Von Caroline Bock - 28.10.2009, 10.31 Uhr

Der Ost-Mann: Besser im Bett oder nur ein netter Kerl?

Angeblich ist er verständnisvoll, einfühlsam und ein toller Liebhaber: der Mann aus dem Osten. Doch die Wissenschaft tut sich schwer, das zu belegen. Fakt ist: Sex im Osten ist vielleicht nicht besser, aber öfter.

Kai Pflaume: Glaubt man dem Klischee, ist dieser Mann ein guter Liebhaber. Und er hat ein Messer dabei. Bild: ddp

Manchmal ist es mit der Statistik so eine Sache. Der Sex soll im Osten besser gewesen sein, heißt es. Aber wie könnte man das mit Zahlen belegen? Auch der angeblich mit besonderen erotischen Fähigkeiten ausgestattete, gefühlvolle und kinderliebe Ost-Mann fällt in die Kategorie von schwer zu untersuchenden Klischees, die noch 20 Jahre nach dem Mauerfall kursieren.

Das ZDF schickte diesen Sommer in einer Dokusoap zehn Rheinländerinnen zur Partnersuche nach Schwerin. Die Frauen fanden dort zwar nicht die große Liebe, wohl aber nette Kerle und neue Freunde.

Was ist dran am Ost-Mann?

«Was ich immer gehört habe oder immer noch höre, ist, dass der Ost-Mann mehr auf die Wünsche der Partnerin eingeht», sagt Fernsehmoderatorin Erika Berger (Eine Chance für die Liebe). Ob er auch noch tatsächlich potenter ist als ein West-Mann, wagt sie zu bezweifeln. Nach dem Mauerfall hatte Berger in ihrer Sendung Der flotte Dreier mehrere Paare aus der DDR zu Gast, die freimütig erzählten, dass Gruppensex kein Tabu gewesen sei und dass es auch keine Eifersuchtsdramen gegeben habe. Die Aussage sei immer sehr ähnlich gewesen: «Wir hatten ja sonst nichts, was Spaß gemacht hat.»

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Während früher allerlei Berichte über Sex in Ost und West zu lesen waren, scheint die Herkunft heute in der Wissenschaft und in Umfragen keine große Rolle mehr zu spielen. Die letzten Zahlen aus der Studie des Kondomherstellers Durex, die etwas über die Mauer in den Betten aussagen könnten, gehen ins Jahr 2006 zurück. Demnach kommt der Osten im Schnitt auf 112,8 «Sexakte» im Jahr, der Westen auf 102,4. Bei solchen Umfragen wird aber traditionell viel geprotzt, was für beide Teile Deutschlands gelten dürfte.

Der Kulturwissenschaftler Dietrich Mühlberg von der Berliner Humboldt-Universität findet, vor allgemeinen Aussagen über Ost-West- Partnerschaften sollte man sich hüten. Bei Bindungen geht es aus seiner Sicht eher um Milieus, Generationen, das Umfeld und die soziale Perspektive.

Die eigene Familiengeschichte bestimmt, ob wir uns einem dominanten Partner anvertrauen wollen oder uns an ihm abzuarbeiten gedenken, sagt der Professor. «Es hängt also von vielen Faktoren ab, wann und mit welcher Absicht eine im Westen sozialisierte Frau auf den Einfall kommt, es mit einem Mann aus dem Osten zu versuchen.»

Die Blumen am Wegesrand

Sachbuchautorin Martina Rellin (Klar bin ich eine Ost-Frau!) hat beobachtet, dass die DDR-Gesellschaft lockerer und entspannter war, was Erotik angeht. «Es ist auch heute noch so.» Selbst wenn sie angesichts der Geschlechterklischees skeptisch ist, hat sie beim Typus Ost-Mann beobachtet, dass dieser «im Zweifelsfalle lebenspraktischer» ist - also ein Mann ist, der ein Taschenmesser dabei hat, um am Wegesrand Blumen zu schneiden.

Und während der Westler traurig am See steht, wenn er Badehose und Handtuch nicht dabei hat, hält es der Ostler so: «Mensch, lass uns nackt reinspringen, wir können uns mit der Jacke abtrocknen.» Einen Trost hat Rellin aber parat: Dieser Typus Mann ist auch im Westen zu finden.

Und was sagt der Ost-Mann selbst? Der in Cottbus geborene Schauspieler Uwe Kockisch (65, Donna Leon) hat «keine Ahnung, was das sein soll», dieser Ost-Mann. Er finde solche Klischees ohnehin «langweilig und denkfaul». Neben dem Ost-Mann gebe es dann wohl auch den West-Mann, den Nord- und Süd-Mann und den Windrosen-Mann. «Man muss es mit Humor nehmen.»

mik/bjm/reu/news.de/dpa

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