22.01.2010, 16.43 Uhr

Heilsame Puste: Langsam atmen gegen den Schmerz

Schmerz lässt sich tatsächlich wegatmen. Eine Studie amerikanischer Forscher bestätigt: Langsames Atmen verringert die Schmerzempfindung.

Viele Menschen atmen nicht richtig. Dabei ist tiefes Durchatmen wichtig. Es sorgt für die ausreichende Sauerstoffversorgung des Körpers - und auch dafür, dass Schmerzen verschwinden. Bild: dpa

Zumindest bei gesunden Frauen hat eine verlangsamte Atmung diese Wirkung, dass die Schmerzempfindung verringert wird, berichten die Mediziner im Fachblatt Pain. Ohne Weiteres für jeden scheint sich die Methode allerdings nicht zu eignen. So zeigte sich, dass Patientinnen mit Fibromyalgie, einer schweren chronischen Schmerzerkrankung, die häufig mit depressiven Stimmungen einher geht, nicht immer auf das langsame Atmen ansprachen. Es half nur denjenigen erkrankten Probandinnen, die eine positive Einstellung mitbrachten.

«Dies passt zu der Idee, dass Fibromyalgie-Patienten im Allgemeinen geringe positive Emotionen oder Energiereserven haben», erläutert Arthur (Bud) Craig vom Atkinson Research Laboratory am Barrow Neurological Institute in Phoenix. «Diejenigen, die noch ein wenig positive Energie in ihrer mentalen Batterie übrig haben, können diese genau wie Gesunde nutzen, um Schmerz zu reduzieren, indem sie langsam atmen.»

Die Forscher hatten für ihre Untersuchung Frauen im Alter zwischen 45 und 65 einem Schmerzexperiment unterzogen. 27 der Probandinnen litten unter Fibromyalgie, 25 waren gesunde Frauen, die als Kontrollgruppe dienten. Die Freiwilligen mussten auf ihrer Handfläche Hitzepulse aushalten, die einen geringen oder moderaten Schmerz verursachten. Dabei sollten sie einmal ganz normal atmen und einmal ihre Atemrate um die Hälfte reduzieren. Hach jedem Hitzepuls fragten die Forscher, wie stark der Schmerz und wie unangenehm er war, nach jedem Versuchsabschnitt außerdem danach, wie es um die Gemütsbewegung der Teilnehmerinnen bestellt war.

Bei gesunden Frauen, die langsamer atmeten, beobachteten Craig und seine Kollegen eine deutliche Reduktion von Schmerzstärke und unangenehmem Empfinden. Bei den Schmerzpatientinnen konnten sie diesen schmerzlindernden Effekt nur feststellen, wenn die Frauen nicht von negativen Stimmungen wie Traurigkeit oder Depressionen, sondern von einer positiven Gemütslage beherrscht wurden.

«Diese experimentellen Ergebnisse stützen frühere Berichte über den Nutzen von Yoga-Atmung und Zen-Meditation gegen Schmerzen und depressive Stimmungen», schreiben die Wissenschaftler. «Patienten mit chronischen Schmerzen könnten allerdings mehr Anleitung benötigen, um den therapeutischen Effekt einer reduzierten Atemrate zu erlangen.»

car/ivb/news.de/wsa

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