29.10.2010, 10.03 Uhr

Spartipps: Was Sie falsch machen können

100 Euro jeden Monat zurücklegen - so einfach ist es leider nicht. Auch Sparen will gelernt sein. Viele Anleger sollten ihre Strategie überdenken. Im News.de-Gespräch gibt Finanzprofessor Martin Weber Tipps, wie man richtig spart.

Der Sparstrumpf der Deutschen war im vorigen Jahr nicht so prall gefüllt. Bild: dpa

In Deutschland ist Sparen sehr beliebt und angesehen. Wie viel sollte ich denn sparen?

Weber: Das ist sehr individuell. Man muss sich zuerst überlegen - und das ist meiner Meinung nach eine sehr wichtige Frage - wie viel Geld man jetzt haben will und wie viel Geld man in Zukunft haben will. Über diese Dinge sollte man sich Gedanken machen.

Wie kann man sich so eine Frage beantworten?
 
Weber: Man muss ein sogenanntes Lebenszykluskonzept entwickeln. Dabei geht es um Fragen, wie: Was sind so und so viele Euro aufgezinst in 30 Jahren, wie viel schluckt die Inflation, wie viel brauche ich für mein Leben im Alter, welche Absicherung benötige ich und was brauche ich für die Kinder. Das ist wirklich die zentrale Sache, die viel zu wenig diskutiert wird.

Was machen die Leute heute falsch?
  
Weber: Sie sparen jeden Monat, sagen wir, 200 Euro. Aber ob das die richtige Sparquote ist, ob man gerade mehr Geld ausgeben sollte oder doch mehr sparen sollte, das wissen sie nicht. Es ist ein Fehler, 200 Euro jahrelang in irgendetwas einzuzahlen, ohne flexibel zu reagieren und ohne zu wissen, ob das genug ist.

Wann sollte man mehr zurücklegen und wann weniger?

 
Weber: Typisch ist: Die Leute sind jünger, beide verdienen und wohnen vielleicht zur Miete und haben noch keine Kinder. Dann ist das eine Phase, in der man viel zurücklegen kann. Wenn man drei Kinder hat, ein Haus baut und ein Partner zu Hause ist, sieht die Sache wieder ganz anders aus. Da wird man weniger sparen.

Worauf sollte man beim Beratungsgespräch achten?
 
Weber: Dass die Anlagestrategieberatung nicht mit der Produktberatung verknüpft wird, wie es heute die Praxis ist. Das sind zwei unterschiedliche Dinge, die überhaupt nichts miteinander zu tun haben. Als Erstes muss man wirklich feststellen, wie viel Geld man in welchem Lebensabschnitt braucht. Das ist die eine Sache. Und dazu braucht man noch viel eher einen neutralen Berater. Die andere Sache ist dann, wie man das Geld anlegt.

Braucht man für die zweite Frage keinen Berater?

Weber: Das muss jeder selbst entscheiden, die Gefahr besteht immer, dass ein Produktberater nur bestimmte Produkte seines Unternehmens anbietet. Es ist generell sinnvoll, sich ein wenig selbst zu bilden. Wenn man sich Gedanken gemacht hat, ein höheres Risiko statt das Sparbuch zu suchen, gibt es ein paar einfache Regeln. Sie lauten: breit diversifizieren und billige Kosten. Börsengehandelte Fonds sind da eine gute Anlagemöglichkeit. Und immer bei dubiosen Angeboten wachsam sein. Meinen Kindern erzähle ich immer: Du kannst nicht besser sein als der Markt. Wenn dir das einer erzählt, dann würde ich sofort gehen und gar nicht mehr mit ihm reden.

Gibt es eine Risikoquote, die Sie empfehlen?
 
Weber: Das hängt unter anderem davon ab, welchen Anlagezeitraum man im Auge hat. Wenn ich das Geld demnächst für die Ausbildung meiner Kinder benötige, werde ich eine niedrige Aktienquote nehmen. Es nutzt mir nichts, wenn der Aktienmarkt schwankt und die Kinder nicht mehr studieren können. Wenn man das Geld gerade nicht braucht und etwas reicher ist, dann kann ich die Aktienquote höher machen, weil ich im Falle eines Verlustes damit umgehen kann. Um sich das Risiko bewusst zu machen, haben wir an der Universität einen Simulator entwickelt. (Siehe dazu behavioral-finance.de/Risiko)

Was ist daran besonders?

FOTOS: Zeit für Finanzen Am 29. Oktober ist Weltspartag
zurück Weiter Zeit für Finanzen - Am 29. Oktober ist Weltspartag (Foto) Foto: Deutscher Sparkassen- und Giroverband Kamera

Weber: Hier kann man anhand einer besonders gestalteten Simulation erleben, welche möglichen Ergebnisse einige riskante Anlagealternativen erzielen können. Die Grundlage für die Simulation bilden die tatsächlichen Wertentwicklungen der vergangenen rund 30 Jahre: Das ist damit zwar keine Garantie für die Zukunft, gibt aber doch ein Gefühl für die Risiken der jeweiligen Anlagen.

Sie sagen, die Banken bewerben ihre Produkte unzureichend, wenn sie schreiben, dass man beispielsweise bei einem Sparbuch in 20 Jahren aus 10.000 Euro 16.000 macht. Warum?

Weber: Das Kernproblem ist die Inflation. Man denkt in Nominalwerten, müsste aber in Realwerten denken. Was weiß ich, wie viel ein Brötchen in 20, 30 Jahren kostet. Dann sind 16.000 Euro viel weniger wert als heute. Das ist bei der Riester-Rente genau das gleiche Problem. Man denkt, man hat wenigstens den Kapitalerhalt, aber die Inflation vermindert den Wert zusätzlich. Die Inflation ist das größte Risiko für den Normalsparer. Darauf müssten die Banker, wenn sie den Kunden wirklich helfen wollen, besser hinweisen.

Wir leben in einer Zeit von enormen Staatsschulden, gleichzeitig denken immer mehr Leute langfristig über Altersvorsorge nach. Ist das Geld überhaupt über so lange Zeiträume sicher?

Weber: Das kann niemand wissen. Das Leben ist voller Risiken. Deswegen ist es gerade sinnvoll, sein Geld breit anzulegen. Welche Anlageformen sollten es sein? Mir ist beispielsweise völlig unklar, warum die Deutschen so große Probleme mit Aktien haben. Das sind langfristig hervorragende Anlagen. Denn bei Aktien ist man gegen Inflation geschützt. Mir gehört dann außerdem ein Teil des Unternehmens. Natürlich ist auch eine deutsche Staatsanleihe gut, denn bis der deutsche Staat pleite geht, ist es weit hin. Es gibt die unterschiedlichsten Sachen, in die man anlegen kann: Aktien, Renten, Rohstoffe und eine Immobilie, die man eventuell selbst nutzt. Wichtig ist, es muss breit diversifiziert sein. Es ist aber schwer, die richtigen Aktien zu finden. Auch hier gilt, das Risiko zu streuen in der ganzen Welt, also wenn man MSCI-World-Index nimmt, als Beispiel, da sind ein paar hundert Unternehmen drin, damit fährt man eigentlich am besten.

Bei welchen Anlagetipps von Beratern oder Experten im Fernsehen sollte man skeptisch sein?

Weber: Wenn da einer ankommt und sagt, ich weiß da was Besonderes, da ist es nur in der Hälfte der Fälle richtig, in der anderen Hälfte der Fälle falsch. Die Kristallkugel zur Vorhersage der Zukunft haben eben nur Hexen und Wahrsager - keine Banker.

 

Professor Martin Weber ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, Finanzwirtschaft, insbesondere Bankbetriebslehre, an der Universität Mannheim. In seinem Buch Genial einfach investieren deckt der Wissenschaftler Irrtümer des Sparens auf.

mac/ivb/news.de

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