Von news.de-Volontär Eric Mittmann - 03.11.2016, 10.46 Uhr

"Battlefield 1" im Test: "Battlefield 1" im Test: Einzelspieler schwierig, Multiplayer kritisch

"Battlefield 1" versetzt den Spieler in den Ersten Weltkrieg und lässt ihn dort sowohl Kämpfe im Einzel- als auch Mehrspieler-Modus erleben. Bild: Electronic Arts

In seinen besten Momenten findet "Battlefield 1" Antworten auf diese Fragen. Zum Beispiel, wenn klar wird, dass alle Charaktere der sogenannten Kriegsgeschichte im Einzelspieler einfache Figuren sind, denen es lediglich ums Überleben geht. Sechs dieser Geschichten stehen in der Singleplayer-Kampagne zur Verfügung und lassen den Spieler Schicksale auf den Schlachtfeldern Frankreichs, in einem Flugzeug über den verschneiten Alpen und in den Wüsten Saudi-Arabiens erleben. Dabei wechselt das Spiel immer wieder zwischen offenen und schlauchigen Leveln, wodurch einiges an Abwechslung geboten wird.

Neben Kämpfen in Europa verschlägt es den Spieler auch in die Wüste Saudi-Arabiens, wo er an der Seite von Lawrence von Arabien kämpft. Bild: Electronic Arts

Gleichzeitig funktioniert die Darstellung verschiedener einzelner Geschichten in den meisten Fällen nur bedingt. In den 45 bis 60 Minuten dauernden Storys lässt sich kaum ein wirklicher Bezug zu den Charakteren aufbauen. Darüber hinaus lässt der kleine Umfang des Singleplayers diesen einmal mehr eher wie ein ausführliches Tutorial für den Multiplayer wirken, was gerade in diesem Fall sehr befremdlich wirkt. Wurde hier einmal mehr kommerzielles Interesse über die Qualität eines Spieles gesetzt? Wenn ich schon ein Spiel über den Ersten Weltkrieg produziere und mich respektvoll damit auseinandersetzen möchte, warum lege ich dann nicht mal etwas mehr Wert auf den Singleplayer und rücke Schicksale anderer Kriegsparteien in den Vordergrund, die nicht den Truppen der USA oder Großbritanniens angehörten?

Review zu "Battlefield 1": Der Multiplayer macht es auch nicht besser

Natürlich könnte man jetzt argumentieren, dass in einem "Battlefield" sowieso nur der Multiplayer zählt. Im Falle von "Battlefield 1" ist dieses Argument mehr als geschmacklos. Denn während der Einzelspieler immerhin noch versucht, sich mit dem Kriegsgeschehen auseinanderzusetzen, scheinen dessen Gräuel und Schrecken im Multiplayer vollkommen vergessen. Da wird Senfgas plötzlich zu einem nützlichen Hilfsmittel, Nahkampfangriffe mit Schaufel und Bajonett zum spaßigen Nervenkitzel und alles vernichtende Artillerie-Schläge zur nervigen Randerscheinung.

Im Mehrspieler scheinen die Gräuel des Krieges jedoch wie weggeblasen. Hier geht es einzig und allein um die Action. Bild: Electronic Arts

Blendet man die moralischen Kritikpunkte aus, bleibt ein Mehrspieler-Modus, dem es an wirklichen Neuerungen mangelt. Spielmodi wie "Eroberung" und "Team-Deathmatch" haben sich allmählich abgenutzt und die neu eingeführten "Operationen", in denen bis zu 64 Spieler historische Schlachten "nachspielen" können, sind letztendlich auch nur eine Mischung aus "Eroberung" und "Rush". Natürlich tut all das dem Spielgefühl während der einzelnen Runden keinen Abbruch und man wird immer wieder in einen Adrenalin-Rausch versetzt, wenn Spieler um einen herum nach vorn stürmen, Schüsse fallen, Panzer explodieren und Luftschiffe abstürzen. Zumindest bei uns wollte der bittere Beigeschmack dabei jedoch nie wirklich verfliegen.

Fazit

"Battlefield 1" ist der Triple-A-Titel geworden, den wohl viele befürchtet, aber zum Teil auch erwartet haben: Ein teurer Shooter für den Massenmarkt. Das Spiel macht vieles richtig, bleibt seinen Wurzeln im Grunde allerdings treu und bietet so nur in den seltensten Fällen wirkliche Neuerungen. Gerade in der Einzelspieler-Kampagne ergibt sich deswegen immer wieder der Eindruck, dass hier Chancen vergeben wurden und man sich dem historischen Hintergrund des Ersten Weltkrieges um einiges besser hätte nähern können. Wer auf ewig gleiche Multiplayer-Action im mehr als schicken Gewand steht, wird mit "Battlefield 1" seine pure Freude haben. Wer sich dagegen spielerisch mit ein wenig Geschichte auseinandersetzen und dies auch noch respektvoll tun möchte, sollte wohl lieber zu einem anderen Titel wie Ubisofts "Valiant Herats" greifen.

Fakten

Spiel: "Battlefield 1"
Release: 21.10.2016
Für: PC, PS4 und XBox One
USK: Ab 16 Jahren
Preis: Circa 60 Euro bei Amazon

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mie/zij/news.de

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