Uhr

Geheimrezept Hollywood: Was macht einen Film zum Blockbuster?

Von allen veröffentlichten Filmen darf sich nur ein Bruchteil Blockbuster nennen. Doch wie sieht das Rezept aus, um einen solchen Streifen zu kreieren?

unsplash.com © John Ruddock Bild: unsplash.com © John Ruddock

Die amerikanische Filmindustrie, vertreten durch Hollywood, veröffentlicht alljährlich rund 700 Filme – auch wenn Corona durch die weltweiten Kino-Schließungen viele Veröffentlichungen pausieren ließ, sodass aktuell ein ziemlicher Stau überfälliger Premieren herrscht. Doch von diesen 700 Streifen hat nur ein verschwindend geringer Bruchteil die Chance, wirklich zu einem Blockbuster zu werden, der seine Produktionskosten locker wieder einspielt (vielleicht sogar schon am Eröffnungswochenende), wahre Heerscharen an die Kinokassen zieht – und vielleicht auch bei den Oscars und anderen Awards kräftig Preise einheimst.

Doch in Anbetracht der Tatsache, dass, angefangen bei den Studios und Investoren, jeder Produktionsbeteiligte immer einen erfolgreichen Film produzieren will, muss es eine Art Geheimrezept dafür geben, dass dieser große Erfolg nur manchen Streifen gelingt. Bloß welche Zutaten finden sich in einem derartigen cineastischen Hochgenuss? Der folgende Artikel verrät es.

1. Publikumserfolg – Kritikererfolg: Der manchmal gar nicht so kleine Unterschied

Ist ein Blockbuster ein Film, zu dem es keinerlei maßgebliche Negativmeinungen gibt? Klares Nein. Denn es gibt mehrere Arten, auf die ein Film Erfolg haben kann. Nehmen wir beispielsweise Arthouse- oder Independent-Produktionen. Das sind typischerweise Filme, die bei den professionellen Kritikern in den höchsten Tönen gelobt werden, weil hier die Filmkunst im Fokus steht – also der künstlerische Aspekt, der sich deutlich von anderen Punkten unterscheiden kann.

Allerdings haben solche Streifen oft nur ein sehr eingeschränktes Publikum und die große Masse der Film-Fans wird sich dafür nicht ins Kino begeben; ähnlich sieht es auch bei manchen Oscar-Nominierungen aus, wenngleich sich darunter auch immer wieder Blockbuster finden.

Halten wir also über die Merkmale eines Blockbusters folgendes fest:

  • Es ist ein Film, bei dem die Begeisterung einer möglichst großen Zahl von Zuschauern durch sämtliche Alterskohorten und Schichten an allererster Stelle steht. Dass die Kritiker ihn lieben, ist zwar angenehm, aber kein Muss.
  • Es ist (deswegen) in aller Regel kein komplizierter Streifen. Es geht hierbei nicht um höchste Filmkunst oder um schwer zu verdauende (Nischen-)Themen, sondern im besten Sinn „leichte Unterhaltung" mit bewährten Storylines. Also gutes Popcorn-Kino. Dazu gehört auch, dass es klare Unterscheidungen nach einem verständlichen Gut/Böse-Schema gibt.
  • Es ist ein Werk, welches durch diese Massenunterhaltung ganz primär viel Geld erwirtschaftet. Eine Hollywood-typische Näherungsregel besagt, dass ein für die Allgemeinheit produzierter Film erst dann zum Blockbuster wird, wenn er die zusammengenommenen Produktions- und Marketingkosten an den Kinokassen (nicht erst auf späteren Vertriebswegen) mindestens zweieinhalb Mal einspielt. Das bedeutet auch, dass sämtliche der einspielstärksten Filme aller Zeiten automatisch Blockbuster sind.

Eigentlich ist es einfach: Ein Film hat dann die Chance, zum Blockbuster zu werden, wenn es ihm gelingt, viel Publikum in die Kinosessel zu locken und glücklich zu machen. Da hierfür der Massengeschmack getroffen werden muss, beißt sich das Ziel oft mit hohen künstlerischen Ansprüchen, weil diese auf andere Kriterien Wert legen.

Doch stellt sich immer noch die große Frage: Wie gelingt sowas?

2. Die wichtigsten Vorbedingungen

Ein Film wird zwar erst in den Wochen nach der Veröffentlichung zum offiziellen Blockbuster. Allerdings muss klar sein, dass Hollywood dies ganz sicher nicht dem Zufall überlässt. Daher beginnt dieser Weg zum Erfolg teilweise schon Jahre, bevor die ersten Schauspieler gecastet werden.

Geld, eine Menge Geld

Theoretisch besagt die Formel des zweieinhalbfachen Einspielergebnisses, dass auch günstige Produktionen eine Chance haben, zum Blockbuster zu werden. Allerdings stimmt dies wirklich nur in der Theorie. Aufgrund all der noch folgenden Bedingungen muss ein Blockbuster ein ausnehmend hohes Budget besitzen. Tatsächlich wird die Schwelle von 200 Millionen Dollar längst schon routinemäßig überschritten – der erste offizielle 100-Millionen-Streifen war „True Lies" mit Arnold Schwarzenegger von 1994; inoffiziell wird jedoch gemunkelt, dass bereits Arnies vorheriger Action-Böller „Terminator 2" diese Schwelle überschritt.

Doch wie viel braucht man heute, zu Beginn der Zwanziger? Nun, schaut man sich die Liste der teuersten Streifen an, dürften 250 Millionen derzeit die absolute Untergrenze sein. Wegen derartigen Summen sind Filmproduktionen längst hochkomplexe Finanzierungsgebilde geworden. Hedge Fonds hängen hier ebenso mit drin wie Investitionsfirmen und auch Hersteller, die für Product Placement bezahlen.

Natürlich steigt mit solchen Geldmengen das Risiko enorm. Denn selbst wenn alle anderen Bedingungen dieses Texts stimmen, verbleibt ein Restrisiko. Dabei muss man nicht einmal hochbekannte Flops wie etwa „Waterworld" erwähnen. Auch eigentlich bemerkenswert erfolgreiche und gefeierte Filme können zum (finanziellen) Flop werden – der weltweit gelobte „Blade Runner 2049" beispielsweise hatte ein Budget von geschätzt 170 Millionen, nahm weltweit 260 ein, sorgte aber dennoch für ein Minus von 80 Millionen insgesamt.

Ein dem Zeitgeist und Mainstream entsprechendes Thema

1995 wurde der Film „Die Piratenbraut" veröffentlicht. Ein nach einfachem Muster gestrickter und eigentlich perfekter Popcorn-Piratenfilm. Doch er floppte gnadenlos, war jahrelang sogar der größte Flop der Kinogeschichte. Nur acht Jahre später wurde „Fluch der Karibik 1" veröffentlicht. Ein nicht minder perfekter Popcorn-Piratenfilm. Er wurde zu einem der größten Blockbuster der 00er Jahre, machte Johnny Depp zum Publikumsliebling inspirierte mehrere, nicht minder erfolgreiche Sequels.

Wie kann in weniger als einem Jahrzehnt eine solche Diskrepanz bestehen? Ganz einfach: Zeitgeist. Als beispielsweise „Der Soldat James Ryan" herauskam, lag das Kriegsende gut 50 Jahre zurück, dementsprechend war das Thema gerade sehr „mainstreamig" und viele sahen den Film. Ähnlich bei den Piraten:

  • 1995 war das Interesse an Piraten ziemlich gering, 2003 hingegen höher.
  • Der Film wurde von der der gleichnamigen Disneyland/-world-Attraktion inspiriert, wodurch eine große Grund-Bekanntheit bestand.
  • Hinzu kam, dass Anfang der 2000er digitale Effekte binnen weniger Jahre enorme Entwicklungssprünge gemacht hatten. Das ermöglichte es, die Karibik-Piraten mit atemberaubender CGI zu umgeben. Etwas, für das die Piratenbraut keine Chance hatte.

Das heißt: Wenn ein Film nicht das anspricht, was gerade viele Menschen auf dem ganzen Globus interessiert und bewegt, hat er kaum eine Chance auf den Blockbuster-Titel; teils nicht einmal die Produktion. Natürlich schränkt das die Themenwahl ein – zahlreiche Blockbuster-Anwärter stecken deshalb schon seit vielen Jahren in der „Development Hell" fest, schafften also nie den Sprung vom theoretischen Projekt zur Produktion.

Ein Drehbuch, das einfach anspricht

Blockbuster wirken zwar immer wieder neu. Meistens jedoch folgen ihre Plots sehr bekannten Mustern, sind oft nur eine neue Herangehensweise an ein altbekanntes Thema – etwa „Held wider Willen muss Menschen vor Bösewicht retten". Derartiges wurde schon tausende Male verfilmt, verfängt aber spätestens bei jedem neuen Superhelden-Streifen immer wieder.

In diesem Sinn muss das Drehbuch eines solchen Films knackig-geradlinig sein. Jeder Beteiligte muss es lesen und sich sofort vorstellen können, wie deswegen Heerscharen an die Kinokassen strömen.

Die richtige Dosis Action – und vielleicht Romantik

Welches Thema hat ein Blockbuster? Nun, betrachtet man die Liste aller Filme, so ist die Sachlage ziemlich eindeutig: Kein Blockbuster kommt ohne einen mehr oder weniger großen Anteil Action aus. Egal ob blechschädigende Verfolgungsjagd, Prügelei oder massive Schießerei, irgendetwas enthält jeder Streifen zwischen „Avatar" und „Titanic", ganz gleich, wie die sonstige Ausrichtung auch liegt.

Bedeutet das, dass Blockbuster gewalttätig sein müssen? Ja, zu einem gewissen Teil ist das eine Notwendigkeit. Und es führt sogar so weit, dass es unglaublich detaillierte Rankings von Filmtoden und -toten gibt. Das liegt aber vor allem an einer Notwendigkeit: Wie bereits erwähnt müssen Blockbuster meist einen simplen Kampf Gut gegen Böse beinhalten. Nur würde niemand ins Kino gehen, wenn beispielsweise die Jedi-Ritter ihre Gegner einfach am Verhandlungstisch „totlabern" würden. Wir gehen ins Kino, um wirbelnde Lichtschwerter zu sehen und ja, auch das tödliche Ergebnis von deren Wirken – oder sei es auch nur, um zu erkennen, dass Gewalt zu nichts führt; wie es beispielsweise „Avatar" trotz feuergewaltiger Kampfsequenzen deutlich vormacht.

Allerdings ist Action nicht die einzige Bedingung. Denn die Zuschauer wollen meist auch etwas fürs Herz. Viele Blockbuster enthalten deshalb eine gewisse Form Romantik. Meist der amourösen Sorte, allerdings können auch andere Zuneigungsformen funktionieren – etwa die sich entwickelnde, ungewöhnliche Vater-Sohn-Beziehung zwischen John Connor und dem Terminator in „Terminator 2".

Der Wille, etwas Besonderes zu erschaffen

Es mag für uns normale Zuschauer zwar schwer vorstellbar sein, aber das Filmemachen ist für alle Beteiligten zunächst einmal nur ihr normaler Broterwerb. Und so, wie auch wir Projekte kennen, die wir nur mit „Dienst nach Vorschrift" behandeln oder solche, für die wir wirklich brennen, verhält es sich auch in Hollywood.

Hier müssen viele Bausteine aus diesem und dem nächsten Kapitel stimmen. Denn nur sie garantieren, dass alle Beteiligten wirklich wollen und dafür brennen, dass ihr Film kein beliebiger Streifen wird, sondern ein Blockbuster.

3. Die wichtigsten praktischen Bedingungen

Geld ist vorhanden, ein gutes Drehbuch auch und das Studio, die Produktionsfirma und alle Beteiligten wissen, dass sie ein Projekt Blockbuster angehen. Wie bei einem Haus ist das jedoch nur das Fundament. Denn auch im praktischen Sinn muss noch vieles einfach passen.

Ein wirklich guter, passender Regisseur

Was wäre wohl geschehen, wenn Steven Spielberg nicht Ende der 1980er den Michael-Crichton-Roman „Jurassic Park" gelesen und für mega-spannend befunden hätte? Gedreht hätte man den gleichnamigen Film zweifellos (schon, weil damals Dinosaurier enorm zeitgeistig waren), aber es darf bezweifelt werden, ob der Streifen ein derartiger Erfolg und Grundlage für ein bis heute dauerndes Franchise gewesen wäre.

Ein guter Regisseur kann sich zweifellos auch Produktionen widmen, die ihn persönlich nicht so sehr bewegen. Da diese Person jedoch eine so unsagbar wichtige Machtposition besetzt, benötigt ein Blockbuster mehr von ihr:

  • Ein tiefes Interesse am Thema des Films
  • Idealerweise eigenes Hintergrundwissen
  • Das Feingefühl, um das Drehbuch im Sinne der Zielgruppe umzusetzen

Das bedeutet jedoch nicht zwingend, dass Blockbuster Star-Regisseure benötigen. Im Gegenteil, manchmal können solche Personen dem erwünschten Ergebnis auch abträglich sein. So sind sich etwa viele Fans einig, dass „The Wolverine" besser geworden wäre, wenn nicht James Mangold, sondern Darren Aronofsky im Regiesessel Platz genommen hätte.

Schauspieler, die zur Rolle passen und ihr gewachsen sind

Matthew McConaughey und Claire Danes auf ewig in den Kino-Annalen als Jack und Rose der „Titanic" festgelegt: klingt das schräg? Durchaus, denn bekanntermaßen mimten Leonardo DiCaprio und Kate Winslet das bittersüße Traumpaar des wohl traurigsten Blockbusters aller Zeiten.

Dennoch waren die beiden erstgenannten Akteure (zusammen mit noch einigen anderen) zunächst für diese Rollen ernsthaft im Gespräch. Dass es anders kam, ist einem Filterprozess zu verdanken, den jeder angehende Blockbuster durchlaufen muss.

Dass diese horchkarätigen Filme tendenziell von bekannten Schauspielern durchzogen sein müssen, ist zwar wichtig, um schnell eine hohe Bekanntheit zu generieren. Dennoch genügt der Star-Faktor allein keineswegs. Jede Rolle ist anders, benötigt einen anderen Typ Mensch. Zwar trauen sich die meisten Stars zu, in praktisch jede Rolle zu schlüpfen, doch in diesem speziellen Fall geht es darum, Menschen zu casten, von denen jeder Zuschauer denkt, dass niemand anderes die Rolle hätte besser ausfüllen können. Dies war auch der Grund, warum James Cameron sich letztlich für „Leo & Kate" entschied.

Aus demselben Grund ist die Filmwelt auch voller Streifen, die eigentlich von ganz anderen hätten gespielt werden sollen. Wer mag, kann sich kurz vorstellen, wenn abermals James Cameron für den ersten „Terminator" seine eigentlichen Wunschkandidaten, Sylvester Stallone oder Mel Gibson, bekommen hätte und nicht Arnie – der zunächst gar nicht begeistert von der in der Retrospektive wichtigsten Rolle seines Lebens war.

Übrigens ist dieser Sci-Fi-Actionfilm auch deshalb so interessant für Blockbuster, weil er als B-Movie konzipiert und entsprechend schwach finanziert war – 6,4 Millionen Dollar waren schon 1984 extrem wenig. „Indiana Jones und der Tempel des Todes" aus dem gleichen Jahr hatte beispielsweise gut 28 Millionen zur Verfügung. Dennoch wurde der Terminator zum Überraschungserfolg (auch wenn er nicht so viel einspielte wie andere Filme dieses Jahres).

Ein Studio, das weiß, wo es die Zügel anziehen und lockerlassen muss

Es gibt zahlreiche Filme, die Produzenten und andere Studio-Verantwortliche persiflieren, die dem Regisseur ständig hineinreden. Und es gibt auch zahlreiche Filme, bei denen dies in Wirklichkeit geschah – das Mafia-Epos „Es war einmal in Amerika" wäre nach dem Wunsch des Regisseurs, Sergio Leone, erst ein sechsstündiger Zweiteiler, dann ein viereinhalbstündiges Mammutprojekt geworden. Beide Male mischte sich das Studio ein und erzwang eine Kürzung auf etwas zuschauerfreundlichere 3 Stunden und 49 Minuten.

Hierbei trug die Einmischung zum Kassenerfolg bei. Es kann jedoch auch anders gehen. Studios und Produzenten haben meist nur das Geld im Sinn. Wichtig zwar für einen Blockbuster, allerdings kann gerade durch diesen Fokus der Erfolg verunmöglicht werden. Für ein Projekt ist es deshalb elementar, dass die großen Entscheider hinter der Film-Crew wissen, wann sie sich einmischen müssen und wann nicht. Und umgekehrt muss auch der Regisseur wissen, wo er festhalten und wo nachgeben muss.

Etwas Glück beim Dreh

Schauspieler, die sich nach Drehbeginn als völlige Fehlbesetzung entpuppten; Mimen, die viel zu schwergewichtig für ihre Rolle waren; Hauptrollen, die einen Herzanfall erlitten; Sets, die von einem Taifun weggefegt wurden; Diebesbanden, die die Ausrüstung stahlen.

Nein, das ist nicht nur eine wahllose Auflistung von möglichen Problemen, es ist die Kurzfassung dessen, was allein beim Dreh von „Apocalypse Now" zusammenkam – eine Produktion voller Katastrophen:

  • Harvey Keitel konnte Regisseur Coppola nicht überzeugen und wurde nach einigen Drehtagen durch Martin Sheen (Vater von Charlie Sheen) ersetzt.
  • Der Taifun Olga verwüstete 80 Prozent der Drehorte und bereits gebauten Kulissen.
  • Marlon Brando erschien am Set mit enormem Übergewicht und völlig unvorbereitet.
  • Mehrere Male wurde das Team von lokalen Banden bestohlen, einmal wurde die ganze Gehaltskasse für die Komparsen entwendet.

Tatsächlich kam so viel zusammen, dass Coppola 1991 die anderthalbstündige Doku „Reise ins Herz der Finsternis" veröffentlichte, die sich nur mit den chaotischen Drehbedingungen beschäftigte.

Doch um zum Kern zu kommen: Es gibt selbst bei den hochkarätigsten Produktionen nur so viel, was sich vorplanen und ausschließen lässt. Ein Blockbuster lebt deshalb auch davon, dass der Produktion das Glück hold ist – oder sie zumindest nicht durch schieres Pech andauernd verzögert und über das Budget getrieben wird.

Ein dem Ziel entsprechendes Marketing

Was wäre, wenn Disney einen Streifen aus der neuen „Star-Wars"-Reihe vollkommen kalt ließe? Keine Trailer, keine zigtausenden Merchandise-Produkte, kein Making-of, keine Pressekonferenzen, keine Plakate, keine Soundtracks? Der Film würde höchstwahrscheinlich nur von denjenigen gesehen werden, die sich sowieso für das Franchise interessieren. Blockbuster? Ausgeschlossen.

Marketing ist längst zu etwas geworden, das bei vielen Blockbustern teilweise noch größer ist als der Film. Hierin findet sich auch der Grund, warum Filme ihre Produktionskosten einspielen und dennoch ein Flop werden können: Das Marketing-Budget wird getrennt von den Produktionskosten behandelt. Bei einem modernen, als Blockbuster ausgelegten Streifen beträgt es mindestens 100 Prozent dieser Summe; es gibt jedoch auch Filme, bei denen das Marketing 150 Prozent der Produktionskosten betrug.

Nur dann, wenn der Film nicht nur die eigentlichen Produktions-, sondern auch die Marketingkosten mehrfach einspielt, bekommt er die höchsten Weihen.

Das mag sehr geldgierig wirken. Dabei sollte jedoch bedacht werden, dass Filme primär dazu dienen, nicht nur ihre Eigenkosten zu tragen, sondern Gewinn zu machen. Natürlich macht dieser auch die Investoren glücklich, vor allem aber zieht dieses enorme Gewinnstreben viel größere Kreise: Die meisten Studios produzieren deshalb Blockbuster und sind deshalb auf möglichst enorme Gewinnanteile versessen, weil sie dieses Geld benötigen, um andere, weit weniger gewinnträchtige Filme produzieren zu können.

Ein richtig erfolgreicher Blockbuster kann der Anlass sein, dass die Studiobosse über mehreren kleineren Projekten den Daumen heben – oder senken. Damit trägt das von manchen wegen seiner „marktoptimierten Stromlinienform", seiner „glattgebügelten Massentauglichkeit" kritisierte Blockbuster-Kino in entscheidendem Maß dazu bei, dass überhaupt auch andere Filme produziert werden können, die tiefer gehen und nur weniger Geschmäcker ansprechen.

Zumindest wohlgesonnene Kritiker

Natürlich, prinzipiell wird ein nach diesem Rezept fabrizierter Film automatisch zum Erfolg. Das gilt schon deshalb, weil heutzutage durch das Internet Mundpropaganda unglaublich zugkräftig ist. Dennoch benötigt ein Blockbuster zumindest Kritiker in den Medien, die den Film nicht komplett verteufeln. Denn auch in dermaßen hohen Kosten-Sphären kann der Unterschied zwischen „Gut" und „Bombastisch" durchaus von der Kritik einiger weniger abhängen.

Zusammenfassung und Fazit

Was ist es, was einen Film zum Blockbuster macht? Die leider nicht sonderlich romantische Antwort ist, dass er sein Budget plus die Marketingkosten mindestens zweieinhalb Mal einspielt. Für uns Kinogänger ist es jedoch mehr. Es ist ein Film, der uns wortwörtlich in eine Traumwelt zieht, ganz gleich, wie realistisch diese auch ist. Ein Film, der keine zu komplexen Fragestellungen aufwirft und dabei den Geschmack möglichst vieler Menschen trifft. Das mag zwar nicht immer für jubelnde Kritiker sorgen, wohl aber dafür, dass man sich einfach gemütlich mit Popcorn und Cola in den Kinosessel drücken und ohne großes Nachdenken genießen kann – vielleicht keine höchste Filmkunst, dafür aber richtig gutes Entertainment.

lic/news.de