30.04.2021, 10.41 Uhr

Erektile Dysfunktion: Wie kommt es dazu und was kann ich tun?

Mindestens fünf Prozent der Männer in Deutschland sind momentan von Impotenz betroffen. Hinter dieser unscheinbaren Zahl verbirgt sich viel Leid und Scham. Viel von diesem Leidensdruck ist aber unnötig, weil sich Impotenz in den meisten Fällen (sofern keine gravierenden gesundheitlichen Störungen vorliegen) beheben lässt, wenn man die genauen Ursachen kennt.

Ein Urologe warnt jetzt davor, dass eine Corona-Infektion Männer impotent macht. (Symbolfoto) Quelle: AdobeStock/SasinParaksa Bild: AdobeStock/SasinParaksa

Körperliche Ursachen

Zu den häufigsten Problemen, die eine Erektion behindern, gehören Herz-Kreislauf-Erkrankungen, zum Beispiel die Gefäßverkalkung (Arteriosklerose). Dabei gelangt nicht genug Blut in den Penis und es fließt danach zu schnell wieder ab.
Eine Zuckerkrankheit hat ganz ähnliche Auswirkungen: An den Wänden der Blutgefäße lagern sich Zuckermoleküle ab und verhindern, dass genug Blut in die Schwellkörper fließt.

Weitere mögliche Gründe sind hormonelle Störungen, die verhindern, dass sich genug Testosteron bildet. Neurologische Erkrankungen können die Weiterleitung von Reizen vom Gehirn durch die Nerven an den Penis behindern. Hier sind etwa Multiple Sklerose und die Parkinsonsche Krankheit zu nennen. Nervenbahnen können auch mechanisch bei Operationen verletzt werden, wenn man etwa Prostatakrebs operativ entfernt. Eine Verletzung des Schwellkörpers verhindert bis zu ihrer Heilung ebenfalls oft eine Erektion.

Seelische Ursachen

Sogar wenn körperlich alles zum besten steht, können seelische Ursachen impotent machen. Das betrifft vor allem jüngere Männer. In der unwillkommenen Störung durch die ausbleibende oder schwache Erektion liegt bei ihnen vielleicht eine Botschaft, die auf Probleme in der Beziehung hinweist.

Weitere mögliche Gründe sind Depression, die zu mangelnder Erregung, oder Stress, der zu Erschöpfung führt. Hemmungen und Ängste verhindern ebenfalls, dass ein Mann sich entspannt und sicher genug für den Liebesakt fühlt. Auch Konflikte innerhalb der Persönlichkeit, etwa eine verdrängte Homosexualität, machen manche Männer impotent.

Wirksame Medikamente

Das schwerste Geschütz unter den Medikamenten gegen Impotenz ist das Gewebshormon Alprostadil. Es wird entweder durch Injektion oder über die Harnröhre direkt in den Schwellkörper eingebracht und wirkt auch ohne sexuelle Erregung - kann aber eine unerwünschte Dauererektion auslösen.

Die Klassiker unter den wirksamen Medikamenten sind PDE-5-Hemmer in der Form von Pillen. Bei ihnen muss der Mann sexuell erregt sein und intakte Nervenbahnen besitzen. Das bekannteste Präparat ist hier die blaue Pille Viagra von Pfizer, deren Inhaltsstoff Sildenafil Wirkung bei den meisten Männern zeigt. Eine ebenfalls bekannte Alternative dazu ist das mehrere Tage lang wirkende Cialis von Lilly Pharma.

Pflanzliche Mittel

Pflanzenextrakte und Hausmittel könnten sanfte Alternativen zu diesen Pillen sein. Zur ihrer Wirksamkeit gibt es kaum klinische Studien. Als vielversprechend gilt momentan das aus einer afrikanischen Baumart gewonnene Yohimbin. Der Klassiker unter den Potenzmitteln ist der in der traditionellen Medizin Ostasiens oft verwendete Ginseng. Dabei dauert es aber (laut einer Studie des Yonsei University College of Medicine) etwa acht Wochen, bis sich eine Wirkung einstellt. Freunde der Naturheilkunde versprechen sich auch viel von der Maca-Wurzel aus den peruanischen Anden.

Zur Kategorie der altbekannten Hausmittel gehören Austern, Knoblauch, Spargel, Fisch, Wassermelonen und dunkle Schokolade. Wenn hier eine Wirkung schon nicht klinisch nachgewiesen ist, richten sie auch keinen Schaden an, sodass nichts dagegen spricht, es mit ihnen zu versuchen.

Psychotherapie

Falls körperlich alles in Ordnung ist, lassen sich die psychischen Ursachen von Impotenz sehr gut behandeln. Manche Sexualtherapeuten haben sich genau darauf spezialisiert. Wenn die eigentliche Ursache in einem Konflikt in der Partnerschaft liegt, bieten Paartherapien eine Erfolgsquote von deutlich über 55 %. Betroffene Männer können sich auch in Selbsthilfegruppen gegenseitig moralisch unterstützen und aufmuntern. Die Adressen solcher Gruppen liegen meist bei Andrologen und als Männerärzte tätigen Urologen auf.

Egal worin die Ursache einer Impotenz besteht: Die Chancen, sie durch eine Behandlung zu beseitigen, stehen bei den meisten Betroffenen gut, sobald sie ihre Scham überwinden und sich an erfahrene Ärzte und Therapeuten wenden, damit sie wirksame Hilfe leisten können.

lic/news.de

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