Von news.de-Redakteurin Jana Koopmann - 05.02.2017, 15.22 Uhr

Broilers im Interview über Album und Tour:  Broilers-Sänger Sammy Amara im Interview

Die Broilers wollen auch mit "sic!" wieder ganz nach oben. Bild: Robert Eikelpoth

news.de: Hallo Sammy, geht's Dir gut?
Sammy Amara:
Es wird momentan nicht langweilig und es könnte definitiv schlechter sein.

Ihr hattet 2015 zum Highfield eine längere Pause angekündigt. Gefühlt war die Pause aber nur kurz?
Sammy: Sie war so lang, wie sie sein musste. Wir wollten ursprünglich tatsächlich länger weg bleiben, hatten uns aber dann schon ein wenig gelangweilt ohne die Anderen und ohne Musik. Und so haben wir uns früher als geplant im Proberaum wieder getroffen.

Euer neues Video zu „Keine Hymnen heute" ist anfangs sehr verstörend. Wollt ihr im Nachgang etwas Luft rausnehmen oder soll es genau so stehen bleiben?
Sammy: Genau so war es geplant. Auch wenn es jetzt pathetisch klingt, so denke ich, dass wir gar nicht soweit weg von den Anfängen damals, sind wir heute nicht. Und das müssen wir uns immer wieder vor Augen führen. Es fing ja damals im Dritten Reich auch nicht erst bei den Gaskammern an, sondern die Anfänge lagen in der Vertreibung und Ausgrenzung von Menschen. Und da sind wir tatsächlich schon angekommen. Es ist auch absurd, dass wir heutzutage Menschen erklären müssen, dass Nazis scheiße sind. Das Mischen von verschiedenen Kulturen ist extrem wichtig und dabei entstehen gute Dinge.

Was hat euch zu "sic!" inspiriert?
Sammy: Musikalisch gesehen wollten wir auf jeden Fall "Noir" toppen. Aber wir wollten auch zurück zum Oldschool. Und ich habe während der Entstehungszeit sehr viel ältere Sachen wie „Dropkick Murphys" und „Sick of it all" gehört, auch alte Oi und Punksachen. Und das ist mit eingeflossen. Und textlich gesehen war es einfach das ganze Geschehen um einen herum. Nur ein Kind kann unpolitisch sein und deswegen lässt die derzeitige Entwicklung auch keinen von uns kalt.

Seit „Santa Muerte" habt ihr euch auch musikalisch weiterentwickelt. Ein Sammy Amara klingt inzwischen viel weicher. War die Entwicklung nötig, um mit der Musik Geld verdienen zu können?
Sammy: Das wir mit unserer Musik Geld verdienen konnten, war eigentlich ein Versehen. Unsere Tagesjobs und die Musik haben uns förmlich zerrissen. Wir haben auch alles, was wir hatten in die Musik investiert, finanziell und körperlich. Es war sehr anstrengend, beidem gerecht zu werden und deshalb waren wir froh, als es endlich in den Profistatus ging. Und meine Stimme hat sich verändert, weil ich Neues lernen wollte. Ich konnte mich gut hinter meinem Gröhlen gut verstecken, aber nie das singen, was ich singen wollte.

Ist es für euch eher ein Lob oder eine Beleidigung, mit den Toten Hosen verglichen zu werden?
Sammy: Die Toten Hosen waren immer gut produziert. Man muss nicht jedes Lied abfeiern, aber die Produktion ist über jeden Zweifel erhaben. Auch die älteren Bands, die heutzutage glorifiziert werden, sind auch damals nicht ins Studio gegangen, um ihre neue Platte wie aus der Garage klingen zu lassen.

Habt ihr Angst, mit der Veränderung Fans zu verprellen oder seid ihr neugierig, was euch an neuen Fans erwartet?
Sammy: Wenn du irgendwann verstanden hast, dass du niemals alle glücklich machen kannst, kannst du befreit an so eine Sache gehen. Deshalb macht es für uns auch keinen Sinn, im Vorfeld die Fans zu fragen, wie sich das neue Album anhören soll. Wir wollen das, was sich für uns gut anfühlt. Jedes unserer Alben klingt anders, als das davor. Und ich bin jetzt schon gespannt, wie sich das Album nach "sic!" anhört.

Was ist Dein persönlicher Lieblingssong auf "sic!"?
Sammy: Ich glaube, es ist „Irgendwas in mir". Ich kann eigentlich gar nicht genau sagen, wovon er handelt, aber er gibt mir ein sehr gutes Gefühl. Der Song ist mittlerweile 15 Jahre alt und ich hab ihn bisher nie zu Ende geschrieben.

Habt ihr als Band persönliche Erfahrungen mit der derzeitigen Stimmung im Land gemacht?
Sammy: Ich habe ein Leben lang damit Erfahrungen gemacht, aber immer verdrängt. Der Song „Zu den Wurzeln" ist absolut authentisch, jede Zeile habe ich so erlebt. Als ich zum Beispiel mit Andy auf Promotour war und in Leipzig nach dem Weg zum Radiosender gefragt habe, wurde ich erst von einem älteren Pärchen ignoriert und von einem anderen Paar verwirrt angemacht, weil ich deutsch spreche.

Welche Erwartungen habt ihr an "sic!" und an die große Tour?
Sammy: Wir sind mega aufgeregt. Wir haben alles getan und geben nun das Album den Leuten in die Hand und die haben hoffentlich viel Spaß damit. Wir hoffen, dass die Fans SIC genauso lieben, wie wir das tun. Ich höre es noch verdammt gerne. Ich hatte letzte Nacht einen fürchterlichen Alptraum vom ersten Konzert, die Band hat einfach keine Instrumente aufgezogen. Es kann also nur besser werden.

Ich danke Dir für das Interview und viel Erfolg für die Zukunft!

 

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