26.07.2011, 16.24 Uhr

Psychologie: Schwere Depressionen schnell stationär behandeln

Leipzig (dpa/tmn) - Immer mehr Patienten kommen wegen psychischer Probleme ins Krankenhaus. Vor allem Depressionen und andere sogenannte affektive Störungen sind laut einem aktuellen Bericht der Krankenkasse Barmer GEK immer öfter Gründe für einen Klinikaufenthalt.

Schwere Depressionen schnell stationär behandeln Bild: dpa

Leipzig (dpa/tmn) - Immer mehr Patienten kommen wegen psychischer Probleme ins Krankenhaus. Vor allem Depressionen und andere sogenannte affektive Störungen sind laut einem aktuellen Bericht der Krankenkasse Barmer GEK immer öfter Gründe für einen Klinikaufenthalt.

Doch nicht in jedem Fall ist ein Krankenhausaufenthalt sinnvoll, wie Prof. Ulrich Hegerl von der Stiftung Deutsche Depressionshilfe erläutert. Als Beispiel nennt er reine Angststörungen, die meist besser ambulant behandelt werden. Denn stehen bei einem psychisch Kranken Ängste in Kombination mit Vermeidungsverhalten im Vordergrund, sei ein «behütetes stationäres Umfeld» nachteilig für die Behandlung. Die Betroffenen würden während des Klinikaufenthalts zum Beispiel nicht mit den sie ängstigenden Situationen wie Einkaufen oder Straßenbahnfahren konfrontiert. «Die Angst ist nach der Entlassung oft nicht kleiner», erläutert Hegerl.

Schwere Depressionen sollten dagegen besser so schnell wie möglich stationär behandelt werden. «Bei schweren Depressiven besteht eine relativ hohe Gefahr, dass sie suizidal handeln», sagt der Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Uni Leipzig. Das gelte insbesondere für Menschen mit wahnhaften Depressionen, die mit völlig übertriebenen Schuldgefühlen oder schwersten Ängsten vor Krankheiten oder Verarmung einhergehen. Auch bei manisch-depressiven Erkrankungen, bei denen Betroffene neben depressiven auch manische Phasen haben, empfehle sich ein Krankenhausaufenthalt. «Umschwünge können hier die Behandlung verkomplizieren», ergänzte er.

«Sinnvoll ist die stationäre Behandlung auch, wenn die Sache komplizierter ist, also zum Beispiel mehrere vorherige Behandlungsversuche nicht angeschlagen haben oder schwere körperliche Begleiterkrankungen vorliegen», erklärt Hegerl. So sei etwa bei Depressiven mit schweren Herzerkrankungen und einer Vielzahl von Medikamenten engmaschige Kontrolle etwa im Hinblick auf Wechselwirkungen der Arzneien wichtig.

Grundsätzlich haben Patienten zwar eine freie Arzt- und daher auch eine freie Klinikwahl. «Aber psychiatrische Kliniken sind häufig überfüllt», sagt der Mediziner. Betroffene bekämen daher oft nur einen Platz in dem Krankenhaus im Umkreis, das eine Aufnahmepflicht habe. Dort könne es sein, dass wegen Personalknappheit «ärztliche Gespräche nicht so intensiv stattfinden, wie es sinnvoll wäre». Bei ambulanten Behandlungen durch Psychiater, Nervenärzte oder Psychologische Psychotherapeuten bestehen Hegerl zufolge die gleichen Engpässe.

Depressionshilfe

Bamer-GEK-Report

Patienten kürzer, aber häufiger in der Klinik

Immer mehr Menschen in Deutschland kommen laut einer Studie mit psychischen Leiden wie Depressionen ins Krankenhaus. Im vergangenen Jahr waren 8,5 von 1000 Versicherten davon betroffen, wie eine Analyse der Krankenkasse Barmer GEK ergeben hat. Vor 20 Jahren waren es 3,7 von 1000 Versicherten gewesen. Die Zeit des stationären Aufenthalts wurde aber immer kürzer und verringerte sich binnen 20 Jahren von 45 auf 31 Tage. Unabhängig von der Erkrankung sind Patienten in Deutschland der Studie zufolge kürzer, aber häufiger in den Kliniken. Die Zahl der Krankenhausfälle je 1000 Versicherte stieg im vergangenen Jahr leicht auf 187 (Vorjahr: 186). Entlassen wurden Patienten im Schnitt nach 8,3 (Vorjahr: 8,5) Tagen.

news.de/dpa

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