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Lücken im Lebenslauf: Von der Schwäche zum Alleinstellungsmerkmal

Die meisten von uns versuchen beim Aufstellen des eigenen Lebenslaufs für Bewerbungen ungeliebte Lücken zu verstecken. Aber warum eigentlich?

Die Lücke im Lebenslauf – die meisten haben sie, doch wie geht man mit dieser um? Bildquelle: pixabay.com. Bild: Bildquelle: pixabay.com

Arbeitsplätze sind in bestimmten Branchen äußerst hart umkämpft. Durch die Covid-19-Pandemie wurde diese Situation zusätzlich verschärft, da viele Unternehmen den Druck nicht mehr standhalten konnten, ihr Geschäft aufgeben mussten und somit die Arbeitslosigkeit erheblich stieg, wodurch wiederum der Ansturm auf die wenigen freien Positionen deutlich zunahm. Die Konkurrenz am Arbeitsmarkt wächst stetig, daher ist es umso wichtiger sich aus der breiten Masse abzuheben.

Das entscheidende Kriterium, wenn es darum geht, einen heißbegehrten Job zu ergattern, wird in jedem Fall durch den Lebenslauf repräsentiert. Denn dieser kann entweder ausschlaggebend sein, um eine Einladung zu einem Bewerbungsgespräch zu erhalten, oder ein K.O.-Kriterium, welches schlussendlich mehr Türen schließt, als es öffnet. Trotz einer korrekten Anwendung von Orthografie-, Grammatik- und Rechtsschreibregeln sowie der Einhaltung bestimmter Formalia können sich Lücken als Endgegner entpuppen, der kein Weiterkommen zulässt. Doch wie so oft im Leben, spielt hierbei das Verkaufsgeschick eine wesentliche Rolle, denn jede Lücke muss nicht gleich eine Schwäche repräsentieren, sondern kann viel mehr eine Stärke darstellen, die schlussendlich zum Alleinstellungsmerkmal wird.

Ab wann handelt es sich um eine Lücke?

Grundsätzlich wird ein Zeitraum ab zwei Monaten als Lücke angesehen. Dabei ist es unerheblich, warum diese Lücke entstanden ist – wichtig ist jedoch, sie angemessen zu begründen und keinesfalls vertuschen zu wollen. In diesem Sinne: Mut zur Lücke! Meist ist es besser, diese von sich aus im Lebenslauf plausibel erklären, als aufgrund dieser erst gar keine Einladung zu einem Gespräch und somit auch keine Chance, diese zu begründen, zu erhalten.

Die „unechten" Lücken entlarven

Veränderungen des Bildungswegs

Der Abbruch einer Lehre und Beginn einer neuen sowie der Wechsel des Studienganges stellen keine ungewöhnlichen Handlungen dar. Studien ergaben, dass durchschnittlich jeder dritte Studierende sein Studium abbricht. Dies mag auch nicht verwundern, da beispielweise Studienanfänger zunehmend jünger werden. Nur die wenigsten wissen seit früher Kindheit, welchen Beruf sie als Erwachsener – im besten Fall ihr ganzes Leben lang – ausüben wollen.

Solche Lücken, die einer Veränderung der Ausbildung geschuldet sind, stellen keine Seltenheit dar und bereiten somit einer Vielzahl Kopfschmerzen – zu Unrecht. Das Ende einer Lehre oder eines Studiums gilt als „unechte Lücke", die durch eine Neuorientierung plausibel erörtert werden kann. Diese Umgestaltung der beruflichen Laufbahn stellt schlussendlich auch kein negatives Kriterium dar, da sie dazu geführt hat, sich für dieses bestimmte Unternehmen zu bewerben. Die Reflexion der Berufsorientierung repräsentiert keinen Nachteil, sondern ist das Ergebnis einer intensiven Auseinandersetzung mit eigenen Interessen und der beruflichen Zukunft.

Der Weg zum ersten Job

Der Berufseinstieg erfolgt in den wenigsten Fällen nahtlos und kann meist über mehrere Monate ohne Beschäftigung beanspruchen. Auch diese Lücke muss nicht unbedingt als Nachteil gewertet werden, solange sie genutzt wird. Praktika oder Schnuppertage bieten sich ideal an, um diese Zeit nicht tatenlos verstreichen zu lassen und erste Einblick in die jeweilige Branche zu erlangen. Schlussendlich kann diese vermeintliche Schwäche zu einer Stärke entwickelt werden, indem erste Eindrücke die Berufswahl bestärken und somit auch dem Wunscharbeitgeber eine bessere Einschätzung bei der Suche einer langfristigen Arbeitskraft ermöglichen.

Covid-19-Pandemie

Wie bereits kurz erwähnt, wurde die aktuelle Arbeitsmarktsituation durch die Covid-19-Pandemie gravierend verschlechtert. Kurzarbeit, Aufnahmestopps und schlussendlich auch Kündigungen waren und sind nach wie vor die Folge dieser Krise. Eine Begründung dieser Lücke ist zielführend, da dies keineswegs auf die Qualifikationen der betroffenen Person rückschließen lässt. Konkurse, Unternehmensschließungen, Mitarbeiterabbau und Co. sind Folgen einer außernatürlichen Gegebenheit– die weder von dem Einzelnen verursacht noch verändert werden kann.

Gesundheitliche Beschwerden

Auch Krankheiten, die dazu führen, dass längere Zeit einer Arbeit nicht nachgegangen werden konnte und eine Lücke im Lebenslauf mit sich bringen, sollten angegeben werden. Eine tiefergehende Erläuterung ist diesbezüglich nicht notwendig. Auch die Nennung der Erkrankung selbst ist nicht Bestandteil des Lebenslaufs, da es sich hierbei um eine vertrauliche Information handelt. Für den zukünftigen Arbeitgeber ist der Grund weniger entscheidend als vielmehr die Tatsache, dass diese Lücke nicht selbstverschuldet entstanden ist und zukünftig mit vollem Elan und Einsatz die Anforderungen der ausgeschriebenen Stelle bewältigt werden.

Die „echten" Lücken im Lebenslauf begründen

länger andauernde Arbeitslosigkeit

In Hinblick auf eine längere Zeit ohne Beschäftigung ist es wesentlich, die eigene aktive Suche nach einem passenden Job hervorzuheben. Auch Weiterbildungen, die neue berufliche Wege eröffnen, sowie Fortbildungen, Praktika und vieles mehr unterstreichen diesbezügliche Bemühungen. Das Zeigen von Eigeninitiative, indem sich in dieser Zeitspanne gewisse Kompetenzen, Kenntnisse und Fähigkeiten angeeignet wurden, wird in jedem Fall positiv gewertet.

Kündigung

Abhängig davon, ob die Kündigung verschuldet oder unverschuldet zustande kam, muss diese begründet werden. Eine objektive Sicht der Situation einzunehmen, gestaltet sich zwar als äußerst schwierig, es sollte jedoch in jedem Fall versucht werden, möglichst neutral die gegebenen Umstände zu schildern.

Eine unverschuldete Kündigung stellt keine Schwäche dar, weshalb diese Information in jedem Fall auch den zukünftigen Arbeitgeber erreichen muss. Sparmaßnahmen oder gar Unternehmensschließungen führen zu Kündigungen, die nicht auf ein Fehlverhalten des Arbeitnehmers zurückzuführen sind. Solche Lücken können daher mit wenigen Worten an Bedeutung verlieren.

Anders verhält es sich, wenn die Kündigung selbstverschuldet ist. Der Grund hierfür spielt eine untergeordnete Rolle und sollte nicht Bestandteil des Lebenslaufs sein. Im besten Fall wird diese auch nicht begründet oder gar gerechtfertigt, da dies das Bild eines Schuldeingeständnisses entstehen lassen könnte. Auch sollte von sämtlichen Schuldzuweisungen an andere Personen Abstand genommen werden.

Fazit

Sämtliche vermeintlich negative Lücken können in den meisten Fällen mit einem gewissen Grad an Offenheit und Ehrlichkeit in ein anderes Licht gerückt werden. Lücke ist nicht gleich Lücke – genau das, muss dem zukünftigen Arbeitgeber vor Augen geführt werden. Dieser kann die jeweilige Situation jedoch nur dann nachvollziehen, wenn ihm ein Blick in die fremden Karten gewährt wird.

In jedem Fall sollten Lücken nicht mit Unwahrheiten beschönigt werden. Der Lebenslauf ist das Dokument, das den Weg in ein langfristiges Arbeitsverhältnis ebnen soll. Es stellt somit eine wesentliche Vertrauensgrundlage dar. Sobald hier Unwahrheiten verschriftlicht wurden, werden diese entweder bereits beim Bewerbungsgespräch entlarvt – spätestens jedoch nach erfolgreicher Einstellung in Hinblick auf die Beziehung zu dem Arbeitgeber spürbar. Auch führt solch ein Verhalten zu einer Veränderung der Wahrnehmung der Person selbst. In vielen Bereichen können Lücken durch eine kurze Begründung verbessert werden, in manchen sollte man auf diese jedoch verzichten und Verantwortung übernehmen.

 

lic/news.de