Von news.de-Redakteurin Susett Queisert - Uhr

Chris Pratt im Interview: Für die Gleichberechtigung zieht er auch blank

Sowohl "Guardians of the Galaxy" als auch "Jurassic World" sind beide Big-Budget-Filme. Sind Sie als Schauspieler auch unterschiedlich an die beiden Projekte herangegangen?

Pratt: Ja, ich denke, der Prozess fühlte sich bei beiden anders an, weil auch die Charaktere verschieden sind. Sicherlich gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Peter Quill und Owen Grady. Aber meine Herangehensweise war unterschiedlich. Es fühlte sich also nicht gleich an, auch wenn ich bei beiden mit CGI gearbeitet und gegen Kreaturen gekämpft habe.

Wurden alle Dinosaurier mit CGI animiert oder gab es auch – wie in den vorangegangenen Filmen – elektronische Attrappen?

Pratt: Nein, nicht alles war CGI, es gab auch Attrappen.

Größer! Schneller! Lauter! - Kritik zu "Jurassic World"

Sie wurden vor allem durch die Sitcom „"Parks and Recreations"bekannt. Ihre Frau sagte in einem Interview, dass sie hofft, dass Sie nie den "Andy" (Pratts Rolle in der Sitcom) in sich verlieren, jetzt, wo Sie so berühmt sind. Wie schwer ist es, "Andy" nicht in sich zu verlieren?

Pratt: Es ist etwas beeindruckend, wie diese Veränderung in mein Leben trat. Dafür bin ich sehr dankbar. Auch wenn ich diesen idiotischen wichtigtuenden Sidekick-Charakter spielen durfte, denke ich nicht, dass eine Serie nur auf Andy aufbauen dürfte. Andy ist zu scharf, wie ein Gewürz. Man braucht Huhn, oder Lachs, oder Fleisch, dass man dann würzt (lacht). Aber wenn man zu viel Gewürz benutzt, zerstört es den Geschmack. Ich bin glücklich, dass ich nicht in dieser Rolle festhänge, vielleicht auch wegen der körperlichen Veränderung, die ich durchgemacht habe. Ich hatte auch nicht so viele Aufnahmen wie andere Fernsehdarsteller, aber ich fand trotzdem Anhänger für die fette Hüfte. Klar ist es wichtig, diesen Charakter nicht zu verlieren, aber ich muss ihn nicht in jede Rolle legen.

Owen (Chris Pratt) steht dem genetisch modifizierten Dino von Anfang an skeptisch gegenüber. Bild: Universal Pictures International Germany

Sie erwähnen die körperliche Veränderung. Sie haben viel über den Gewichtsverlust geredet, den Sie gemacht haben. Wird man nicht müde, ständig davon zu erzählen?

Pratt: Das Ab- und Zunehmen von Gewicht sind Teile meines Jobs, ebenso, wie darüber zu reden.

Sind Sie auch im wahren Leben ein echter Draufgänger wie Ihre Rolle Owen Grady?

Pratt: Nicht mehr so sehr wie früher. Ich habe jetzt ein Kind und achte mehr auf meine Gesundheit und Sicherheit. Jetzt, wo jemand von mir abhängt, achte ich mehr auf mich. Ich würde zum Beispiel kein Motorrad fahren. Man bot es mir an aber ich sagte, nein danke (lacht).

Was war denn dann das Gefährlichste, was Sie je in Ihrem Leben gemacht haben?

Pratt: Wahrscheinlich das Brückenspringen. Mit 13 sprang ich von einer Brücke, die über 25 Meter hoch war, ins Wasser. Und ich bin irgendwie nicht gestorben. Ich habe diesen ganzen Blödsinn als Kind gemacht.

Sie haben sich vor der Pressetour bereits für alles, was Sie während dessen Unpassendes sagen könnten, entschuldigt. War das nützlich und notwendig?

Pratt: Auf jeden Fall. Ich dachte mir so, ich weiß, das ist erst der Anfang, irgendwann werdet ihr sowieso müde davon werden, mein Gesicht zu sehen (lacht). Es war ein lahmer Protest gegen die Pressetour, auch wenn alle so lieb und nett sind und ich so politisch korrekt sein muss. Manchmal kann es echt frustrierend sein. Ich bin in einem Haushalt aufgewachsen, in dem man ein dickes Fell haben musste. Es war in Ordnung, dem anderen auch mal die Zähne zu zeigen. Ich habe ein dickes Fell und mich kann so schnell nichts ärgern. Ich denke, alles kann irgendwie witzig sein. Es kann einen ermüden und langweilen: Man möchte einfach etwas sagen, dass ein Lachen zurückgibt. Und dann vergisst man, dass jeder deiner Sätze genommen und in eine Überschrift verwandelt werden könnte. Man muss wirklich vorsichtig sein. Es ist ein Horrortrip, denn ich bin wirklich gut geworden im vorsichtig sein. Aber es ist auch traurig. Man gewöhnt sich einfach daran, auch mal dumme Sachen zu sagen.

Der news.de-Nachrichtenüberblick Bild: Istockphoto

Sie erwähnten bereits ihr Kind. Wie ist es für Sie als Mann, so lange von zuhaue weg zu sein?

Pratt: Ich schätze diese Frage! Lange Zeit wurden nur Frauen danach gefragt. Ich denke nicht, dass ich jemanden brauche, der mich dies fragt, aber ich würde mir wünschen, Frauen würden nach mehr als nur nach der Familie gefragt werden. Es beginnt eine Art Gleichberechtigung. Das finde ich toll. Nicht nur, dass man mich nun nach meiner Familie fragt, ich zeige auch meine Nippel auf Magazincovern, oberkörperfrei und verschwitzt. Die Leute fragen nach meinem Körper und wie es ist, als Sexsymbol deklariert zu werden. Das ist sehr erfrischend, dass es mich als Mann trifft und keine Frau (lacht). Ich werde meinen Anteil leisten, um die Gleichberechtigung anzukurpeln. (lacht). Es ist schwierig, man muss seine Zeit managen und die Zeit, die man nicht daheim ist, mit Skype-Anrufen und Geschenken wettmachen. Aber heutzutage ist es viel leichter als Anfang des 19. Jahrhunderts, als man jahrelang voneinander getrennt war und nur Briefe hatte. Aber jetzt kann man Bilder senden und skypen und Facetime nutzen. Ich habe eineinhalb Stunden mit meinem Sohn am Telefon verbracht und ein Spiel mit ihm gespielt.

Für eine Fernsehrolle nahm Chris Pratt unkontrolliert zu

Es ist bereits beschlossene Sache, dass Sie auch in "Guardians of the Galaxy 2" mitspielen werden. Gibt es auch schon Pläne über einen zweiten Teil von "Jurassic World"?

Pratt: Wenn mich jemand fragt, bin ich dabei. Klar wird darüber geredet, aber man muss erst einmal schauen, wie der erste läuft. Und dann sollten wir genauso wie beim jetzigen Film rangehen und alles richtig machen.

Wenn es einen realen Jurassic Park gäbe, würden Sie diesen besuchen?

Pratt: Aber klar doch, ich bin dabei!

Wir danken für das Interview!

"Jurassic World" läuft seit dem 11. Juni 2015 in den deutschen Kinos.

qus/news.de

  • Seite:
  • 1
  • 2