Von Sandra Trauner - 04.04.2011, 12.57 Uhr

Untergewicht: Zu wenig Pfunde machen krank

Wer Nährstoffe schlecht verwertet, der leidet bisweilen unter Untergewicht. Zunehmen ist in solchen Fällen keine einfache Aufgabe. Doch Aufspecken ist nötig, sonst drohen Osteoporose und schlappe Muskeln.

Aufspecken statt Abspecken: Untergewicht kann der Gesundheit schaden. Bild: dpa

«Deine Probleme möchte ich haben!» Wer unter Untergewicht leidet, erntet eher Neid als Mitleid. Dabei ist gesund zunehmen genauso schwer wie gesund abnehmen, wissen Mediziner und Ernährungsexperten - vielleicht sogar schwerer. Die Ursachen sind komplexer, die Lösung ist weniger simpel. Betroffen sind in Deutschland schätzungsweise eine Million Menschen.

«Es würde nichts helfen, den Betroffenen zu sagen: Mach das Gegenteil von dem, was andere tun, um abzunehmen», sagt Kerstin Bernhardt, Ernährungsberaterin mit dem Schwerpunkt Mangelernährung. Beispiele: Iss viel Fettes und richtig Süßes. Und iss vor allem doppelt so viel. «Ein solcher Rat wäre nicht nur sehr ungesund, er wäre auch unnütz oder sogar schädlich», weiß die Ökotrophologin. Denn genau das ist das Problem der zu Dünnen: Sie wollen oder sie können nichts essen oder sie essen wie ein Scheunendrescher, aber es schlägt nicht an.

Die «schlechten Futterverwerter» aus dem Volksmund gibt es wirklich. Sie können essen, was sie wollen, ohne zuzunehmen. «Das ist vor allem eine genetische Veranlagung, die man nicht beeinflussen kann», weiß Susanne Nowitzki-Grimm, Autorin des Buches Mensch, bist Du dünn! Ein Programm für Leute, die gerne ein paar Kilo mehr auf die Waage bringen würden. Gute Futterverwerter deponieren die meiste Energie, die sie mit der Nahrung aufnehmen, als Fett im Körper. Schlechte Futterverwerter verpulvern diese Energie in Form von Wärme.

Auslöser Stoffwechselstörung

Das klingt nur für übergewichtige Menschen erstrebenswert. Medizinisch betrachtet ist das problematisch. «Untergewicht geht meist einher mit einer Unterversorgung an essenziellen Nährstoffen oder Spurenelementen», betonen die Autoren des Deutschen Ernährungsberatungs- und Informationsnetzes. Das begünstigt unter anderem die Entstehung von Osteoporose, beeinträchtigt die Muskelfunktion, erhöht die Anfälligkeit für Krankheiten, verschlechtert die Wundheilung.

Zugegeben, es ist ein Minderheitenproblem in einer Gesellschaft, in der Übergewicht permanent beklagt und bekämpft wird. 1,5 Prozent der Frauen und 0,4 Prozent der Männer sind laut Ernährungsbericht der Liebeskummer ist ein Klassiker. Der Magen ist wie eingeschnürt, die Nerven flattern, nach zwei Bissen ist man satt. Bald fehlen wichtige Nährstoffe, es kommt zu Mangelerscheinungen. Betroffene werden entweder antriebslos oder noch nervöser - auf jeden Fall essen sie noch weniger «und dann kommt man in so eine Schraube rein».

Was also tun, wenn die Hosen schlabbern und die Knochen rausstehen? Wenn die Leistungsfähigkeit ab- und die Gereiztheit zunimmt? Regelmäßig und häufig essen, so die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Empfehlenswert seien viel Milch, Käse, Joghurt und Sahne. Zudem sollten die Speisen mit Öl angereichert werden. Nüsse und frisch gepresste Obstsäfte runden den Speiseplan ab.

Nach einem mehrmonatigen «Zunehmkurs», wie Susanne Nowitzki-Grimm ihn im schwäbischen Schorndorf anbietet, müssen Betroffene lange suchen. Dabei bewerben sich weit mehr Menschen für ihre Kurse als sie Plätze anbieten kann. Die Trainerin sagt ihren Teilnehmern das Gleiche, wie in Abnehmkursen zu hören ist: Sie müssen ihre Ernährungsgewohnheiten ändern. Läuft es gut, nehmen die Teilnehmer ein Kilo pro Monat zu. «Und dann kriegen sie eine Grippe und das Gewicht ist wieder weg.»

ham/sca/zij/reu/news.de/dpa

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