Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen - 20.10.2009, 05.54 Uhr

Osteoporose: Dem Knochenschwund davonlaufen

Das beste Mittel gegen Knochenschwund ist Vorbeugung: viel Bewegung und eine kalziumreiche Ernährung. «Steh auf – und tue etwas für deine Knochen» lautet denn auch das Motto des Welt-Osteoporose-Tages.

Regelmäßige Bewegung hilft, um Knochenschwund vorzubeugen. Bild: ddp

Osteoporose - was ist das?

Osteoporose - gemeinhin als Knochenschwund bezeichnet - ist eine Stoffwechselerkrankung des Knochens. Bei Osteoporose-Patienten wird entweder zu wenig Knochen gebildet oder der Knochen mit zunehmenden Alter vermehrt abgebaut. Dieser Substanzverlust schwächt die Knochen, sie sind im Vergleich zu Knochen gesunder Menschen weniger belastbar und daher auch anfälliger für Brüche. Osteoporose-Patienten werden schneller pflegebedürftig und haben eine geringere Lebenserwartung.

Wie viele Menschen sind betroffen?

Die Weltgesundheitsorganisation WHO zählt die Osteoporose zu den wichtigsten Erkrankungen. Die Zahl der Betroffenen wird sich in den nächsten 20 Jahren verdoppeln. Experten schätzen, dass in Deutschland derzeit etwa acht Millionen Menschen an Osteoporose erkrankt sind. Die Gründe für die steigenden Zahlen sind neben einer immer höheren Lebenserwartung auch Gewohnheiten, die nicht unbedingt einem gesunden, knochenstärkenden Lebensstil entsprechen.

FOTOS: Osteoporose vorbeugen Kommen Sie in die Gänge!

Ist Knochenschwund eine Alters-Erkrankung?

«Viele Menschen halten Knochenschwund auch heute noch für eine unvermeidbare Folge des Alterns oder ein typisches Menopausen-Syndrom», sagt Professor Dieter Felsenberg, Gründer und Leiter des Zentrums für Muskel- und Knochenforschung am Universitätsklinikum Benjamin Franklin der Freien Universität Berlin. «Doch Knochenschwund ist eine ernst zu nehmende und komplizierte Stoffwechsel-Erkrankung des Knochens, die nicht nur Frauen und ältere Menschen trifft.»

Was verursacht den Knochenschwund?

Zur Entstehung der Osteoporose tragen verschiedene Risikofaktoren bei: eine genetische Veranlagung, mangelnde körperliche Aktivität sowie mangelhafte Versorgung mit Kalzium und Vitamin D. Ein wichtiger Risikofaktor, so Felsenberg, ist das Geschlecht: Frauen sind einem vierfach höheren Risiko, Osteoporose zu bekommen, ausgesetzt als Männer. Der Grund: Frauen haben generell leichtere und dünnere Knochen. Außerdem tritt bei Frauen zum Zeitpunkt der Wechseljahre ein Abfall der Östrogenproduktion ein, der das Risiko einer Erkrankung erhöht. Chronischer Bewegungsmangel, Untergewicht, Rauchen oder Alkoholkonsum sowie die regelmäßige Einnahme bestimmter Medikamente, wie zum Beispiel Kortison, verstärken ebenfalls das Risiko einer Erkrankung.

Welche Symptome deuten auf Osteoporose hin?

«Der schleichende Knochenabbau löst zunächst keine Beschwerden aus», sagt Dr. Felsenberg. Gelegentlich zeigt er sich in Form von Rückenschmerzen, die jedoch nur selten mit der Krankheit in Verbindung gebracht werden. So wird Knochenschwund meistens erst in seinem Endstadium erkannt: dann, wenn große Anteile der Knochensubstanz verloren sind und es zum Bruch kommt. «Der erste Bruch ist oftmals Auslöser für eine Kaskade Konsequenzen reicher Folgebrüche», Felsenberg.

Warnzeichen können sein: akuter Rückenschmerzen (er wird verursacht durch Einbruch oder Bruch eines Wirbelkörpers), Größenabnahme (das Zusammenbrechen der Wirbelkörper führt zu einer Abnahme der Körpergröße), Tannenbaumphänomen (der Größenverlust der Wirbelsäule führt zu charakteristischen Hautfalten vom Rücken zu den Flanken), Osteoporose-Bäuchlein (aufgrund der verkürzten Wirbelsäule wölbt sich der Bauch nach vorne), Witwenbuckel (der keilförmige Einbruch der Brustwirbel führt zum typischen Rundrücken, der gemeinhin als Witwen- oder Witwerbuckel bezeichnet wird).

Wie kann man Knochenschwund frühzeitig erkennen?

«Der einzige Weg, Knochenschwund frühzeitig zu erkennen, ist die Knochendichtemessung», sagt Felsenberg. Über sie bestimmt der Arzt den Knochenzustand in verschiedenen Bereichen des Skeletts und prüft das bestehende Bruchrisiko. Die Untersuchung ist einfach und schmerzlos, kann schnell durchgeführt werden und ist im Vergleich zu Röntgenaufnahmen sehr strahlungsarm. «Auch wenn sie nicht zu den Standardleistungen der Krankenkassen gehört, wird sie von Ärzten Menschen mit einem oder mehreren Risikofaktoren für Knochenschwund dringend empfohlen», sagt der Mediziner.

Was kann man zur Vorbeugung tun und wann sollte man damit anfangen?

«Vorbeugung beginnt bereits in jungen Jahren, denn schon in dieser Zeit kann der Grundstein für eine spätere Erkrankung gelegt werden», betont Felsenberg. «Gerade bei jungen Menschen spielen eine ausreichende Kalziumzufuhr, genügende Versorgung des Körpers mit Vitamin D und regelmäßige Bewegung eine wichtige Rolle, um ein Optimum an Knochenmasse aufzubauen.»

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt ein tägliche Aufnahme von 1000 Milligramm Vitamin D für Erwachsene. Diese Menge wird erreicht, wenn man beispielsweise täglich 150 Milliliter fettarme Milch, 150 Gramm Joghurt, zwei Scheiben Käse, 200 Gramm Brokkoli und einen halben Liter kalziumreiches Mineralwasser isst beziehungsweise trinkt. Körperliche Bewegung wirkt insofern unterstützend, als dass sie den Knochenstoffwechsel anregt und als Folge davon vermehrt Kalzium in die Knochen eingebaut wird. Die Knochen werden stabiler. Außerdem wird dadurch die Muskulatur gestärkt.

Was sollte man vermeiden?

Osteoporose-fördernd wirken Alkohol, Nikotin und in gewissem Maße auch Koffein und phospatreiche Narhungsmittel wie Cola, Süßigkeiten und Fast Food. «Nicht umsonst werden sie im Volksmund als Kalziumräuber bezeichnet», erklärt Felsenberg: «Diese knochenschädlichen Stoffe entziehen dem gesamten Organismus und vor allem der Knochensubstanz Kalzium, das über die Nieren ausgeschwemmt wird. Wird dem menschlichen Skelett dauerhaft Kalzium abgezogen, ohne dass der Kalziumvorrat des Körpers aufgestockt wird, fehlt den Knochen der entscheidende Mineralstoff, der ihnen Festigkeit verleiht.»


Am Welt-Osteoporose-Tag, 20. Oktober, bieten die deutschen Patientenorganisationen von 14 bis 20 Uhr kostenlose telefonische Beratung an. In dieser Zeit stehen über 20 Experten unter der Rufnummer 0800 - 0112 112 zu Diagnostik und Therapie, unter 0800 - 0112 113 zu Ernährung und Bewegung, unter 0800 - 0112 114 über Angebote der Selbsthilfe und unter 0800 - 0112 115 zu Rehabilitationsmöglichkeiten Rede und Antwort. Weitere Informationen: www.osteoporose-dop.org.

mac/news.de

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