Von news.de-Redakteurin Fabienne Rzitki - 02.03.2011, 10.10 Uhr

Schwindel: Das Karussell im Kopf

Die Welt scheint aus den Fugen zu geraten, der Boden wankt, die Bilder vor den Augen verschwimmen - Schwindel kommt plötzlich oder allmählich. Nicht immer ist die Achterbahn im Kopf harmlos. News.de klärt auf und verrät, was hilft.

Schwindel kommt plötzlich oder allmählich. Verschiedene Krankheiten können das Gefühl des Schwankens und Wankens auslösen. Bild: dak/ Wigger

Was ist Schwindel?

Schwindel - Vertigo genannt - beschreibt einen Zustand, bei dem sich alles zu drehen oder zu schwanken scheint. Er ist ein Alarmsignal des Körpers, wenn etwas mit dem Gleichgewichtssystem nicht stimmt. Dieses koordiniert mit anderen Systemen - den Muskeln und Gelenken, den Augen und dem Gleichgewichtsorgan im Innenohr - die Stabilität des Körpers in allen drei Raumebenen. «Sobald irgendetwas in diesem Gleichgewichtssystem nicht richtig funktioniert, wird das Gefühl Schwindel erzeugt. Das Alarmsystem geht an und soll uns helfen, nicht zu stürzen und uns zu verletzen», erklärt Dr. Jan Löhler, Facharzt für HNO-Heilkunde.

Weitere Gründe für Schwindel können zu hoher oder niedriger Blutdruck, Wachstumsschübe oder Fehlstellungen des Kiefers sein. In einigen Fällen deutet ein Schwindel auf Herz-Kreislauf-Beschwerden, Erkrankungen der Wirbelsäule oder des Auges hin. Panikattacken, Blutarmut, flache Atmung oder übermäßiger Alkoholkonsum sind weitere Ursachen. Schwindel ist demnach keine Krankheit, sondern ein Symptom vieler Krankheiten. Je nach Ursache und Auftreten gibt es verschiedene Arten.

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«Den Drehschwindel kann man mit einer Fahrt auf dem Karussell vergleichen. Bei einem Schwankschwindel fühlt man sich wie leicht angetrunken oder auf einem Schiff. Wer das Gefühl hat, der Boden sackt weg, leidet unter dem sogenannten Liftschwindel», beschreibt Löhler.

Schwindel - egal welcher Art - kann von kurzer oder langer Dauer sein. «Je länger der Schwindel andauert, desto eher handelt es sich um einen Schwankschwindel, der mit einem Gefühl von Unsicherheit einhergeht», sagt der Arzt. Drehschwindel sei eher kurzfristiger und seltener dauerhafter Natur. «Er weist am ehesten auf eine Schädigung des Innenohrs hin. Einen Schwankschwindel schließt das nicht aus», so Löhler.

Der Facharzt schätzt, dass die meisten Beschwerden im Jugendalter sowie im fortgeschrittenen Alter auftreten. Ältere Menschen hätten mit Schwindel aufgrund von Durchblutungsstörungen sowie dem Verschleiß der Sinnesorgane zu kämpfen. Welcher Schwindel am häufigsten auftritt, könne man pauschal nicht sagen.

Das hilft

Wer an Schwindel leidet, sollte ruckartige Bewegungen vermeiden. Löhler rät: «Der Betroffene sollte auf jeden Fall eine Körperposition einnehmen, bei der ihm nichts passieren kann - sitzend oder liegend. Oft hilft es, die Augen zu schließen oder sich auf einen fernen Punkt zu konzentrieren.»

Auch wenn der Betroffene meint, die Situation einschätzen zu können, sollte er nicht mit Schwindel ins Auto steigen, Fahrrad fahren oder eine Leiter benutzen. Ein Schwindel, der nur kurz anhält und nicht wiederkehrt, muss nicht notwendigerweise medizinisch abgeklärt werden. Taucht er dagegen öfter auf oder ist akut anhaltend, muss ärztliche Hilfe geholt werden. «Man sollte nicht erst zwei Tage im Bett liegen und abwarten», rät Löhler.

Der Arzt kann in der Akutbehandlung Medikamente verabreichen, damit der Schwindel und die damit oft verbundene Übelkeit nachlassen. In einigen Fällen sind Infusionen notwendig, etwa wenn sich der Patient stark erbricht. Je nach Ursache beziehungsweise Grunderkrankung sind weitere Behandlungen notwendig.

Von alternativen Behandlungsmöglichkeiten als Akuthilfe hält der Mediziner wenig: «Akupressur ist eine Methode, auf die viele Leute schwören, genauso wie die Akupunktur oder Homöopathie. Wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit gibt es aber nicht.»

Wenn alle ernsthaften Krankheiten ausgeschlossen sind, der Schwindel jedoch weiter besteht, kann ein Schwindeltraining helfen. Gleichgewichtsübungen bringen das System dann wieder ins Lot.

Lesen Sie hier weitere Tipps, wie Sie kleinere gesundheitliche Probleme auch ohne Arzt bewältigen.

som/zij/reu/news.de

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