Von news.de-Redakteurin Susett Queisert - 26.10.2015, 23.15 Uhr

Interview mit Joseph Gordon-Levitt in "The Walk": "Sie glauben nicht, wie hoch drei Meter sein können!"

Joseph Gordon-Levitt ist Schauspieler und Regisseur. Für Robert Zemeckis' "The Walk" wagt er sich in schwindelerregende Höhe. Für news.de plauderte er aus dem Nähkästchen und sprach über die Schauspielerei, das Seiltanzen und Christopher Nolan.

420 Meter über dem Abgrund - Philippe Petit (Joseph Gordon-Levitt) erfüllte sich einen großen Traum. Bild: © 2015 Sony Pictures Releasing GmbH

Im Film "The Walk" von Robert Zemeckis, der seit dem 22. Oktober 2015 in den deutschen Kinos läuft, spielt Joseph Gordon-Levitt ("The Dark Knight Rises", "Don Jon") den Drahtseilkünstler Philippe Petite, der in den 70er Jahren ein Seil zwischen den Türmen des World Trade Centers spannte und letztlich ohne Sicherung auch darüber lief. News.de-Redakteurin Susett Queisert traf den charmanten Schauspieler und sprach mit ihm über das Seiltanzen, die Schauspielerei und Regisseur Christopher Nolan.

Wie haben Sie die Rolle des Seiltänzers Philippe Petite ergattert?

Joseph Gordon-Levitt: Robert Zemeckis wollte ein Treffen mit mir und ich war aufgeregt, was er mich wohl fragen würde. Er hat so viele tolle Filme über all die Jahre gemacht. Dann sprach er mit mir über die Geschichte von "The Walk" und ich war so angetan von der Rolle, dass ich zusagte.

Wie eng arbeiteten Sie mit Philippe Petite, dessen Geschichte hier erzählt wird, für diesen Film zusammen?

Gordon-Levitt: Sehr eng. Philippe war der erste, der mir beibrachte, auf dem Seil zu laufen. Er ist nicht nur gut darin, auf dem Seil zu laufen, er kann es auch gut lehren. Ich wusste erst nicht, ob das gut gehen würde, aber er entpuppte sich wirklich als sehr guter Lehrer. Ich glaube, sein Optimismus zeichnet ihn am meisten aus. Er ist immer so positiv. Er glaubte wirklich daran, dass ich es schaffen kann. Und er schaffte es, dass ich selbst glaubte, ich könnte es. Ich glaube, selbst daran zu glauben, dass man es kann, macht den Großteil aus, ob man es letztlich schafft.

Im Fokus: Komplexe Studioarbeit mit Joseph Gordon-Levitt. Bild: © 2015 Sony Pictures Releasing GmbH

Und Sie können jetzt wirklich Seiltanzen?

Gordon-Levitt: Ja klar. Es ist ein bisschen wie Fahrrad fahren. Es ist etwas, was man stetig versucht und sich fragt, wie das funktioniert. Und dann macht es sowohl in deinem Kopf als auch in deinem Körper Klick und du kannst balancieren. Und die Stange, die ich benutze, ist eine große Hilfe, um seine Balance zu halten.

Wie hoch würden Sie sich auf das Seil trauen?

Gordon-Levitt: Trainiert habe ich erst ein paar Zentimeter über dem Boden. Wenn man da seine Balance verliert, tritt man herunter und geht wieder auf das Seil. Am Ende meines Workshops mit Philippe war ich ungefähr zwei Meter in der Luft. Das ist natürlich nicht sehr hoch, aber zu hoch, um einfach herunterzutreten. Es wurde also etwas erschreckender. Und als wir den Film drehten waren wir 3,5 Meter in der Luft. Das ist natürlich nichts im Gegensatz zu einem Wolkenkratzer. Aber Sie werden nicht glauben, wie hoch sich dies anfühlte.

Im Film tanzen Sie aber nicht nur auf dem Seil. Man sieht Sie auch auf einem Einrad fahren und jonglieren. Haben Sie dies auch gelernt?

Gordon-Levitt: Nein, das Einrad fahren habe ich nicht gelernt. Das ist "Film-Magie". Ich kann ein wenig jonglieren, aber bei weitem nicht so gut wie Philippe. Wir hatten einen tollen Zirkusperformer am Set, der auch mein Double im Film war. Er ist ein exzellenter Darsteller. Er ist ungefähr genauso oft im Film zu sehen wie ich. Der Dank geht also an Robert Zemeckis, der den Zuschauern nicht klar zu erkennen gibt, wer nun wer ist.

Philippe (Joseph Gordon-Levitt) und seine Freundin Annie (Charlotte Le Bon) können die Größe des WTC kaum fassen. Bild: © 2015 Sony Pictures Releasing GmbH

Im Film spielen Sie einen Straßenkünstler, im echte Leben sind Sie Schauspieler. Wie sehr unterscheiden sich diese beiden Künste?

Gordon-Levitt: Straßenkünstler können natürlich keinen neuen Take starten, wenn sie den ersten vergeigt haben. Sie sind natürlich sehr verschieden. Das Schauspielern findet viel im Gesicht statt. Wenn man in der Straße arbeitet, muss man mit den Leuten interagieren.

Sowohl auf dem Seil als auch beim Schauspielern selbst kommt es darauf an, eine kühlen Kopf zu bewahren. Wie behalten Sie selbst einen kühlen Kopf und wie machen Sie sich gedanklich vor einem Dreh frei?

Gordon-Levitt: Ich denke, die Szene gut genug zu kennen. Es hat viel mit Hausaufgaben und Vorbereitungen zu tun. Wenn ich mich gut vorbereitet und mich perfekt in den Charakter eingefunden habe und die Kamera einmal auf mich gerichtet ist, ist es einfach, mich nur auf das Schauspielern zu konzentrieren.

Abgesehen davon, dass Sie lernten, auf dem Seil zu laufen, wie haben Sie sich noch vorbereitet?

Gordon-Levitt: Der französische Akzent hat eine Menge Arbeit bedeutet. Ich lernte Französisch als Teenager und ich hatte schon immer eine Vorliebe für die französische Sprache, die Kultur und vor allem für das französische Kino. Das war eine ziemlich coole Möglichkeit, wieder voll einzusteigen und besser darini zu werden. Mein Kollegen waren sehr hilfreich und lehrten mir die Aussprache. Die Franzosen sind sehr ehrlich und das war gut für mich, denn ich sagte ihnen, wenn ihr meine Aussprache hört und irgendetwas klingt falsch für euch, sagt es mir. Und das taten sie. Und genauso half ich ihnen mit dem Englisch.

Sie sind nicht nur Schauspieler, sondern auch Regisseur. Konnten Sie bei der Arbeit mit den Special Effects Erfahrungen sammeln?

Gordon-Levitt: Auf jeden Fall. Bei den großen Blockbustern mit Christopher Nolan kam zum Beispiel kaum Green Screen wie jetzt bei "The Walk" zum Einsatz. Nolan bevorzugt es, so wenig wie möglich vor dem Green Screen zu arbeiten. Das ist eine große Unterscheidung zu den Filmen von Robert Zemeckis.

Was ist der größte Unterschied bei der Arbeit mit Herrn Zemeckis und Herrn Nolan?

Gordon-Levitt: Mhhh, also die Filme, die ich für Chris(topher Nolan) gemacht habe, waren so anders als dieser Film. Chris achtet so stark auf untertriebenes Spielen, sehr subtil und unterhalb der Oberfläche. In einem Zemeckis-Film ist alles aufsteigend, man reicht seine Hände den Zuschauern und nimmt sie mit auf die Reise. Ich mag beide Stile.

Wie fühlten Sie, als Sie das erste Mal das World Trade Center im Film sahen?

Gordon-Levitt: Nun, ich lebte in New York, auch zum Zeitpunkt von 9/11. Und klar, meinen ersten Gedanke, als ich sie sah, verband ich mit der Tragödie, wie so viele andere wohl auch. Sicher, wir sollten uns immer daran erinnern, aber ich denke auch, man sollte sich an die positiven und schöne Dinge erinnern, die damit in Verbindung stehen.

Vielen Dank für das Interview!

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qus/news.de

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