Von news.de-Mitarbeiter Michael Kraft - 17.05.2014, 11.38 Uhr

Durchgehört: Soul geht auch ohne Xavier

Xavier Naidoo ist bei den Söhnen Mannheims neuerdings nur noch hinter den Kulissen aktiv. Das neue Album ElyZion wird den Fans trotzdem gefallen. Tolle Pop-Klänge aus Frankfurt hat Jana Josephina im Gepäck.

Söhne Mannheims: «ElyZion»

«ElyZion» ist das erste Werk der Söhne Mannheims, bei dem Söhne Mannheims in ihrer Karriere mehr als drei Millionen Tonträger verkauft haben.

Xavier Naidoo zieht im Hintergrund die Fäden

Kein Wunder: Naidoo und Michael Herberger, die sich zuletzt während der Tour 2012 von den Söhnen Mannheims verabschiedet hatten, sind zumindest als Autoren weiterhin präsent. Naidoo beispielsweise hat gleich bei fünf Tracks entweder Musik oder Text oder beides beigetragen.

Solides Produktionshandwerk, guter Gesang und ein Gespür für Melodie - das bekommt man auch diesmal von den Söhnen Mannheims. «Vorspuln Durchdrehn» beispielsweise ist ein kraftvoller Rap-Track. Die Ballade «Deine Waffe ist die Liebe» wartet am Ende mit schönen Streichern auf, «Lichtermeer» hat vor allem zu Beginn einen originellen Sound, auch «Wir leisten es gern» gehört zu den besten Momenten.

Fans der Söhne Mannheims kommen bei «ElyZion» auf ihre Kosten

An anderen Stellen wird der Sound von «ElyZion», das nicht nur mit dem Titel auf das Söhne-Mannheim-Debüt «Zion» im Jahr 2000 anspielt, zwar etwas beliebig. Aber wer die Band bisher gemocht hat, wird an diesen Liedern auch ohne das Zugpferd Xavier Naidoo Gefallen finden.

Künstler: Söhne Mannheims
Album: «ElyZion»
Plattenfirma: Söhne Mannheims GmbH

Jana Josephina: «Contradiction»

Die beste Beschreibung für ihre Musik liefert Jana Josephina höchstpersönlich: «Pop, aber zugänglich; kribbelig, aber erwachsen» - so erklärt die Sängerin aus Frankfurt/Main ihren Sound. «Contradiction» ist ihre erste Platte auf Englisch und ein großes Vergnügen. Viel Energie, viele Ideen und viel Verständnis dafür, was einen guten Popsong ausmacht, steckt in diesen Liedern.

Musikalische Anlehnungen an Kate Bush und Ellie Goulding

Man kann sehr geschmackvolle Kenntnisse der Popgeschichte erkennen, etwa im Superstition-Clavinet von «Dreamdancer» oder dem an die Pipettes erinnernden Neo-Girlgroup-Flair in «Tomorrow», dem besten Song des Albums. Man kann auch die Vorbilder erkennen, die Jana Josephina bereitwillig anführt, etwa Kate Bush, deren Opulenz, Theatralik und hohe Stimme am Ende von «Ghost» anklingt, oder Ellie Goulding, die bestimmt auch gerne ein so unbeschwertes und souveränes Lied wie «Right Now» singen würde.

Fast alle Stücke finden eine sehr gute Balance aus Innovativem und Eingängigem. «Normalerweise starten wir mit der Hook. Wir finden etwas, das catchy klingt und gehen von dem Punkt aus weiter», beschreibt Jana Josephina die Zusammenarbeit mit dem englischen Produzent Joe Cross (Hurts). Die Balladen auf «Contradiction» erreichen ihre Ernsthaftigkeit ohne ein Gramm Schmalz, die schwungvolleren Momente gehen ins Ohr und in die Beine. Sehr fein.

Künstler: Jana Josephina
Album: «Contradiction»
Plattenfirma: Check 1 2 Perfect

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I Heart Sharks: «Anthems»

Produzent Joe Cross hat auch beim zweiten Album von I Heart Sharks seine Finger im Spiel. «Anthems» haben die drei Jungs aus London, New York und Bayern ihr zweites Album genannt, und das ist nicht zuviel versprochen. Es gibt viel gute Laune, dazu kommen ein sehr modernes Pop-Verständnis und das Wissen, dass man nicht unbedingt allzu viel Identität oder Tiefgang braucht, solange man über Hits verfügt.

Gute-Laune-Songs, die Spaß machen

Das soll nicht bedeuten, dass Pierre Bee, Simon Wangemann und Martin Wolf gesichtslose Wegwerf-Musik vorlegen würden. Aber sie wissen um den Wert eines Killer-Refrains wie in der Single «To Be Young», eines 210 Sekunden langen Rundum-Glücklich-Pakets wie «Meet Me In The Nowhere» oder eines Slogans wie «It's us against whatever» (aus «Us»).

Dass es I Heart Sharks geschafft haben, ihr Debütalbum «Summer» im Jahr 2011 von den Fans finanzieren zu lassen, leuchtet sofort ein: Das Trio macht Musik, die man ohne Abtastphase ins Herz schließen kann. Mit dem Nachfolger «Anthems» illustrieren sie nun wunderbar, was eine Hymne zur Hymne macht: Pathos, Mitsing-Melodie, Stolz - und Zusammengehörigkeit.

Künstler: I Heart Sharks
Album: «Anthems»
Plattenfirma: Island

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