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Von news.de-Volontärin Juliane Ziegengeist - 12.08.2011, 09.15 Uhr

«Resturlaub»: Einmal Midlife-Crisis und zurück

Auf Fern- folgt Heimweh: Weil sich Mittdreißiger Pitschi noch einmal etwas beweisen will, lässt er Bamberg samt Freundin hinter sich, um Argentinier zu werden. In der Romanverfilmung Resturlaub tritt er dabei in das eine oder andere Fettnäpfchen zu viel.

In Buenos Aires hat Pitschi (Maximilian Brückner) ein Auge auf seine attraktive Spanischlehrerin Luna (Melanie Winiger) geworfen. Das muss er allerdings bitter bereuen. Bild: Sony Pictures

Vier Romane und jeder davon ein Bestseller: Tommy Jauds Vita liest sich selbst wie ein Buch, sein Name klingt wie ein Pseudonym. Rund 4,3 Millionen Bücher hat er verkauft, seine erste Romanverfilmung Vollidiot (2007) mit Oliver Pocher in der Hauptrolle sahen 800.000 Kinobesucher. Nun läuft auch Jauds Zweitwerk Resturlaub in den Kinos und schickt sich an, die deutsche Sommerkomödie des Jahres zu werden.

Die Story verspricht einige Verwicklungen: Pitschi Greulich (Maximilian Brückner), Mitte 30, ist seit acht Jahren mit Biene (Mira Bartuschek) liiert und arbeitet in der Marketing-Abteilung einer Brauerei in Bamberg. Zufrieden ist er damit nicht, will mehr vom Leben. Dass sein bester Freund Arne (Stephan Luca) eine Frau heiratet, die er auf den Tod nicht ausstehen kann, der geplante Junggesellenabend mächtig in die Hose geht und Pitschi angesichts Bienes Kinderwunsch Panik kriegt, passt also ins Bild.

So lässt er den alljährlichen Mallorca-Urlaub mit der Clique sausen, täuscht einen Überfall vor und nimmt den nächsten Flieger nach Buenos Aires. So weit, so gut. Dass auch da nicht alles eitel Sonnenschein ist, versteht sich von selbst. Auf ein Fettnäpfchen folgt das nächste. Dank einer Lüge kann Pitschi aber zumindest bei seiner attraktiven Spanischlehrerin Luna (Melanie Winiger) landen. Per Brief macht er mit der zurückgelassenen Biene Schluss. Der Möchtegern-Draufgänger merkt jedoch schnell, dass die argentinische Schönheit nur sein vermeintliches Geld will und alles, was er braucht und will, eigentlich in Bamberg ist.

Guter Ansatz versiegt durch überzeichnete Figuren

Tommy Jaud, der wie schon bei Hangover an und gipfelt in der anal eingeführten Chilisoße zur Potenzsteigerung. Die richtige Dosis Würze fehlt dem Film. Zu schnell geht Pitschis Odyssee der Fettnäpfchen und Fehlentscheidungen die Luft aus.

Zu viel des Guten sind auch die Figuren: Pitschi, der gegen alles rennt, was nicht niet- und nagelfest ist, ist zu tollpatschig, und Freundin Sabine, die ihn unentwegt Mausbär nennt, zu lieb. Die Stimme von Arnes Angetrauter Biggy (Martina Hill), die Pitschi nur Ente nennt, klingt zu quackig. Und Pfarrer Bouba, der mit Komiker Dave Davis nicht skurriler hätte besetzt werden können, bedient die Fußballmetapher inklusive Rudi Völler-Melodie zwar konsequent, aber mindestens einmal zu viel.

Starke Momente gibt es zu wenig

Trotz dass seine Figur überdreht und vorhersehbar geraten ist, schlägt sich Maximilian Brückner in Rolle des Pitschi wacker. Auch wenn der Tatort-Kommissar einen Mann mimt, der nicht weiß, was er will und deshalb eigentlich bei jeder Frau durchfällt, ist er der Sympath des Films - ahnungslos, aber liebenswert. Mehr starke Momente wie jener, in dem sich der nach Bamberg zurückgekehrte Pitschi zu Fucked Me Right Up von Sean Hayes durch die verlassene Wohnung schleppt und Bienes Abschiedsbrief liest, hätten auch ihm gut getan.

Doch dabei belässt es der Film nicht, sondern gibt der Story ein Ende, das an Rosamunde Pilcher erinnert. Hier schließt sich zwar der Kreis der zu gewollten Inszenierung. Zugleich verpasst Resturlaub aber die letzte Möglichkeit, die Kurve zu kriegen. Was bleibt, ist die Moral von der Geschichte eines Landeis auf Selbstfindungstrip, die schon Johann Wolfgang von Goethe beschrieb: «Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah!»

Bestes Zitat: «Irgendwann muss es knirschen. - Knirschen? - Ja, in der Kiesauffahrt zu meinem Haus.» (Arne erklärt Pitschi, dass es Zeit ist, erwachsen zu werden.)

Titel: Resturlaub Regie: Gregor Schnitzler Darsteller: Maximilian Brückner, Mira Bartuschek, Stephan Luca und andere Filmlänge: 101 Minuten FSK: ab 12 Jahren Verleih: Sony Kinostart: 11. August 2011

wie/news.de

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