15.12.2020, 09.43 Uhr

Aufgaben, Vorteile und Finanzierung: Private Arbeitsvermittlung

 

Nach einer Reihe abgelehnter Bewerbungen und erfolglosen ersten Gesprächen mit potenziellen Arbeitgebern breitet sich schnell ein Gefühl der Ratlosigkeit aus. Eine private Arbeitsvermittlung hilft hier weiter.

Quelle: PhotoMIX-Company@pixabay.com_-_the-conference-3248255_1280 Bild: PhotoMIX-Company@pixabay.com_-_the-conference-3248255_1280

Eine private Arbeitsvermittlung hilft hier weiter. Aber wie funktioniert die private Arbeitsvermittlung und warum erhöhen sich dadurch die Jobchancen? Wie sieht es dabei mit der Vergütung aus – wer kommt dafür auf? Bekommt die private Arbeitsvermittlung Geld von dem vermittelten Unternehmen wie es bei Kurzarbeit der Fall ist?

Wie funktioniert die private Arbeitsvermittlung?

Während bis 1994 nur die Arbeitsämter Arbeitssuchende an passende Stellen vermitteln durften, sind private Arbeitsvermittlungen (PAV) seitdem ein wichtiger Bestandteil des Systems geworden:
Sie arbeiten oft Hand in Hand mit den Arbeitsagenturen und so kommt es nicht selten vor, dass beispielsweise die Agentur für Arbeit einen sogenannten Vermittlungsgutschein für einen erleichterten Arbeitseinstieg ausstellt. Dieser kann bei einer PAV eingesetzt werden:

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Wer kommt für die Kosten der PAV auf?

Mit dem Einlösen des Vermittlungsgutscheins kommt folglich die Bundesagentur für Arbeit für die Kosten der privaten Arbeitsvermittlung auf. Die Kosten sind hierbei einmalig: Die Vermittlungsvergütung, wie der Lohn des Vermittlers genannt wird, ist erst dann zu zahlen, wenn der Kunde erfolgreich vermittelt wurde und ein gültiger Arbeitsvertrag mit dem Arbeitgeber abgeschlossen wurde. Das Beschäftigungsverhältnis muss zudem versicherungspflichtig sein. Ob die Vermittlung erfolgreich ist, bemisst die Arbeitsagentur daran, wie lange der Arbeitssuchende die neue Tätigkeit ausübt: Die erste Rate von grundsätzlich 2000 Euro wird nach 6 Wochen, die zweite nach 6 Monaten Beschäftigung an die PAV ausgezahlt.

Der Arbeitssuchende muss für die Kosten nicht aufkommen und generiert auch keinen finanziellen Aufwand, der seitens des Unternehmens an die PAV zu entrichten wäre. Das eigene Gehalt bleibt also unberührt von der Vermittlung durch eine PAV – zumindest wird es nicht negativ beeinflusst, wie das z.B. bei Zeitarbeit der Fall ist. Umgekehrt stellt sich die Frage, ob das Gehalt durch eine private Vermittlung vielleicht sogar verbessern kann:

Warum eine private Arbeitsvermittlung die Chancen auf eine Stelle erhöhen kann

Viele unterschätzen, wie nützlich private Vermittlungen sein können. Oft denken Arbeitssuchende: „Was können die, was ich nicht kann? Das Geld spar' ich mir lieber." Dabei geht es weniger darum, dass Vermittler besondere Fähigkeiten haben, sondern viel mehr um das Netzwerk und die Erfahrung, auf die sie zurückgreifen können. Das gilt vor allem dann, wenn der Kunde sich gar nicht sicher ist, nach welcher Art von Stelle er überhaupt sucht.

„Irgendwas womit man Geld macht eben" und „Irgendwas mit Menschen" sind typische Antworten, die Arbeitssuchende auf die Frage nach möglichen beruflichen Vorlieben geben. Gemeinsam mit dem Vermittler können stattdessen Interessen und Stärken herausgearbeitet und zu einem hilfreichen Profil zusammengestellt werden. Auf dieser Basis findet der Vermittler Stellen, die bestmöglich dazu passen und leitet nach Rücksprache alle weiteren Schritte zur Vermittlung ein – bis hin zur Erstellung chancenverbessernder Bewerbungsunterlagen und dem Coaching für das Bewerbungsgespräch.

Arbeitsvermittler wissen, wie Informationen formuliert werden sollten, um sie möglichst vorteilhaft darzustellen. Auch wo und in welcher Form Jobsuche-Anzeigen im Netz oder in Zeitungen Sinn haben, wissen PAV aus Erfahrung besonders gut. Sie können helfen, aussagekräftige Inserate zu erstellen.

Verbessert sich das Gehalt durch die PAV?

Ein anderer Vorteil, den die PAV hat, ist das große Netzwerk an Arbeitgebern und ähnlichen nützlichen Kontakten. Das bedeutet nicht, dass Google ihnen mehr offene Stellen anzeigt als allen anderen, sondern dass sie teilweise tatsächlich partnerschaftliche Kontakte mit einigen Betrieben haben. Die private Arbeitsvermittlung hat für die Firma im Sinne einer Partnerschaft also ebenfalls einen Nutzen: Die Vakanz offener Stellen sinkt und außerdem ist der Mitarbeiter vom Profil her für die Stelle geeignet.

Die verbesserte Qualität der Stellenbesetzung bzw. die Tatsache, dass der Arbeitssuchende „zu der Stelle passt", zieht natürlich auch einen positiven Einfluss auf das Gehalt nach sich – früher oder später: Wenn nicht schon das Bewerbungsgespräch und die darin geführte Gehaltsverhandlung durch die besondere Eignung für die Stelle positiv ausfallen, so ist das spätestens mit der Arbeit der Fall. Darüber hinaus besteht zwischen dem Unternehmen und dem Vermittler ein Vertrauensverhältnis. Tatsächlich ist es daher möglich, dass eine via PAV vermittelte Stelle entweder schon initial ein höheres Gehalt mit sich bringt oder dass zumindest die Karrierechancen im weiteren Verlauf der Beschäftigung höher liegen, als ohne Vermittlung.

Die größten Vorteile der privaten Arbeitsvermittlung im Überblick:

  • Die PAV kennt alle aktuellen Richtlinien und Anforderungen von Bewerbungsschreiben und Mappen
  • Sie kann durch viel Erfahrung beim Erstellen von einwandfreien Bewerbungsunterlagen helfen
  • Gemeinsam mit der PAV kann das Auftreten in Bewerbungsgesprächen perfektioniert werden
  • Die PAV hat wertvolle Beziehungen zu Betrieben und Arbeitgebern in der Region und kann dadurch gezielt passende Kontakte knüpfen
  • Die Arbeitgeber in der Region vertrauen der PAV in der Wahl der Arbeitskräfte und sind oft eher gewollt, eine von einer PAV angebotene Arbeitskraft anzunehmen
  • Die Kosten der PAV müssen erst dann beglichen werden, wenn es auch tatsächlich zur Vermittlung in ein seriöses Arbeitsverhältnis kommt
  • Die Kosten können unter bestimmten Umständen vollständig vom Arbeitsamt übernommen werden
  • Eine PAV hat auf das Gehalt einer Stelle in der Regel einen positiven, jedoch nie einen negativen Einfluss

Gibt es Fördermöglichkeiten für eine PAV?

Eine private Arbeitsvermittlung aus eigener Tasche zahlen zu müssen ist für viele nicht nur ein großes Contra-Argument, sondern besonders aufgrund der bestehenden Arbeitslosigkeit und damit meist einhergehenden finanziellen Problemen nur selten eine Option. Wie viel genau es kostet, wird mit dem jeweiligen Vermittler besprochen und dann meist vor Beginn der Vermittlung festgelegt.

Damit die Kosten für die Vermittlung durch die Agentur für Arbeit oder das örtliche Jobcenter übernommen werden, braucht es seitens des Arbeitsamts einen AVGS MPAV, einen Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein für die private Arbeitsvermittlung. Ein rechtlicher Anspruch darauf besteht nur dann, wenn bereits seit mindestens sechs Wochen Arbeitslosengeld 1 bezogen wird.

In einigen Fällen kann der Vergütungsbetrag von 2000 im Übrigen um 500 Euro erhöht werden. Dies ist für der Vermittler dann möglich, wenn beispielsweise Personen, die sehr lange arbeitslos waren oder schwerbehinderte Personen vermittelt worden sind. Für den Arbeitssuchenden fallen bei Einlösung eines AVGS MPAV auch bei einem erhöhten Vergütungsbetrag keine Kosten an, noch entstehen dem Unternehmen durch die Vermittlung Kosten. Das Gehalt wird davon nach wie vor meist positiv beeinflusst.

Fazit

Eine private Arbeitsvermittlung lohnt sich für alle die, die bereits seit einer Weile nach einem Job suchen und bislang nur wenig Erfolg hatten. Da die Kosten der Vergütung erst dann beglichen werden müssen, wenn die Vermittlung von Erfolg war oder sogar vollständig von der Arbeitsagentur übernommen werden können und die PAV darüber hinaus das Gehalt der Beschäftigung meist positiv beeinflusst, ist die private Arbeitsvermittlung in fast allen Fällen einen Versuch wert.

lic/news.de