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Von news.de-Redakteurin Susett Queisert-Wittke - 21.09.2016, 15.00 Uhr

Joseph Gordon-Levitt über "Snowden": So schützt sich Joseph Gordon-Levitt vor unbefugten Eingriffen in seine Privatsphäre

Snowden (Gordon-Levitt) kann die Erkenntnisse, die er beim Geheimdienst gewinnt, nicht länger verbergen. Bild: Universum Film

Denken Sie, dass Snowden eine bestimmte Vorstellung an Ihre Rolle hatte oder ließ er Sie einfach machen?

Gordon-Levitt: Er war sehr hilfreich und unterstützend. Man fühlt sich verantwortlich, wenn man jemanden spielt, der eine reale Person ist. Das Feedback, welches für mich am wichtigsten war, bekam ich von Edwards Eltern. Ich habe sie zuvor nie getroffen und sie kamen zur Premiere nach New York. Ich sprach mit seiner Mutter und sie erzählte mir, ich erinnerte sie an ihren Sohn. Und sein Vater nahm mich zur Seite und sagte nur: "Danke für das, was du tust." Das war ein Feedback, was man als Schauspieler nicht erwartet.

Und Edward?

Gordon-Levitt: Er war auch sehr positiv gestimmt, nachdem er den Film sah. Es ist schwierig, wenn man einen Film über sein Leben macht. Ich wäre beschämt, wenn jemand neun Jahre meines Lebens verfilmen würde, inklusive der Intimität meines Liebeslebens. Ich bin ehrlich, das wäre schrecklich für mich. Es ist ihm unangenehm, er ist eine sehr private Person – und er möchte ja keine Aufmerksamkeit. Ich denke, für ihn war es Kompromiss, denn er weiß, mit so einem Film erinnert man sich wieder an die Werte, die er vertritt, und ich denke, es kümmert ihn sein persönlicher Komfort weniger als die Geheimdienstfälle, so dass er die Verlegenheit seiner selbst hinnimmt.

Haben Sie Ihr Online-Verhalten nach dem Drehen des Filmes geändert?

Gordon-Levitt: Auf jeden Fall: Mein Passwort ist sicherer. Ich habe eine App für verschlüsselte SMS und Telefonate gedownloadet, sie nennt sich Signal. Aber wichtiger als all diese Spezifikationen ist, sich mehr Gedanken zu machen, was eigentlich im Internet passiert. Ich rede nicht nur von der Regierung. Vor dem Film habe ich kaum einen Gedanken an all die Daten verschwendet, die die großen Internetfirmen sammelten. Und ich sage nicht, dass sie damit Schlimmes vorhaben. Ich meine nur, mir war nicht bewusst, dass es überhaupt passiert. Wenn ich jetzt den Allgemeinen Geschäftsbedingungen zustimme, denke ich mehr darüber nach, welcher Firma ich jetzt meine Daten gebe, was ist ihre Motivation, wie funktioniert es und wie machen sie Geld. Auch wenn ich etwas kostenfrei bekomme, irgendwie macht immer irgendwer Geld damit. Viele von uns denken darüber nicht nach und ich bin der Meinung, die Snowden-Geschichte ist eine gute Erinnerung daran.

Joseph Gordon-Levitt verkörpert im Film den Whistleblower Edward Snowden, der zur Zeit in Moskau im Exil lebt.  Bild: dpa/Pantelis Saitas

Und Sie kleben auch wie Snowden oder Mark Zuckerberg Ihre Webcam ab?

Gordon-Levitt: Ja, auch das – außer ich brauche sie.

Nachdem Sie sowohl in "The Walk" als auch in "Snowden" eine reale Person verkörperten, was können wir zukünftig von Ihnen erwarten?

Gordon-Levitt: Showbusiness ist so witzig, so richtig weiß man eigentlich nicht, woran man gerade arbeitet. Wir arbeiten gerade an einem Drehbuch für ein Musical, das ist wirklich aufregend. Und ich arbeite weiterhin an Hitrecord, einem Unternehmen, welches ich gründete. Wir haben aktuell ein Projekt gehabt, welches an die Edward-Snowden-Geschichte angelehnt war und Edward selbst würdigte es. Eine Menge Leute gaben ihre Meinung zu den neuen Technologien und der Demokratie, was wir dann in fünf Kurzfilmen mit fünf verschiedenen Antworten wiedergaben. Und auch Snowden gab seine Antwort darauf. Es war so überraschend, dass er immer noch optimistisch ist nach all dem, was vorgefallen ist. Wir nahmen seine Worte, wandelten sie in animierte Bilder um und heraus kam der Kurzfilm "It's only getting better" – den Sie im Internet anschauen können *lacht*.

Wo wir gerade beim Thema sind: Um was geht es bei Hitrecord?

Gordon-Levitt: Es war eine Entwicklung und nichts, was ich initiiert habe. Es begann vor langer Zeit, als mein Bruder und ich diese kleine Website starteten, auf der wir kurze Videos und so veröffentlichten. Mit der Zeit formte sich eine kleine Community auf dieser Website. Was wir merkten war, dass eine Menge Leute Dinge zusammen kreieren wollten. Das war für uns einzigartig und ist ungefähr 10 Jahre her. Und jetzt sind wir diese Online-Community mit einer halben Million Mitglieder weltweit. Die Idee ist, dass wir zusammen als eine Produktionsfirma arbeiten. Bei den meisten Communities geht es darum, dass alle sehen, was ich geschaffen habe. Bei uns geht es darum, was können wir erreichen, wenn wir alle zusammen arbeiten. Und so veröffentlichen wir Bücher, CDs, eine TV-Show – für die wir sogar einen Emmy gewannen – und machen jederzeit allerhand neue Projekte. Darauf bin ich sehr stolz!

Vielen Dank, dass Sie sich Zeit genommen haben für uns!

"Snowden" mit Jospeh Gordon-Levitt läuft ab dem 22. September 2016 in den deutschen Kinos.

Auch interessant: Snowden attackiert Angela Merkel und ihre Regierung.

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qus/sam/news.de

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