Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen - 08.01.2009, 11.18 Uhr

Mythen und Märchen: Die Wahrheit über Alkohol

TV-Werbeverbot vor 20 Uhr, Senkung der Promillegrenze - um Alkohol wird in Politik und Wirtschaft derzeit wieder heftig gestritten. Um die Droge ranken sich viele Mythen und Märchen. News.de hat sie unter die Lupe genommen und verrät, was stimmt und was nicht.

Ein Schnäpschen ist gut für die Verdauung, heißt es. Doch wer das glaubt, liegt falsch. Bild: dpa

Schnaps hilft bei der Verdauung: Das stimmt nicht. Die beliebten «Verdauungsschnäpse» nach einer Mahlzeit verdünnen nicht das fette Essen, sondern die Säuren im Magen, die das Fett zerlegen sollen. Auf diese Weise braucht die Verdauung viel länger, um die Fette der Mahlzeit abzubauen. Außerdem schädigt hochprozentiger Alkohol die Magenschleimhaut. Auch Kräuterschnäpse helfen nicht, obwohl Kräuter an sich die Verdauung ankurbeln. Der Alkohol hebt jedoch deren Wirkung wieder auf. Wer sich nach dem fettigen Festtagsbraten wieder besser fühlen will, sollte zu Pfefferminztee oder Kamillentee greifen.

Wer viel und fettig isst, verträgt mehr Alkohol: Auch das ist falsch. Eine üppige Mahlzeit bewirkt lediglich, dass Alkohol nicht so rasch ins Blut gelangt und man nicht so schnell betrunken wird. Das bedeutet aber nicht, dass man mehr Alkohol verträgt.

Durcheinandertrinken macht schneller beschwipst: Das ist eine Schnapsidee. Denn beim Konsum von verschiedenen Alkoholsorten kommt es auf die Menge an, nicht auf die Reihenfolge, entlarvt Buchautor und Gesundheitsexperte Sven Siedenberg einen Mythos. Das Problem: Werden neben Bier oder Wein auch süße Liköre, Cocktails und kohlensäurehaltige Getränke wie Sekt oder Cola mit Rum konsumiert, schießen diese schnell ins Blut und fördern die Schwipsgefahr.

Alkohol macht aggressiv: Das passiert bei einigen, bei anderen nicht. US-Forscher haben einen Verdacht, warum das so ist: Alkohol macht nach einer Studie der University of Kentucky oftmals deswegen aggressiv, weil dieser Stoff das Kurzzeitgedächtnis beeinflusst. Wer alkoholisiert ist, bekommt demnach nur einen geringen Ausschnitt seiner Umgebung mit. Die Aufmerksamkeit verengt sich – und wer sich dann ärgert, kann sich so richtig in dieses Gefühl hineinsteigern. Deutsche Suchtexperten sagen, dass Alkohol enthemmt und Charakterzüge verstärkt.
Wer eh ein aufbrausender Mensch ist, bei dem kann sich das durch Alkoholgenuss noch verstärken. Wer jedoch durch Alkohol schnell ermüdet, der bleibt meist ruhig, egal wie cholerisch er sonst ist.

Lesen Sie auf Seite 2, warum Wein schläfrig macht

Wein ist gut für den Schlaf: Tatsächlich fanden Wissenschaftler geringe Mengen des Schlafhormons Melatonin in Weinsorten. Aber dennoch ist von Wein und anderen Alkoholika als Schlafmittel abzuraten. Denn Alkohol erleichtert zwar das Einschlafen, der Schlaf wird aber oberflächlicher. Man fühlt sich am nächsten Morgen gerädert und unausgeruht.

Alkohol macht schlau: Verschiedene Studien belegen tatsächlich, dass Menschen, die regelmäßig in geringen Mengen Alkohol trinken, pfiffiger sind. Eine Londoner Studie zum Beispiel hat ergeben, dass diejenigen, die ein Glas Wein pro Woche tranken, bei einem Intelligenztest besser abschnitten als Abstinenzler. Noch besser schnitten jedoch die ab, die eine halbe Flasche Wein oder rund einen Liter Bier täglich tranken. Daraus lässt sich allerdings nicht einfach schließen, dass Wein schlau macht. Die Wissenschaftler weisen vielmehr darauf hin, dass Alkohol den Blutfluss zum Gehirn erhöht. Daraus resultiert offenbar auch eine verbesserte Denkfähigkeit.

Alkohol zerstört Gehirnzellen: Das stimmt, vor allem wenn man größere Mengen trinkt. Experten sagen, dass pro Rausch schätzungsweise 20.000 bis 30.000 Gehirnzellen verloren. Zusätzlich stört Alkohol die Kommunikation zwischen den Nervenzellen, was sich negativ auf Konzentration und Gedächtnis auswirkt. Allerdings gibt es auch eine Studie, die belegt, dass täglicher geringer Alkoholkonsum zumindest bei älteren Frauen die geistige Fitness erhalten kann.

Rotwein schützt das Herz: Nicht der Rotwein, sondern die darin enthaltenen Flavonoide haben eine schützende Wirkung auf die Gefäße und damit auch das Herz. Ein bis zwei Gläser pro Tag sind zwar unschädlich, eine lebensverlängernde Wirkung ist aber nicht aber bisher nicht nachgewiesen. Zudem sind Flavonoide auch in Tee oder Traubensaft enthalten. Experten warnen vor dem Gewöhnungseffekt und der Gefahr, abhängig zu werden. Sie empfehlen daher zwei alkoholfreie Tage pro Woche.

Lesen Sie auf Seite 3, warum Männer mehr trinken können als Frauen

Frauen vertragen weniger Alkohol: Das ist tatsächlich so - weil Frauenkörper aus mehr Fett und weniger Wasser bestehen als Männerkörper. Alkohol löst sich in Wasser jedoch besser als in Fett. Trinken Frauen die gleiche Menge wie Männer, bleibt ihr Alkoholspiegel im Blut höher. Hinzu kommt, dass der Stoffwechsel von Frauen Alkohol schlechter verarbeitet. Frauen sollten daher nicht mehr als zehn bis zwölf Gramm reinen Alkohol pro Tag trinken, empfiehlt das Robert-Koch-Institut. Das entspricht einem 0,3 l-Glas Bier. Männer vertragen etwa das Doppelte.

Alkohol verursacht Krebs: Tatsächlich gilt es als gesichert, dass Alkoholkonsum das Risiko für bestimmte Krebsarten erhöht. Dazu gehören unter anderem Mund-, Rachen- und Speiseröhrenkrebs. Studien zeigen zwar, dass bestimmte Inhaltsstoffe in Bier und Wein die Tumorbildung hemmen. Dies ist bisher allerdings nur im Tierversuch nachgewiesen.

Vitamin C hilft gegen den Kater: Nein. Den Alkoholabbau kann man ohnehin nicht beschleunigen - aber die Symptome lindern. Am besten helfen vorbeugende Maßnahmen: Zwischen den Drinks sollte man genügend Wasser trinken, denn Alkohol entzieht dem Körper Wasser. Auch Nährstoffe gehen verloren, also hilft salziges oder nährstoffreiches Essen, den Kater zu lindern. Und schließlich ist auch Aspirin gegen den Brummschädel wirksam.

Schwangere und stillende Frauen dürfen sich ab und an ein Gläschen Wein genehmigen: Besser nicht. Denn Alkohol gelangt über die Nabelschnur in den Blutkreislauf des ungeborenen Kindes und wird beim Stillen vom Baby über die Muttermilch aufgenommen. Beides kann der Entwicklung des Kindes schaden.

Der Bierbauch kommt vom Bier: Nein, zumindest nicht vom Bier allein. Dass Männer eher am Bauch zunehmen, ist genetisch programmiert. Bei Frauen wandert der Speck eher auf die Hüften. Die Fettpolster kommen dabei von allem, was dick macht: Fett, Zucker und auch Alkohol.

Wer trinkt, schnarcht: Das stimmt. Alkohol entspannt in der Tat die Muskeln im Gaumenbereich. Deshalb beginnen viele Menschen in der Nacht zu schnarchen, wenn sie am Abend zu viel Alkohol getrunken haben.

Lesetipps: Sven Siedenberg: Zahnweiß macht die Zähne dunkel... und 77 weitere verblüffende Wahrheiten über Gesundheit, Ernährung und Fitness. Knaur, 176 Seiten, 9,95 Euro, Oktober 2007.

Sven-David Müller, Michael Vogt, Doreen Nothmann: Moderne Ernährungsmärchen. Schlütersche Verlagsgesellschaft, 160 Seiten, 12,90 Euro, 2. Auflage 2006.

 

 

 

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