwaiger Gerichtsverfahren ergeben, die mit hoher Wahrscheinlichkeit in diesem Bereich erfolgen.

Fallen die Einschränkungen für Spieler groß aus?

Als Spieler bemerken Sie bis auf das Verbot von Tischspielen sowie in Einzelfällen das Einsatzlimit von 1.000 Euro pro Monat nur wenig von den Änderungen. Sie müssen der Speicherung Ihrer Daten zustimmen, aber sonst ist das Ganze nur dann relevant, wenn Sie an bestimmte Grenzen stoßen.

Ansonsten können Sie als Spieler auch weiterhin von den Vorteilen profitieren, die Online-Casinos für Spieler bieten. Neben einer großen Slot-Auswahl gehören dazu auch die bekannten Boni. So zahlen die Casinos auch weiterhin einen Casino Bonus ohne Einzahlung sowie auch mit Einzahlung und Freispiele aus. Einziger Wermutstropfen: Durch die neu eingeführte Steuer für Online-Casinos in Höhe von 5,3% könnten die Boni in Zukunft etwas kleiner ausfallen.

Wie funktioniert das LUGAs-System genau?

Das LUGAS-System ist das Herzstück der elektronischen Datenspeicherung von Spielerinnen und Spielern. Die GGL zeigt auf ihrer Website, wie das System im Einzelnen funktioniert. Dazu existieren insgesamt drei Ebenen:

1. Ebene: Allgemeine Verwaltung der Spielerprofile

Auf dieser Eben lassen sich einzelne Spieler hinzufügen und damit registrieren. Dazu stehen den Anbietern folgende Funktionen zur Verfügung:

  • Spieler registrieren
  • Spielerdaten ändern (betrifft auch ein etwaiges Pseudonym)
  • Spieler-ID ändern
  • Spieler deregistrieren (bei Kündigungen und Abmeldungen)

2. Ebene: Limitdatei

Die Limitdatei erfasst die Einsätze der Spieler und setzt entsprechende Limits. Dazu stehen den Anbietern in diesem Bereich zwei verschiedene Optionen zur Verfügung:

  • Einzahlungslimit setzen
  • Einzahlung vornehmen

Wann immer Sie als Spieler also eine Einzahlung vornehmen, wird diese im System erfasst. Erreichen Sie das gesetzte Limit im Monat, wird eine weitere Einzahlung automatisch verhindert. Dass die Option „Einzahlungslimit setzen" existiert, zeigt zudem, dass auch individuelle Limits gesetzt werden können. Sollten Sie also ein geringeres Limit wünschen, um Kontrollverluste zu vermeiden, können Sie dies dem Anbieter mitteilen und somit das individuelle Limit setzen.

3. Ebene: Aktivitätsdatei

Diese Ebene dient dazu, paralleles Spielen zu verhindern. Zu diesem Zweck stehen den Anbietern folgende Optionen zur Verfügung:

  • Spielerstaus „aktiv" setzen
  • Spielerstatus „inaktiv" setzen

Die Anbieter sind dabei verpflichtet, Spieler wieder auf „inaktiv" zu setzen, wenn diese sich ausloggen oder spätestens 30 Minuten nach der letzten Eingabe. Hier ist für Sie als Spieler Vorsicht geboten: Schließen Sie beim Spielen einfach den Browser-Tab und wechseln zu einem anderen Online-Casino, kann es einen Moment dauern, bis Sie wieder auf „inaktiv" gesetzt wurden. Aus diesem Grund ist es immer besser, sich ordnungsgemäß abzumelden.

Die verschiedenen Statusmeldungen werden bei der Verbindung eines Casino-Anbieter mit dem LUGAS-System selbstverständlich automatisiert vorgenommen. Das System setzt Sie also automatisch „inaktiv", wenn Sie sich ausloggen und registriert auch automatisiert Ihre Einsätze, um sie mit dem Limit abzugleichen.

Regulierung stellt einen Eingriff in informelle Selbstbestimmung dar

Abschließend lässt sich sagen, dass die neue Regulierung von Online-Casinos auf der einen Seite natürlich Rechtssicherheit für Anbieter und Spieler schafft. Andererseits sorgt die Speicherung der zahlreichen Daten dafür, dass der Datenschutz in diesem Zusammenhang etwas zurückgestellt wird. Die Bundesregierung hat diese Regelungen beschlossen, um Spieler zu schützen und Spielsucht zu verhüten. Es stellt sich jedoch die Frage, ob es dafür so weitreichender Speichermöglichkeiten bedarf. Auf Dauer könnten diese Regelungen jedoch noch etwas aufgeweicht werden, falls Gerichte feststellen sollten, dass diese Praxis mit dem deutschen Datenschutzrecht nicht vereinbar ist.

lic/news.de