23.10.2020, 15.15 Uhr

Spezialisierung als Chance: Ungewöhnliche Berufe für die Selbstständigkeit

Erfolgreiche Selbstständigkeit bedingt vielfach die Notwendigkeit zur Spezialisierung, um in einer Welt mit vielen Konkurrenten bestehen zu können. Allerdings ist eine Spezialisierung umso schwieriger, je stärker ein Berufsbild bereits besetzt ist. Wo gibt es verhältnismäßig wenig Konkurrenz?

Neuer Arbeitstrend: Büro tageweise mieten Bild: dpa

vielfach sind verbliebene Nischen in den Berufsbildern so eng, dass sie nicht genügend Raum für ein einträgliches Auskommen bieten. Daher kann es sich lohnen, die ausgetretenen Pfade etablierter Branchen gänzlich zu verlassen und sich in andere Richtungen zu orientieren. Acht Möglichkeiten mit ihren Chancen und Risiken sollen dafür als Anregung dienen.

1. Betreiber eines Coworking-Space

Überblick: In den vergangenen Jahren hat sich die Art der Arbeit an vielen Stellen gewandelt. Home-Office ist eine Ausprägung davon, eine andere sind Coworking-Spaces. Dabei handelt es sich um Räumlichkeiten, die alles bieten, was für die Büroarbeit heute vonnöten ist – von den Räumen selbst über Schreibtische, Meeting-Bereiche bis hin zur technischen Ausstattung mit WLAN, Druckern und Ähnlichem.

Ziel der Coworking-Spaces ist, jedem die Möglichkeit zu eröffnen, mit wenig mehr als einem mitgebrachten Notebook erfolgreich arbeiten zu können. Dazu bieten sie grundsätzlich sehr kurzfristige Mietkonditionen. Üblich ist mindestens ein Tag für die generellen Arbeitsbereiche; Konferenzräume und dergleichen werden meist auch nur stundenweise vermietet.

Bedingungen und Notwendigkeiten: Die wichtigsten Dinge, die Gründer für dieses Geschäftsmodell benötigen, sind die Folgenden:

  • Eine geeignete, ausreichend große Location. Dabei ist eine zentrale Lage und/oder gute Erreichbarkeit die wichtigste Komponente – häufig finden sich Coworking-Spaces in alten Gewerbe- oder gar Industriegebäuden.
  • Eine vor Ort vorhandene Zielgruppe. Coworking-Angebote richten sich als Alternative zur schwierigen Bürosuche primär an Gründer, Freelancer und ähnliche flexible Personenkreise. Ein solcher Raum sollte sich dementsprechend dort finden, wo diese Zielgruppe bevorzugt lebt; ergo in Großstädten, Hochschulstädten und Schwarmstädten bzw. in deren unmittelbarem Einzugsgebiet.

Ferner ist es auch nötig, bei der Einrichtung eine gute Balance zwischen umfassender Technikausstattung und realistischem Nutzungspotenzial zu finden: Zwar macht eine vielfältige Ausstattung einen Coworking-Space attraktiv, wird aber mitunter von einem Großteil der Zielgruppe zu selten genutzt, sodass teure Anschaffungen, etwa 3D-Drucker, sich weniger rentieren. Hierzu ist es wichtig, bei der unverzichtbaren Marktanalyse genau zu eruieren, was der Großteil der Zielgruppe wirklich braucht.

Chancen und Risiken: Coworking-Spaces sind noch ein relativ neues Phänomen. Auf der Landkarte gibt es dementsprechend noch viele weiße Flecken. Die große Chance besteht darin, just dort, wo es Bedarf, aber noch keinen Space gibt, eine Lücke zu schließen. Überdies funktioniert dieses Geschäftsmodell mit einer vergleichsweise geringen Investition: Grundlegende Büroausstattung, ein attraktives, gern aber auch industriell-rustikales Ambiente, eine leistungsfähige Internetanbindung; mehr braucht es für den Anfang kaum.

Allerdings sind Coworking-Spaces schlechter planbar. Dafür sorgt die oft schwankende und kurzfristige Nachfrage. Stoßzeiten, in denen Vollauslastung herrscht (etwa während universitärer Projektwochen) können rasch von kaum vorhersagbaren Flauten abgelöst werden. Hiergegen müssen Gründer besonders sorgfältig Haushalten, damit immer ausreichende Finanzreserven vorhanden sind.

2. Sommelier jenseits des Weines

Überblick: Der Begriff des Sommeliers, also eines herausragenden Spezialisten für eine scharf umrissene Gruppe von Nahrungs- bzw. Genussmitteln, wird üblicherweise nur mit Wein in Verbindung gebracht. Auch wenn das tatsächlich das größte Betätigungsfeld darstellt, ist es bei weitem nicht das einzige. Daneben gibt es Sommeliers auch für:

  • Bier
  • Brot
  • Edelbrände
  • Fisch
  • Fleisch
  • Gewürze
  • Käse

sowie sehr exotische Genüsse. So gibt es etwa in Großbritannien eine global operierende Vereinigung der Sake-Sommeliers, also Experten für Reiswein.

Allen Sommeliers gemein ist, dass sie einen allumfassenden Erfahrungsschatz über ihr Spezialgebiet besitzen und diesen ständig erweitern. Dadurch beraten sie sowohl Gastronomen wie Gäste, managen Bestände, übernehmen den Einkauf und führen Verköstigungen oder Schulungen durch.

Bedingungen und Notwendigkeiten: Grundvoraussetzung für jeden Sommelier ist eine vorhandene Grundleidenschaft für das jeweilige Produkt, gerne auch mit einer vorherigen Ausbildung im gastronomischen Bereich. Darüber hinaus darf sich in Deutschland jeder als Sommelier bezeichnen, diese Berufsbezeichnung ist nicht geschützt. Gerade deshalb ist es in diesem Feld jedoch wichtig, anerkannte Qualifikationen vorweisen zu können – im Weinbereich wird seit einiger Zeit von einer regelrechten Sommelier-Inflation gesprochen.

Der Weg zum geprüften Sommelier beginnt deshalb mit einer Investition: Für jede Spielart werden von Firmen und Akademien Lehrgänge angeboten. Dabei ist es zentral wichtig, Angebote zu vergleichen, da die Qualität der Ausbildung – auch sie ist nicht reguliert – stark schwanken kann. Vielfach sind IHKs dazu die wichtigste Anlaufstelle, entweder, weil sie selbst solche Kurse offerieren oder den Kontakt zu anerkannten Drittanbietern herstellen können.

Chancen und Risiken: Ein guter Sommelier findet immer Arbeit. Allerdings muss klar sein, dass viele Genussmittel Trendprodukte sind, was sowohl Chance wie Risiko ist. Trends lassen während kurzer Zeit die Nachfrage extrem ansteigen, ebben jedoch in aller Regel nach gewisser Dauer ab.

Es ist deshalb notwendig, sehr genau zu eruieren, ob das gewählte Produkt (und die eigene Leidenschaft daran) genügend Potenzial für langfristige Selbstständigkeit bietet. Zudem muss eine Bereitschaft zum Reisen vorhanden sein – freiberufliche Sommeliers beraten ein breitgestecktes Feld von Kunden, führen auch Lehrgänge durch. Viele betreiben daneben auch ein Geschäft, um weitere Einkünfte zu generieren.

 

3. Foodstylist

Überblick: Essen, so wie es aus der Küche kommt, mag zwar schmackhaft sein und das menschliche Auge erfreuen; für Fotos und Videos hingegen stellt es hingegen oft Herausforderungen dar, weil die Optik nicht lange genug erhalten bleibt (etwa, weil Eis zerläuft, Salat zusammenfällt) oder seine Eigenschaften (beispielsweise Dampf) die Aufnahmen erschweren.

An diesem Punkt kommen Foodstylisten ins Spiel. Sie sorgen dafür, dass Lebensmittel für Aufnahmen so köstlich wirken wie möglich. Die zahllosen Kniffe machen dabei dann allerdings auch oft das fotografierte/gefilmte Produkt ungenießbar. Damit stehen sie als Dienstleister an der Seite von Medienschaffenden, die wiederum für Werbefirmen, Verlage oder auch Hersteller arbeiten.

Bedingungen und Notwendigkeiten: Grundvoraussetzung für Foodstylisten ist, dass sie kochen können. Eine einschlägige Ausbildung ist deshalb eine sinnvolle Basis, auch wenn es gänzlich ohne geht – auch hier handelt es sich um eine unregulierte Berufsbezeichnung, die zudem keinerlei Ausbildungszentren beinhaltet. Alles, was Foodstylisten wissen, müssen sie sich selbst beibringen.

Zentral wichtig ist es deshalb, extrem kreativ, experimentierfreudig und trickreich zu sein. Denn gutes Foodstyling bedeutet, im Zweifelsfall Dinge heranzuziehen, die sich in keiner Küche finden; etwa Rasierschaum, um einen stundenlang haltbaren, optisch perfekten Bierschaum zu imitieren oder Haarlack, damit Obst noch schöner glänzt. Denn immer geht es darum, von einer Speise oder einem Produkt eine Idealvorstellung zu erzeugen – auch wenn diese häufig „perfekter als die Wirklichkeit" ist.

Chancen und Risiken: Kochen war und ist immer notwendig. Jedoch hat sich in den vergangenen Jahren darüber hinaus eine große Experimentier- und Entdeckungsfreude bei vielen Verbrauchern herausgebildet. Das bedeutet, Foodstylisten haben derzeit gute Chancen, weil so viele dazugehörige Medien produziert werden. Zudem ist es ein recht sicheres Feld, denn „gekocht wird immer".

Das Risiko besteht jedoch darin, nicht vollumfänglich selbstständig zu sein, sondern zwingend mit und unter anderen Personen arbeiten zu können – vom auftraggebenden Verlag oder Werbebüro bis zu den Medienschaffenden; das schränkt die Freiheit etwas ein. Zudem muss es gelingen, sich in der Branche einen Namen zu machen; das ist vor allem zu Anfang schwierig und bedingt häufig, zunächst in Form von Vlogs und dergleichen ohne Aufträge zu arbeiten.

4. Professioneller Spieler

Überblick: Glücksspiel hat konträr zur Laienmeinung nur zu einem geringen Teil mit unbeeinflussbarem Glück zu tun. Viel mehr basiert zwischen Poker und Blackjack vieles auf einer hohen Komplexität, die nur ausgesprochene Experten so beherrschen, dass sie in einem gewissen Rahmen kontrollierbar wird.

Genau das tun professionelle Spieler. Sie bestreiten ihren Lebensunterhalt dadurch, mit Karten und Co. bei Turnieren zu gewinnen oder zumindest hohe Plätze zu belegen und dafür Prämien zu bekommen. Bei manchen Profispielern kommen auch noch Werbeverträge hinzu.

Bedingungen und Notwendigkeiten: Professionelles Spielen ist ein attraktiver, aber hochkomplexer Job. Grundbedingung ist, ein dafür geeignetes Spiel mit meisterhafter Sicherheit in allen Facetten zu beherrschen. Zwar gibt es Profispieler mit beruflichem Background, etwa als Croupiers; die meisten haben sich ihre Talente jedoch selbst über lange Jahre beigebracht.

Dabei besteht die Schwierigkeit darin, dass Glücksspiel auf diesem Niveau etwas von Hochleistungssport hat: Mit hartem Training lässt es sich zwar weit bringen; jedoch benötigt es für die Spitze vielfach auch Talent, das sich kaum durch Lernwilligkeit ersetzen lässt. Viele Spieler besitzen überdies ein überproportional ausgeprägtes logisches Denken.

Zudem ist es ebenso zentral nötig, niemals Emotionen nachzugeben. Die vielleicht schwierigste Hürde, da dauerhaft erfolgreiches Spielen zwingend verlangt, ganz nüchtern Chancen wie aussichtslose Situationen zu erkennen.

Chancen und Risiken: Die Gewinnsummen bei Turnieren sind oftmals sehr attraktiv. Es besteht deshalb die Chance, mit nur wenigen „Arbeitseinsätzen" pro Jahr ein sehr einträgliches Auskommen zu finden – selbst wenn Profis tagtäglich an ihren Fähigkeiten feilen. Allerdings besteht das Risiko darin, ein kaum planbares Einkommen zu haben; es ist eben nie klar, wer als Sieger den Tisch verlässt. Denn wenn viele Profis zusammenkommen, entscheiden feinste Nuancen über Sieg und Niederlage.

5. Industriekletterer

Überblick: Die Filter eines Industrieschornsteins, die Widerlager einer Autobahnbrücke, die Dachfenster einer XL-Lagerhalle oder die Regenabläufe am Dach eines Hochhauses: Industriekletterer kommen immer dann zum Einsatz, wenn ein Objekt sich nicht auf einfachem Weg erreichen lässt – das muss nicht zwingend große Höhen bedeuten, sondern teils auch nur, dass beispielsweise das Aufstellen eines Gerüsts zu langwierig und/oder teuer wäre.

Damit handelt es sich um den vielleicht vielfältigsten Beruf dieses Artikels. Denn gute Industriekletterer können jeden Job übernehmen, der an Seilen hängend oder mit diesen gesichert durchgeführt werden kann.

Bedingungen und Notwendigkeiten: Die wichtigste Eigenschaft eines Industriekletterers ist bedingungslose Höhentauglichkeit – also Schwindelfreiheit. Daneben benötigt es aber auch sehr vielfältige und wandlungsfähige technische Fertigkeiten, weil das Aufgabenspektrum so vielseitig ist. Viele Industriekletterer haben deshalb einen handwerklichen Beruf erlernt und viele Auftraggeber achten auch auf entsprechende Abschlüsse.

Denn: Industriekletterer (fachlich korrekter „Höhenarbeiter") kann jeder werden, der eine Reihe von standardisierten „Seilzugangstechniken" beherrscht, die in der Eurorichtlinie 2009/104/EG festgelegt werden. Dieses Wissen wird von mehreren Zentren in Form mehrwöchiger Schulungen angeboten – zu bezahlen von den Teilnehmern.

Chancen und Risiken: Für viele bedeutet Berufsklettern die ganz große Freiheit. Auch im übertragenen Sinn: Denn dadurch, dass es so vielfältige Anwendungsgebiete gibt, ist der Beruf relativ sicher. Das gilt nicht zuletzt deshalb, weil der Ausbau der Windenergie stark auf Kletterer für Errichtung und Wartung vertraut. Was damit genauso gilt: Der Beruf setzt eine gewisse Reisebereitschaft voraus.

Das Risiko liegt natürlich darin, abzustürzen. Allerdings muss klar sein, dass es sich dabei um ein beim Einhalten aller Vorschriften extrem geringes Risiko handelt – Berufskletterer werden an der Spitze der offiziellen Unfallstatistiken nicht einmal gelistet, da findet sich völlig anders gelagerte Berufe.

6. Drohnenpilot

Überblick: Die Drohne ist weit mehr als ein ferngesteuertes Spielzeug. Sie hat sich in kürzester Zeit zu einem enorm wichtigen Hilfsmittel entwickelt. Drohnen können mittlerweile sehr vieles, was zuvor ausschließlich von Hubschraubern geleistet werden konnte. Ganz besonders im Bereich von Film- und Fotoaufnahmen, aber auch in anderen Aufgabengebieten, etwa:

  • Meteorologie
  • Einsätze im Agrarbereich (z. B. Wachstumsüberwachung)
  • Höhenwartung (beispielsweise an Freileitungsmasten)
  • Vermessung
  • Vermisstensuche

Damit stellen ihre Bediener heute eine gesuchte Gruppe von Spezialisten dar, die mit ihrem fliegenden Gerät eine in Sachen Kosten, Aufwand und nicht zuletzt Lärmbelästigung wichtige Position neben der bemannten Fliegerei einnehmen.

Bedingungen und Notwendigkeiten: Drohnenpiloten sind nicht zuletzt deshalb so gesucht, weil dieser Beruf keine so schwierigen Zugangsvoraussetzungen wie die bemannte Luftfahrt hat. Es braucht nur einen Kenntnisnachweis beim Luftfahrtbundesamt („Drohnenführerschein"), der bei mehreren zertifizierten Privatanbietern durch Schulungen erworben werden kann.

Aus diesem Grund starten viele Drohnenpiloten ihre Selbstständigkeit aus dem Hobbybereich heraus. Was jedoch für beruflichen Erfolg definitiv hilft ist eine einschlägige Zusatzqualifikation. Beispielsweise als Fotograf oder Mediengestalter.

Chancen und Risiken: Die meisten Experten sehen den Drohnenmarkt noch am Anfang. Daher stehen die Chancen sehr gut, dass in Zukunft noch weitere Aufgabengebiete erschlossen werden – etwa im Bereich der Expresslogistik, bei der längst die technischen Voraussetzungen gegeben sind und nur noch rechtliche Hürden bestehen. Zudem obliegt es Selbstständigen, durch Kreativität und gutes Gespür für Trends ihre eigenen Märkte zu kreieren.

Allerdings entsteht das Risiko dadurch, dass (noch) jeder diesen Beruf ausüben kann, der die einigen Tausend Euro für eine Hochleistungsdrohne und die Lizenz aufbringen kann. Dadurch besteht das gewisse Risiko, dass der Markt schnell gesättigt ist – wenngleich nur die Zukunft zeigen kann, ob sich dies nicht mit den steigenden Anforderungen die Waage hält.

7. Tatortreiniger

Überblick: Egal ob es der Schauplatz eines blutigen Gewaltverbrechens ist oder „nur" das Heim einer Person, die in Einsamkeit starb und erst nach Wochen entdeckt wurde: Wenn die Spurensicherer der Polizei den Ort geräumt haben, steht das Säubern auf dem Plan. Diese Aufgabe übernehmen Tatortreiniger.

Bedingungen und Notwendigkeiten: Die wohl wichtigste Bedingung, um in diesem Beruf bestehen zu können, ist Nervenstärke – denn auch wenn Opfer in der Regel bereits abtransportiert wurden, wenn die Reiniger anrücken, bleibt die Tatsache, dass fast alle Aufträge auf menschlichen Tragödien basieren. Zudem stellen viele Tatorte in Sachen Aussehen und Geruch eine extreme Herausforderung für die Sinne dar.

Darüber hinaus ist eine berufliche Qualifikation sehr sinnvoll. Als Quasi-Standard gilt die Kombination aus einer Ausbildung zum Gebäudereiniger mit einer angeschlossenen Ausbildung zum staatlich geprüften Desinfektor; diese wird unter anderem durch IHKs angeboten. Teils bieten mittlerweile auch private Institutionen eine direkte Ausbildung zum Tatortreiniger an.

Chancen und Risiken: So makaber es klingt, aber Tatortreiniger haben einen sehr sicheren Beruf. Zudem ist die Branche von starker Fluktuation gekennzeichnet. Viele Einsteiger halten vor allem die psychische Belastung nicht lange durch – das ist für angehende Selbstständige in diesem Metier sowohl Chance wie Risiko zugleich.
Darüber hinaus muss natürlich klar sein, dass es hier auf höchsten hygienischen Eigenschutz ankommt, da vor allem das Risiko für Infektionen immer gegeben ist.

8. Craft-Destillateur

Überblick: Schon seit einigen Jahren gibt es einen starken Trend zu regionalen und saisonalen Produkten. Dieser macht auch vor dem Getränkebereich nicht Halt und führte dazu, dass sich viele Mikrobrauereien etablieren konnten – übrigens nicht nur in Deutschland.

Der Craft-Destillateur ist das berufliche Pendant dazu. Allerdings hat er sich auf die Herstellung von Bränden fokussiert, also Schnaps in allen Variationen – in der Realität allerdings bleiben die meisten Craft-Destillateure bei einem Getränk, etwa nur Gin, nur Wodka usw. Ihr Job ist es, aus den (gern regional und saisonal) angelieferten Rohstoffen einen Edelbrand herzustellen und zu vermarkten.

Bedingungen und Notwendigkeiten: Bier und Wein darf in Deutschland jeder in beliebiger Menge herstellen. Bei Bränden ist es jedoch anders, das ist für Privatpersonen in Eigenregie rundweg illegal. Hier ist seit Anfang 2018 die einzige Möglichkeit für Personen ohne eigenen landwirtschaftlichen Betrieb die Eröffnung einer sogenannten Verschlussbrennerei – eine nach strengen Kriterien errichtete und dauernd vom Zoll überwachte Destille.

Auch wenn die Grundvoraussetzungen privat erlernt werden können, macht eine vorherige Berufsausbildung zum Destillateur natürlich Sinn, gegebenenfalls sogar mit Meisterschule. Denn hier erfolgt die Ausbildung facettenreich und grundständig.

Zudem ist natürlich, wie bei allem, das mit der Herstellung von Lebens- und Genussmitteln zu tun hat, eine private Leidenschaft enorm ratsam. In diesem speziellen Fall auch eine gute Nase für Trends – denn welche Schnäpse gerade besonders beliebt sind, ist in jüngsten Jahren sehr zeitgeistabhängig geworden. Gute Craft-Destillateure müssen sich darauf einstellen und auch willens sein, eigene Trends zu schaffen.

Chancen und Risiken: Große Marken, große Firmen, Massenprodukte werden von immer mehr Menschen kritisch betrachtet. Insofern können Craft-Destillateure realistisch auf eine gute Zukunft hoffen, da immer mehr Menschen sich für solche Produkte interessieren und somit zur Zielgruppe werden.

Allerdings birgt der Beruf das Risiko, sowohl gegen kleine Konkurrenten wie die ganz großen Hersteller bestehen zu müssen. Bis eine selbstständige Brennerei sich am Markt etabliert hat, kann gewisse Zeit vergehen während der eine anderweitige finanzielle Absicherung vorhanden sein sollte.

Fazit

Oftmals winkt der größte Erfolg dort, wo man ihn nicht auf den ersten Blick vermutet. Aus diesem Grund sollten alle, die sich mit dem Gedanken der Selbstständigkeit tragen, nicht nur in direkten Bahnen denken, um ihren Traumberuf zu finden. Oftmals ist der Weg zu langfristigem selbstständigem Erfolg einer, der um viele Ecken führt.

lic/news.de

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