"Wie Frauen länger leben": Kardiologin über das stille Risiko im Alter - so schützen Sie Ihr Herz

Unsere Herzen altern, aber bei Frauen und Männern unterschiedlich. In ihrem neuen Buch "Wie Frauen länger leben" erklärt Prof. Dr. med. Sandra Eifert, wie Frauenherzen im Alter gesund bleiben und welches Risiko Patientinnen ernst nehmen sollten.

Von news.de Redakteurin - Uhr

Das weibliche Herz sollte im Alter nicht außer Acht gelassen werden. (Foto) Suche
Das weibliche Herz sollte im Alter nicht außer Acht gelassen werden. Bild: Adobe Stock/ fizkes
  • Ratgeber "Wie Frauen länger leben": weibliche Longevity verstehen.
  • Prof. Dr. med. Sandra Eifert erklärt im Interview, wieso das Herz von Frauen anders altert und wie Sie es schützen können.
  • Ein Plädoyer für Gendermedizin und die Herzgesundheit: Wieso Stress ein ernsthafter Risikofaktor für Frauenherzen ist.

Wenn sich die Wissenschaft mit dem Alterungsprozess beschäftigt, dann richtet sie ihren Blick oft nur auf Männer. Dabei ist es in Bezug auf die Frauengesundheit ebenso wichtig, zu verstehen, dass Frauen in einem anderen Tempo altern - auch um zum Beispiel Herzerkrankungen vorzubeugen. Dafür setzt sich Prof. Dr. Sandra Eifert als Kardiologin ein. In ihrem neuen Buch "Wie Frauen länger leben" widmet sie dem weiblichen Herz ein Kapitel und zeigt auf, wie Frauen ihr Herz bis ins hohe Alter gesund halten können.

Kardiologin erklärt: Frauenherzen schlagen anders

Das Herz gibt den Takt vor. Ein geschlechterspezifischer Blick zeigt: Die Herzen von Frauen schlagen zehnmal schneller als das von Männern. Auch die Herzfrequenz unterscheidet sich. Es weist weitere Unterschiede auf, wie die Oberärztin am Herzzentrum in Leipzig im Interview mit news.de erklärt: "Das männliche Herz wiegt im Schnitt 350 Gramm und das Frauenherz höchstens 300 Gramm. Frauen haben eben weniger Muskelmasse, nicht nur am gesamten Körper, sondern auch am Herzen." Außerdem ist der Fett- und Wasseranteil bei Frauen höher.

Das weibliche Herz im Wandel: Gesundheitsfolgen im Alter

Lange sind Frauen durch das Östrogen vor gesundheitlichen Problemen geschützt. Dadurch kommt es zu Veränderungen, wodurch Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen nach der Menopause zunehmen können. Verkalkungen nehmen zu, die Gefäßelastizität nimmt ab und es bildet sich mehr Kollagen im Herzen, wodurch der Herzmuskel steifer wird. Das führt zu einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) bei Frauen, aber auch der Blutdruck kann sich erhöhen. Außerdem verkalken sich die Herzklappen bei Frauen stärker und es treten bei ihnen vermehrt Herzrhythmusstörungen auf.

Herzinfarkt bei Frauen: Auf diese Symptome achten

Daraus entwickeln sich verschiedene Folgeerkrankungen. Gerade Diabetikerinnen sollten aufpassen, erklärt Dr. Eifert. Sie haben ein höheres Risiko für einen stillen Infarkt. Bestes und bekanntestes Beispiel ist der Myokardinfarkt. Der wird oft mit einem Engegefühl und starken Schmerzen hinter dem Brustbein assoziiert, die in den Arm ausstrahlen. Bei Frauen sind die Symptome eher unspezifisch und können hormonell bedingt sein (Zyklus oder Menopause):

  • Übelkeit
  • Rückenschmerzen
  • Atemnot
  • Müdigkeit

"Sie schaffen nicht mehr die Leistung, dann wird das manchmal eben auch auf das zunehmende Alter oder die abnehmenden Hormone geschoben", sagt Dr. Eifert.

Hinweis: Wenn die Symptome nicht abklingen oder sich verschlechtern, sollten Frauen, aber auch Männer, zur Abklärung einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen.

Gesund altern: Diese Rolle spielen Ernährung und Sport

Neben physiologischen und genetischen Faktoren spielen Umwelteinflüsse eine wichtige Rolle für die weibliche Herzgesundheit. Andere Krankheiten wie Autoimmunerkrankungen, an denen Frauen häufiger leiden, können Herzerkrankungen begünstigen. Klassische Risikofaktoren wie Rauchen, Fettstoffwechselstörungen oder Zucker betreffen laut Dr. Eifert beide Geschlechter. Auch der Konsum von rotem Fleisch sollte dem Herzen zuliebe von beiden Geschlechtern reduziert werden. Frauen sollten im Alter ihren Zuckerkonsum verringern. Ab 65 Jahren empfiehlt sich eine proteinreichere Ernährung. Auch die mediterrane Ernährungsform ist ratsam. Besonders Omega-3-Fettsäuren aus Fisch oder pflanzlichen Quellen wie Hanf,- oder Leinsamen sollten auf dem Speiseplan stehen. Nahrungsergänzungsmittel können eine gesunde Ernährung unterstützen. Vitamin D, Vitamin E, bei einer Fettstoffwechselstörung, Zink und Selen halten das Herz gesund. Supplemente sollten aber immer genommen werden, wenn der Körper unterversorgt ist. Lassen Sie vorher die Werte beim Arzt abklären. Sport, Ausdauer- und Krafttraining, besonders im Alter, tun dem Herzen gut.

Ärztin will mit dem Tabu aufräumen: Wieso Stress dem Frauenherz schadet

Oft unterschätzt, aber ebenso wichtig, ist das Stressmanagement bei Frauen. Dieses Thema empfindet Dr. Eifert als "sehr tabuisiert". Denn Stress erhöht das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen und kann sich auch auf den Heilungsprozess auswirken. Deshalb sollten sich Frauen die Zeit nehmen, um Stress mit Entspannungsübungen abzubauen.

Es bewegt sich etwas in der Gendermedizin

Dr. Eifert liefert mit ihrem Buch nicht nur ein Plädoyer für einen selbstbestimmten Blick auf die Herzgesundheit. Sie will damit Frauen allgemein aufklären, wieso sie anders altern, und daraus Tipps für ihre eigene Gesundheit ziehen. Erfahrungen kombiniert sie mit leicht verständlichem Medizinwissen. Gerade im Hinblick auf die geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Medizin "bewegt sich etwas", sagt Dr. Eifert. "Wir haben zum einen das Glück, dass die Gendermedizin in die nächste ärztliche Berufsordnung reinkommt. Wir wissen noch nicht genau, wann das kommt", erklärt Dr. Eifert. Es gibt bereits in den Fachgesellschaften "solche Arbeitsgruppen für dieses Thema." Sie fügt hinzu: "In der Arzneimittelindustrie, beziehungsweise in den Empfehlungen der wissenschaftlichen Journals ist es für die Arzneimitteltherapie schon seit 2010 im europäischen Raum, auch von den Behörden drin. Aber es ist nur eine Empfehlung und dort wird es natürlich nicht unbedingt eingehalten." Bis die Patienten von der Genderforschung profitieren, wird es noch dauern. Doch der Anfang ist gemacht: mit Büchern wie diesem und einer Ärztin wie Dr. Eifert, die der weiblichen Herzgesundheit mit viel Einfühlungsvermögen mehr Aufmerksamkeit schenkt.

Die Expertin: Prof. Dr. Sandra Eifert ist Oberärztin am Herzzentrum in Leipzig, Herzchirurgin und gibt eine Herzsprechstunde für Frauen. Sie blickt auf eine jahrelange Expertise in der Transplantationsmedizin zurück. 

"Wie Frauen länger leben" von Prof. Dr. med. Sandra Eifert. (Foto) Suche
"Wie Frauen länger leben" von Prof. Dr. med. Sandra Eifert. Bild: C. Bertelsmann/ Penguin Random House

"Wie Frauen länger leben" von Prof. Dr. med. Sandra Eiffert erschien am 14. Januar 2026

Titel: "Wie Frauen länger leben"
Autor: Prof. Dr. med. Sandra Eiffert
Verlag: C. Bertelsmann, 2026
Seitenzahl, Buchart: 352, Paperback
Preis: 22 Euro
ISBN: 978-3-570-10588-7

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