Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen - 06.07.2009, 19.18 Uhr

Tag des Kusses: Warum Speichel so gesund ist

Der 6. Juli ist der Internationale Tag des Kusses. Ein netter Anlass, sich dieser ganz besonderen zwischenmenschlichen Betätigung ein bisschen mehr als sonst zu widmen – und ausgiebig zu küssen. Denn Küssen macht nicht nur Spaß, es ist auch gesund.

Gibt es eine schönere Sympathiebezeugung aus der Kuss? Zumal er noch dazu sehr gesund ist. Bild: ddp

«Ein Kuss ist ein reizender Trick der Natur, den Redefluss zu beenden, wenn Worte überflüssig werden.» So hat die schwedische Schauspielerin Ingrid Bergman einmal den Kuss definiert. Und Fernsehmoderator Robert Lembke sagte: «Ein Kuss ist eine Anfrage im ersten Stock, ob das Parterre frei ist.»

Letzteres wird durch eine Studie amerikanischer Verhaltenspsychologen bestätigt. Demnach küssen Männer, um die Wahrscheinlichkeit für Sex zu steigern. Für Frauen ist Küssen dagegen ein entscheidender Mechanismus der Bindung an den Partner; sie erachten Küsse als grundsätzlich wichtig für eine Beziehung.

Über den Ursprung des Kusses gibt es unterschiedliche Theorien. Laut Psychoanalytiker Sigmund Freud entwickelte sich das Küssen aus der Mutter-Kind-Beziehung. Beim Küssen trachte man unbewusst danach, das Gefühl des Saugens an der Mutterbrust zu wiederholen, lautet seine These. Verhaltensforscher Irenäus Eibl-Eibesfeldt sagt dagegen, das Küssen habe sich aus der Mund-zu-Mund-Fütterung entwickelt, die im Tierreich und auch bei einigen Völkern – zum Beispiel bei den Himbas in Afrika - verbreitet ist.

Andere Kusstheoretiker, wie etwa Kulturhistorikerin Ingelore Ebberfeld, sind davon überzeugt, dass das Küssen ursprünglich in der Sexualität verwurzelt ist. Sie sucht den Ursprung des Kusses im sexuellen Verhalten von Säugetieren. Auch die säugen und füttern ihren Nachwuchs liebevoll, aber sie küssen sich nicht als ausgewachsene Tiere. Stattdessen schnüffeln sie am Anal- und Genitalbereich ihrer Artgenossen, zum Beispiel bei der Begrüßung und bei der Partnerwahl. Der Geruch dieser Region ist für sie entscheidend.

Die Parallele zum Kuss drängt sich hier auf – auch Menschen beschnüffeln sich küssend, etwa bei Begrüßungen, aber auch als intimes Paar. Das geschieht vor allem dann oft und gerne, wenn sie den Geruch des anderen mögen. Dabei spielen Duftstoffe eine Rolle, die die Haut ausscheidet und die bewusst oder unbewusst vom Gegenüber wahrgenommen werden. Auch wenn es für einige recht unappetitlich klingen mag: Das Analschnüffeln könnte der Ursprung des Küssens sein - und der Kuss ist so etwas wie eine Art Test, ob die richtige Partnerwahl getroffen wurde. Die Anthropologin Helen Fisher glaubt dies.

Viele Beziehungen würden mit dem ersten Kuss – mit dem chemischen Cocktail, den man damit zu sich nimmt – enden, meint Fisher. Auf einer anderen Ebene könnte ein Kuss auch Dopamin freisetzen, was eine junge Liebe, die mit Neuem konfrontiert ist, festigt. Und dann könnte Küssen überhaupt bestehende Beziehungen binden, zumindest solange, bis Kinder da sind.

Fisher sagt auch, dass Männer mit einem Kuss über chemische Signale im Speichel feststellen, ob eine Frau gerade schwanger werden kann. Und dass sie mit einem Kuss Testosteron übertragen, um die Partnerinnen sexuell empfänglicher zu machen. Weibliche Küsse besitzen dagegen mehr Oxytocin. Das «Kuschelhormon» fördert die emotionale Beziehung.

Fest steht, dass Küssen eine sehr gesunde Angelegenheit ist. Auch wenn beim Zungenkuss bis zu einem Schnapsglas voll Speichel unter den Küssenden getauscht wird und Krankheiten wie das Pfeiffer-Drüsenfieber (die Kusskrankheit), Herpes und Hepatitis B übertragen werden können: Ein intensiver Zungenkuss ist also eine Art Schluckimpfung. Er weckt die körpereigenen Abwehrkräfte. Denn durch den wechselseitigen Austausch von Bakterien werden die Abwehrzellen im Blut mobilisiert, um gegen die Fremdkörper anzugehen.

Medizinjournalist Hademar Bankhofer behauptet: «Wer oft küsst und geküsst wird, lebt länger und hat bessere gesundheitliche Werte.» Denn beim Küssen steigt der Herzschlag bei Männern auf 110 Schläge pro Minute, bei der Frau auf 108. Das bringt den Kreislauf in Schwung und fördert die Durchblutung, sagt Bankhofer. Außerdem sei ein Kuss das beste Training für die Lunge: Statt normaler 20 Atemzüge pro Minute sind es während des Kusses und gleich danach bis zu 60 Atemzüge.

Aber das ist noch nicht alles: Denn Küssen ist auch eine Superwaffe gegen Stress. «Es bekämpft depressive Zustände, Ängste und Frustrationen», zählt Bankhofer auf. Sobald Lippen und Zungen zueinander gefunden hätten, sondere die Bauchspeicheldrüse verstärkt Insulin ab, und die Nebenniere schütte das Hormon Adrelanin aus. Neuropeptide würden frei gesetzt, die das Stresshormon Kortisol bekämpfen. Dadurch fühle man sich super und befreit von negativen Gedanken.

Bei einem intensiven Zungenkuss werden insgesamt 38 Muskel im Gesicht, im Mund und am Kiefer aktiviert. «Dadurch können durch häufiges Küssen Falten geglättet und die Faltenbildung verhindert werden. Damit wird der Kuss auch zum Schönheitsmittel», folgert der österreichische Gesundheitsexperte. Und noch etwas spricht für das Küssen: Bei einem Kuss von zwei Minuten werden 15 Kalorien verbraucht - ein Beitrag zum Abspecken, wenn man oft und lange genug küsst, sagt Bankhofer.

Das sollte doch so manchen Kuss-Muffel überzeugen. Man muss ja nicht gleich einen neuen Weltrekord aufstellen. Der liegt derzeit bei 32 Stunden, 7 Minuten und 14 Sekunden und wird seit Februar 2009 von einem Paar aus Hamburg gehalten.

voc

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