In Deutschland erkranken immer mehr Menschen an Covid-19. Eine Lockerung der Beschränkungen ist in Deutschland vom Tisch. Alle aktuellen Entwicklungen zur Corona-Krise, lesen Sie in unserem Schlagzeilen-Ticker.

mehr »
Von news.de-Mitarbeitern Sven Wiebeck und Michael Kraft - 13.04.2014, 09.00 Uhr

Durchgehört: Neues von Foster The People, Garden Villa und Bombay Bicycle Club

Das Landleben ist eine wichtige Inspirationsquelle für Mighty Oaks, auch wenn sie jetzt in Berlin leben. Bild: Bowen Ames/UniversalMusic

Foster The People klingen auf ihrem Zweitwerk «Supermodel» eher nach Gin Tonic. Einen Ohrwurm-Hit wie «Pumped Up Kids» sucht man darauf allerdings vergebens. Überhaupt ist diesmal deutlich weniger Elektropop. Stattdessen experimentieren Mark Foster und Konsorten mehr mit von Gitarren dominierten Sounds, entstanden in Studios in Marokko, Los Angeles und London.

Mit «Are You Sure What You Want To Be?» und seinem Afrobeat zeigt sich das Supermodel anfangs etwas aufgeregt. Die angenehme Hektik weicht aber schnell perfektem Gitarrenpop («Ask Yourself, Coming Of Age»), der mit dem verschleppt-verspielten «Nevermind» und dem psychedelisch-flirrenden «Pseudologia Fantastica» (Hört bei den Synthies eigentlich noch irgendwer «Jump» von Van Halen durch?) in zwei kleinen Indie-Epen gipfelt.

Der Bowie-esque Disco-Stampfer «Best Friend» läutet mit funky Bass, aus dem Handgelenk geschüttelter Gitarre und Bläsern die zweite, deutlich facettenreichere und interessantere Albumhälfte ein. Hier probiert die Band sich und anderes noch mehr aus. Auf Akustik-Gitarren und Stimme reduzierte Singer/Songwriter-Momente wie «Goats In Trees» und das finale «Fire Escape» stehen neben dem wütenden «A Beginner's Guide To Destroying The Moon»: Einmal mehr von Chören unterstützt tritt Mark Foster hier mit Sprech- und Falsettgesang gegen dröhnende Gitarren an. Und dann ist da noch «The Truth», eine elektronisch versetzte Klavierballade, deren erste pluckernde Takte so auch Radiohead auf Datenträger hätten bannen können.

Stimmlich entfaltet Foster ebenfalls eine große Bandbreite. Er hat merklich Spaß daran, binnen einer Textzeile ausgelassen zwischen Duktus und Lage hin- und herzuhüpfen (und als Ami auch mal zu klingen wie Thom Yorke, Robbie Williams oder Luke Pritchard von den Kooks). Dabei stehen die häufig düsteren Texte, in denen er sich mit der eigenen Drogengeschichte oder den Teilwahrheiten und der Oberflächlichkeit unserer Gesellschaft auseinandersetzt, nicht selten im Kontrast zu den fröhlichen Melodien. Passend dazu ist der Band ein sehr organisches Album gelungen, anders als es der synthetische anmutende Titel vermuten lässt.

Interpret: Foster The People
Album: «Supermodel»
Plattenfirma: Sony

Lagerkoller. Das ist wohl das passende Wort für die Situation von Gardens & Villa während der Aufnahmen zu ihrem zweiten Album. Einen Monat lang hat sich das Quintett in einem Studio in Michigan eingeschlossen. Einer der wenigen Tage, an denen sie sich an die frische Luft wagten, führte sie auf eine Fläche von schneebedeckten Sanddünen. Der Ausblick war fantastisch: Rundherum gab es plötzlich nicht mehr nur die schallisolierten Studiowände, sondern (so nennt man das wohl in Reiseführern) offene, scheinbar unendliche Weiten.

Es ist ein schönes Bild für den Ansatz, den die Band hier verfolgt, und «Dunes» ist deshalb auch ein kongenialer Albumtitel. Der höchste Punkt, von dem aus man den Überblick hat – das ist die Position, mit der sich Gardens & Villa ans Werk gemacht haben, mit einem guten Blick für eigentümlichen Zauber und eine Schönheit, die sich oft erst auf den zweiten Blick offenbart.

Das vielleicht typischste Lied für den Sound von Gardens & Villa ist «Avalanche». Zoot Woman auf Kreuzfahrt könnte man sich so ähnlich vorstellen. Es gibt zwar einen sehr robusten Beat und einen sogar verwegenen Bass. Aber alles wirkt leicht, vergänglich, wie hingetupft. Klarer Fall: Das Albumcover von «Dunes» müsste eigentlich ein Aquarell sein.

Interpret: Gardens & Villa
Album: «Dunes»
Plattenfirma: Secretly Canadian

Mit der Inspiration ist das so eine Sache. Normalerweise macht sie sich rar, und wenn man sie gezielt herbeibitten möchte, dann scheitert man fast immer. Bombay Bicycle Club scheinen damit keinerlei Probleme zu haben. Das Quartett veröffentlicht mit «So Long, See You Tomorrow» bereits sein viertes Album innerhalb von fünf Jahren. Und die Londoner beweisen damit, dass sie kein bisschen an Kreativität eingebüßt haben.

Inspiriert unter anderem von den Reisen, die Sänger Jack Steadman nach Indien, in die Türkei und nach Japan geführt haben, zeigt die Band einen deutlich erweiterten musikalischen Horizont und legt eine höchst gelungene Pop-Platte vor. In Liedern wie «Come To» verstehen es Bombay Bicycle Club, eine verträumte Atmosphäre mit geschmackssicheren Samples zu verbinden und dabei einigen Tracks auch noch ein Schlagzeug unterzujubeln, von dem man gar nicht merkt, wie mächtig es klingt.

Eine wichtige Stärke ist natürlich nach wie vor der Gesang von Jack Steadman. Im ausgelassenen «It's Alright Now» wird das am deutlichsten: Es ist eine Stimme, die strahlt, weil in ihr ganz viel Glaube an das Leben steckt. All das trägt dazu bei, dass «So Long, See You Tomorrow» eine spannende Weiterentwicklung ist, ein sehr kreatives Album und eine sehr runde Sache.

Interpret: Bombay Bicycle Club
Album: «So Long, See You Tomorrow»
Plattenfirma: Caroline

Folgen Sie News.de schon bei Facebook, Google+ und Twitter? Hier finden Sie brandheiße News, tolle Gewinnspiele und den direkten Draht zur Redaktion.

bua/news.de

  • Seite:
  • 1
  • 2
Empfehlungen für den news.de-Leser