Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen - 06.01.2009, 07.28 Uhr

Weihrauch und Myrrhe: Die Wundermittel der drei Weisen

Was die drei Weisen aus dem Morgenland - Caspar, Melchior und Balthasar - dem neugeborenen Jesus mitbrachten, ist immer noch kostbar – vor allem aus medizinischer Sicht. News.de erklärt, welchen Nutzen Gold, Weihrauch und Myrrhe für die Gesundheit haben.

Die drei Weisen aus dem Morgenland brachten Jesus gesundheitsfördernde Geschenke mit: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Bild: dpa

In der Weihnachtsgeschichte tragen die Weisen aus dem Morgenland, denen am heutigen Tag der Heiligen Drei Könige gedacht wird, Gold, Weihrauch und Myrrhe als Geschenke bei sich. Die kostbaren Präsente wurden in späteren Zeiten als wertvolle Heilmittel angesehen, und trotz der Verbreitung der modernen Medizin sind die gesundheitsfördernden Eigenschaften der Stoffe nicht in Vergessenheit geraten.

So ist Gold eines der ältesten Medikamente in der Geschichte der Menschheit. Schon vor 2000 Jahren galt Alchimisten das «Metall des Lichts» (Aurum metallicum) als Allheilmittel. Wunderheiler, Scharlatane und Ärzte verwenden den Stoff seit Jahrtausenden und auch heute noch in der Zahnheilkunde, in der Rheumatherapie und vor allem in der Homöopathie etwa bei Depressionen, Angstzuständen und Erschöpfung.

Zur Selbstmedikation wird das «Danziger Goldwasser» - eine alte Rezeptur bestehend aus verschiedenen Gewürzen, Zucker, Alkohol und einer Spur von Blattgold - zur Stimmungsaufhellung an trüben Wintertagen empfohlen. Ende des 19. Jahrhunderts wurde Gold auch bei der Geschlechtskrankheit Syphilis und Tuberkulose verordnet.

Seit den 1920er Jahren werden Goldverbindungen als Basistherapie bei rheumatischen Erkrankungen verabreicht; das Edelmetall, das Patienten als Lösung gespritzt wird, verzögert die Gelenkzerstörung und lindert Gelenkschmerzen. Die Goldtherapie erfordert jedoch eine intensive ärztliche Überwachung, weil Nebenwirkungen wie allergische Hautreaktionen, Entzündungen der Mundschleimhaut, Blutbildveränderungen und Leberschäden bei den Patienten auftreten können. Außerdem zeigt sich der therapeutische Effekt erst nach Monaten.

Warum das mystische Metall tatsächlich heilen kann, haben Wissenschaftler erst kürzlich zweifelsfrei erklären können: In winzigen Dosen hat Gold einen regulierenden Einfluss auf das menschliche Immunsystem. Zu diesem Ergebnis kamen schwedische und amerikanische Forscher. Danach verhindern Goldsalze, dass aus dem Zellkern von Immunzellen ein Protein austritt, das Entzündungsreaktionen auslöst.

Lesen Sie auf Seite 2, welche medizinische Wirkung der Weihrauch hat

Auch Weihrauch galt schon in frühen Zeiten als kostbares Geschenk und als Therapeutikum. Dabei handelt es sich um das natürliche Harz (Olibanum) des Weihrauchstrauches, das aus der Rinde der Bäume gewonnen wird. Der austretende Pflanzensaft erstarrt an der Luft und bildet rot-gelbliche oder bräunliche Körner. Bei normaler Temperatur sind diese Körner fast geruchlos, beim Verbrennen entsteht jedoch ein stark aromatischer Duft, den viele von kirchlichen Feiertagen kennen.

Schon vor 7000 Jahren wurde den orientalischen Göttern Weihrauch geopfert. Auch die Ägypter verwendeten Weihrauch zum Einbalsamieren, als Räuchermittel und vor allem zu desinfizierenden Zwecken. Im Mittelalter kam es gegen Hämorrhoiden und bei Ohrleiden zum Einsatz. Aber auch gegen Erkältungskrankheiten und bei der Gedächtnisstärkung wurde das kostbare Gut eingesetzt. Und in der indischen Volksmedizin Ayurveda werden die Extrakte des Weihrauchharzes Olibanum seit Jahrtausenden gegen chronische Arthritis und chronische Bronchitis eingesetzt.

Die Wissenschaft interessiert sich neuerdings eher für die entzündungshemmende Wirkung der im Weihrauch enthaltenen Bosweliasäuren - etwa bei Rheuma, PolyarthrititisPolyarthrititis ist eine Erkrankung, bei der es zu Entzündungen in vielen Gelenken kommt. oder chronischen Darmleiden wie Morbus CrohnMorbus Crohn ist eine chronische, schubweise verlaufende Entzündung aller Schichten der Darmwand. und Colitis UlcerosaColitis ulcerosa ist eine chronische, schubweise verlaufende Entzündung des Dickdarms. .

Laboruntersuchungen der Universität Tübingen haben gezeigt, dass Weihrauch bei chronischen Entzündungen bestimmte Botenstoffe im Körper stoppt. Ob das Harz eine Alternative zum Cortison werden könnte, ist bislang allerdings noch nicht klinisch untersucht worden.

Lesen Sie auf Seite 3, warum Myrrhe dem griechischen Wein zu seinem typischen Geschmack verhilft

Myrrhe ist ebenfalls ein Harz und gehört zu den Weihrauchbaumgewächsen. Es wurde vor 3000 Jahren im alten Ägypten zur Einbalsamierung genutzt, galt in der Zeit vor Christus als Aphrodisiakum - Betten wurden vor dem Geschlechtsverkehr mit Myrrhe beträufelt - und tauchte im 15. Jahrhundert erstmalig auf der Apothekenliste des Kloster Andechs auf.

Aufgrund seiner desinfizierenden Wirkung verwenden griechische Winzer Myrrhe, um ihren bekannten Retsina-Geschmack zu erzeugen. Medizinisch eignet sie sich gut als Tinktur gegen AphthenAphthen sind entzündliche Veränderungen der Mundschleimhaut. , Zahnfleischentzündungen und Parodontose. Auch über die Anwendung bei Hauterkrankungen wie bei der Psoriasis (Schuppenflechte) gibt es positive Erfahrungsberichte. Gleiches gilt für Anwendungen bei Rheuma, Arthritis und entzündlichen Darmerkrankungen.

Die medizinische Wirkung erklärt sich folgendermaßen: Myrrhe hemmt die Leukotriene, körpereigene Botenstoffe, die Entzündungen vermitteln und aufrecht erhalten. Gleichzeitig wird auch die Zahl der weißen Blutkörperchen reduziert und damit die Synthese von Antikörpern gehemmt.

Gerade beim Effekt auf die Leukotriene ist aber eine ausreichend hohe Dosierung erforderlich, um nicht einen gegenteiligen Effekt auszulösen. In Deutschland sind hierfür rezeptfreie Dragees zugelassen, die neben Myrrhenharz zum Beispiel die gasbindende Kaffeekohle und die krampflösende Kamille enthalten. Sie sollten aber auf keinen Fall von Schwangeren, Stillenden und Niereninsuffizienten eingenommen werden.

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