Von Jan Ludwig, dpa - 12.04.2020, 10.27 Uhr

Corona-Mythos oder Wahrheit: Höheres Covid-19-Risiko durch Grippeimpfung? Das sagt der Faktencheck

Ältere und vorerkrankte Menschen gelten gemeinhin als besonders gefährdet, sich mit dem Coronavirus anzustecken. Doch erhöht auch eine Grippeschutzipfung das Infektionsrisiko? Der Faktencheck klärt auf.

Haben Menschen nach einer Grippeschutzimpfung wirklich ein höheres Risiko, sich mit dem Coronavirus anzustecken? Bild: Christoph Soeder / picture alliance / dpa

Während die Welt auf einen Impfstoff gegen das neue Coronavirus wartet, versuchen Impfgegner, aus der Krise Kapital zu schlagen. Jüngstes Beispiel:Der deutsche Arzt und Autor Ruediger Dahlke.

Irre These! Erhöht eine Grippeimpfung das Risiko einer Coronavirus-Infektion?

Wenn es um das Risiko für die Corona-Lungenkrankheit Covid-19 geht, stünden Grippe-Geimpfte über 65 Jahren laut britischer Regierung auf derselben Stufe wie "frisch Transplantierte" und "schwer Krebskranke". Diese Behauptung stellte Ruediger Dahlke in einem Facebook-Post auf, der inzwischen gelöscht wurde, aber noch im Web-Archiv abrufbar ist.

Grippeimpfung erhöht Risiko für Covid-19-Erkrankung nicht

Doch was ist dran an dieser These zum höheren Coronavirus-Infektrisiko infolge einer Grippeimpfung? Die Antwort lautet klar und deutlich: Nichts!

Der Influenza-Experte Jonathan Van-Tam bekleidet in England das Amt des "Deputy Chief Medical Officer". Am 17. März wurde er in der Sendung "BBC Breakfast" interviewt. Auf die Frage, welche Teile der Gesellschaft sich als Risikogruppen für Covid-19 ansehen sollten, antwortete Van-Tam: Es seien vor allem die, denen staatlicherseits eine Grippe-Impfung angeboten werde, mit Ausnahme von Kindern.

In Großbritannien sind Grippeimpfungen für bestimmte Risikogruppen kostenlos. Darunter fallen zum Beispiel Menschen ab 65 Jahren oder mit bestimmten Vorerkrankungen. Van-Tam beschrieb mit seiner Zuordnung also vereinfacht diejenigen, die auch für Covid-19 als Risikogruppen gelten.

Experten sind sich einig: Grippeschutzimpfung ist stets ratsam

Van-Tam sagte in dem Interview ausdrücklich nicht, dass man wegen einer vorangegangenen Grippeimpfung eine höhere Gefahr habe, an Covid-19 zu erkranken. Erst recht behauptete er nicht, dass Menschen wegen ihrer Grippeimpfung in dieselbe Hochrisikogruppe eingestuft werden wie etwa Patienten, denen kürzlich ein Organ transplantiert wurde. Eine Sprecherin des englischen Gesundheitsministeriums bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass Van-Tam dies weder gesagt noch gemeint hat.

Gesundheitsbehörden in mehreren Ländern empfehlen ausdrücklich, sich gegen Grippe impfen zu lassen. In seinem Podcast im NDR erklärte der Virologe Christian Drosten bereits im März:"Es ist nie schädlich, sich gegen die Grippe impfen zu lassen."

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loc/news.de/dpa

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