18.09.2020, 08.14 Uhr

Coronavirus-News aktuell: Wer erhält die 250 Millionen Impfstoff-Dosen von Biontech zuerst?

Das Wettrennen um einen Impfstoff gegen das Coronavirus läuft weiter. Das Mainzer Unternehmen Biontech macht sich bereits, bis zu 250 Millionen Dosen des Covid-19-Impfstoffs zu produzieren. Nur: Wer bekommt die Impfungen zuerst?

Das deutsche Biotechnologieunternehmen Biontech will bereits im ersten Halbjahr 2021 bis zu 250 Millionen Impfdosen gegen das Coronavirus produzieren. Bild: Kay Nietfeld / picture alliance / dpa

Seit Monaten stellt die Coronavirus-Pandemie weltweit das alltägliche Leben auf den Kopf. Auch in Deutschland werden täglich Tausende neue Infektionen registriert, ein wirksames Medikament gegen Covid-19 oder einen Impfstoff, der eine Ansteckung mit Sars-CoV-2 verhindert, ist bislang nicht erhältlich. Um der Pandemie Einhalt zu gebieten, läuft weltweit das Wettrennen darum, einen wirksamen Impfstoff zu entwickeln. Auch in Deutschland wird dazu eifrig geforscht.

Coronavirus-News aktuell: Biontech übernimmt Marburger Produktion für Impfstoff-Herstellung

Für die Herstellung eines möglichen Corona-Impfstoffs will das Mainzer Unternehmen Biontech von dem Schweizer Pharmakonzern Novartis dessen Produktionsstätte in Marburg übernehmen. Das Geschäft soll noch vor Jahresende abgeschlossen werden, teilte das Unternehmen nun mit.

Über den Kaufpreis machten weder Biontech noch Novartis Angaben. Der Vertrag wurde am Mittwochabend unterzeichnet. In dem Werk in Marburg sind den Angaben zufolge rund 300 Mitarbeiter beschäftigt. Die Arbeitsverhältnisse der Beschäftigten in Marburg bleiben laut Novartis von der Übernahme unberührt.

250 Millionen Corona-Impfdosen schon Anfang 2021! Biontech steckt sich hohe Ziele

Biontech plant unter Vorbehalt der behördlichen Genehmigung, in dem Marburger Werk bereits im ersten Halbjahr 2021 bis zu 250 Millionen Dosen des möglichen Impfstoffs herstellen zu können. "Ich bin überzeugt, dass wir vor Frühjahr 2021 noch keinen Impfstoff haben werden", zitierte die "Bild" den Virologen Dr. Martin Stürmer. "In Europa wird Sicherheit vor Schnelligkeit gehen."

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Biontech und Pfizer stellen Antrag auf Marktzulassung von Corona-Impfstoff

Das Mainzer Biopharma-Unternehmen und sein US-Partner Pfizer wollen im Falle eines Erfolgs der aktuell laufenden klinischen Studie zu ihrem möglichen Corona-Impfstoff im Oktober den Antrag auf Marktzulassung stellen. Beide Unternehmen hatten Ende Juli einen weltweiten Test zu dem möglichen Impfstoff mit derzeit 29 000 Probanden gestartet. Für die klinische Untersuchung der Phasen II/III - mit dem Ziel einer Überprüfung der Wirksamkeit sowie möglicher Nebenwirkungen und der Bestimmung der geeigneten Dosis - war der Wirkstoff BNT162b2 als Hauptkandidat ausgewählt worden.

"Dieser Zukauf unterstreicht Biontechs Engagement, die Produktionskapazitäten erheblich zu erweitern, um nach Marktzulassung eine weltweite Versorgung mit einem potenziellen Impfstoff zu ermöglichen", sagte Finanzvorstand Sierk Poetting. "Wir arbeiten eng mit Novartis zusammen, um einen reibungslosen Übergang zu ermöglichen."

Heinrich Moisa, Geschäftsführer von Novartis Deutschland, sagte: "Wir sind davon überzeugt, dass Biontech die richtigen Voraussetzungen vorfindet, um mitzuhelfen, die aktuell wohl größte globale Herausforderung zu bekämpfen und den Pharmastandort Marburg als wichtigen Teil der Pharma- und Impfstoffproduktion in Deutschland und Europa zu stärken."

Robert-Koch-Institut entscheidet: Wer wird zuerst gegen das Coronavirus geimpft?

Obwohl den Schätzungen des Biotechnologieunternehmens bereits im ersten Halbjahr 2021 bis zu 250 Millionen Impfdosen gegen das Coronavirus zur Verfügung stehen könnten, ist derzeit noch ungewiss, wie das Vakzin an Patienten verteilt werden soll. Alle Bundesbürger gleichzeitig zu impfen ist ein Ding der Unmöglichkeit - wer die vor Covid-19 schützende Impfung zuerst erhält, soll eine Strategie festlegen, die das Robert-Koch-Institut (RKI) im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums erstellen soll. Das Expertenpapier soll dann der "Bild" zufolge aufschlüsseln, welche Bevölkerungsgruppen eine Corona-Impfung am nötigsten hätten und als erste den schützenden Pieks bekämen.

Medizinisches Pflegepersonal könnte Covid-19-Impfung zuerst erhalten

Ob es bei der Verteilung der Impfdosen einen Unterschied geben wird zwischen Patienten, die eine private Krankenversicherung haben und solchen, die gesetzlich versichert sind, ist derzeit ungewiss. Wahrscheinlicher scheint jedoch das Szenario, dass Risikogruppen wie medizinisches Personal bei der Impfung bevorzugt behandelt werden könnten - damit könnte unterbunden werden, dass Krankenhaus- und Pflegepersonal Patienten mit dem Coronavirus ansteckt.

250 Millionen Impfstoff-Dosen zum Jahresbeginn 2021 erscheinen auf den ersten Blick viel - doch wenn man bedenkt, dass nach aktuellem Kenntnisstand eine einmalige Impfung gegen Sars-CoV-2 nicht ausreicht, um eine dauerhafte Immunität zu gewährleisten, wird die Verfügbarkeit des Impfstoffes relativiert. Eingedenk des Umstandes, dass Biontech nicht nur für den deutschen Markt, sondern für Abnehmer weltweit Impfstoffe produzieren könnte, sind die 750 Millionen Dosen jährlich, die laut "Bild" in Marburg produziert werden sollen, lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein.

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loc/news.de/dpa

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