06.01.2021, 14.42 Uhr

Corona-Mutation B117: Christian Drosten klärt auf! Wie gefährlich ist die neue Coronavirus-Mutation?

Die neue Corona-Mutation B117 aus Großbritannien hat sich auch in Deutschland bereits vereinzelt ausgebreitet. Britische Experten warnen vor dem mutierten Coronavirus, weil es ansteckender sein soll. Stimmt das wirklich? Christian Drosten hat sich jetzt dazu geäußert.

Christian Drosten zeigt sich besorgt über die neue Coronavirus-Mutation. Bild: picture alliance/Michael Kappeler/dpa-pool/dpa

Wie viel Klarheit herrscht bisher über die Corona-Varianten, die im Ausland entdeckt wurden? Unter anderem darüber hat der Virologe Christian Drosten in der ersten Folge seines Podcast 2021 gesprochen.

Ist das mutierte Coronavirus aus England ansteckender? Christian Drosten spricht Klartext

Der Virologe Christian Drosten sieht noch viele offene Fragen rund um die neue, zuerst in Großbritannien nachgewiesene Corona-Variante B.1.1.7. "Das ist ganz schwer einzuordnen, immer noch", sagte der Leiter der Virologie an der Berliner Charité im Podcast "Coronavirus-Update" vom Dienstag bei NDR-Info. "Ich gehe davon aus, dass wir, sagen wir, vielleicht bis Ostern oder bis Mai ganz klare experimentelle Evidenz haben, ob jetzt dieses Virus übertragbarer und gefährlicher ist oder nicht. Aber das wird einfach dauern."

Derzeit werde noch zusammengetragen, wie verbreitet die neue Variante in Deutschland ist, schilderte der Virologe. Von einem großen Problem damit gehe er momentan nicht aus. Nachdem er auch Daten aus Dänemark zum Thema gesehen habe, sei er der Ansicht, dass die Variante ernst genommen werden müsse, erläuterte Drosten. Auch in Deutschland müsse man verstärkt nach der Mutation schauen. Hintergrund sind Befürchtungen, dass die Variante übertragbarer ist - also dass ein Infizierter im Schnitt mehr Menschen ansteckt als bisher, die Variante also mit einer höheren Reproduktionszahl einhergeht.

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Schützt der Corona-Impfstoff vor dem mutierten Coronavirus?

In Hinblick auf die Wirksamkeit der Impfung bekräftigte Drosten: "Da haben wir im Moment keine großen Sorgen." Die Sorge sei vielmehr, dass die Variante im Vergleich zu früheren Formen einen deutlich höheren R-Wert haben könnte, etwa von 1,5 statt von 1. Sollte sich ein solches Szenario bestätigen, wäre es Drosten zufolge ein Problem. "Das ist ja ein exponentielles Phänomen", betonte er. Der Virologe äußerte aber auch schon wiederholt die Hoffnung, dass B.1.1.7 weniger stark krank machen könnte.

In der Impfstoff-Frage zeigte sich der Forscher Sir John Bell etwas verhaltener. Er sagte, dass der Impfstoff vermutlich vor der britischen Variante schützt. Bei der südafrikanischen Variante ist er sich da nicht sicher.

In ein bis zwei Wochen sollen verlässliche Daten vorliegen, ob der derzeit in Deutschland verteilte Impfstoff auch gegen die in Großbritannien aufgetauchte Mutation des Coronavirus wirkt. "Nach den bisher vorliegenden Daten scheint es so zu sein, dass der Impfstoff noch wirken sollte", sagte Thomas Mertens, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (Stiko) beim Robert Koch-Institut (RKI), am Montag im ZDF-"Morgenmagazin". Es seien aber noch Untersuchungen nötig, die derzeit unter anderem Biontech durchführe, der Hersteller des Impfstoffs. "Wir denken und hoffen, dass wir in etwa ein bis zwei Wochen die Ergebnisse haben werden, so dass man dann ganz sicher sagen kann, wie er wirkt", sagte Mertens weiter.

Corona-Mutation B117 ist in Großbritannien ansteckender

Nach dem Nachweis in Großbritannien wurde die Variante auch in anderen Ländern bestätigt. In Deutschland sind bislang nur vereinzelt Fälle bekannt, etwa in Baden-Württemberg und in Nordrhein-Westfalen. Das Robert Koch-Institut erwartet aber, dass weitere Fälle hinzukommen. Experten befürchten, dass die Ausbreitung die Pandemiebekämpfung erschweren könnte.

Auch eine aus Südafrika bekannte Corona-Variante (501.V2) müsse man "mindestens genauso beobachten" wie die englische, betonte Drosten. Reiserückkehrer aus dem Land sollten nach seiner Einschätzung getestet werden. Es gebe jetzt noch ein Zeitfenster, um der Ausbreitung hierzulande vorzubeugen. Der britische Gesundheitsminister Matt Hanckock zeigte sich besorgt über die Verbreitung der neuen Corona-Mutation aus Südafrika in Großbritannien. Er sagte, dass sie "schneller übertragen wird". In den letzten Monaten haben sich vor allem jüngere Menschen mit dem Virus angesteckt.

Bundesregierung will Mutationen aus Südafrika und England eindämmen

Bund und Länder beschlossen am Dienstag neben einer Verlängerung und Verschärfung des Lockdowns bis Ende Januar, den Eintrag solcher Mutationen aus dem Ausland möglichst stark eindämmen zu wollen. In Deutschland sollten sie durch verstärkte Sequenzierung entdeckt werden; dabei wird nach Gensequenzen gesucht. Die Ausbreitung soll durch priorisierte Nachverfolgung und Quarantäne möglichst stark begrenzt werden.

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bos/sig/news.de/dpa

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