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Von news.de-Redakteur Christian Mathea - 27.05.2010, 11.53 Uhr

Partikelfilter: Mehr Schaden als Nutzen?

Rußpartikelfilter sind bei einigen Autofahrern umstritten - vor allem bei denjenigen, die ihr Fahrzeug damit nachrüsten müssen. Sie stützen ihre Kritik auf Gerüchte, wonach Partikelfilter gar nichts bringen und gesundheitsgefährdend sind. Stimmt das?

Partikelfilter sollen den Dieselqualm säubern. Bild: dpa

Gerücht 1: Mit einem Partikelfilter verbraucht ein Auto mehr Treibstoff und stößt deshalb mehr CO2 aus.

Hans-Ulrich Sander (TÜV Rheinland): Wenn Sie einen Dieselpartikelfilter nachrüsten, haben Sie kaum einen Mehrverbrauch. Die nachgerüsteten Filter sind gröbere Filter, die ca. 30 bis 60 Prozent der Partikel zurückhalten. Der Rest geht durch. Wesentlich feiner sind Filter, die direkt ab Werk, also im Serienverbau, eingesetzt werden. Die filtern bis 98 Prozent der anfallenden Partikel heraus. Der Mehrverbrauch dort liegt ca. bei einem halben Liter auf 100 Kilometer. Bei den nachgerüsteten Partikelfiltern wird der Mehrverbrauch geringer sein.

Sabine Götz (AvDAutomobilclub von Deutschland ): Der Gesetzgeber hat die Anforderungen an Partikelfilter klar definiert - in der Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO). Dort ist unter anderem geregelt, dass der gemittelte Kraftstoffverbrauch im nachgerüsteten Zustand den Kraftstoffverbrauch im Ausgangszustand um nicht mehr als vier Prozent übersteigen darf. Es müssen zudem bestimmte Grenzwerte für die Partikelmasse bzw. Stickstoffmonoxid, Kohlenstoffdioxid- und Kohlenwasserstoff-Emissionen eingehalten werden. Sonst wird keine Betriebserlaubnis für das Filtersystem erteilt. Der Hersteller muss also belegen, dass die Funktionsfähigkeit des Filters gewährleistet ist. Getestet werden Verbrauchs- und Abgaswerte auf dem Rollenprüfstand, absolviert werden müssen mindestens 4000 Kilometer.

Gerücht 2: Partikelfilter sind gesundheitsgefährdend, weil der Ruß so klein geheckselt wird und deshalb in der Lunge festhängt anstatt abgehustet zu werden.

Sander: Die Partikelgröße hat nichts mit dem Filter zu tun, sondern mit der Motortechnik. Wir hatten früher Einspritzpumpen beim Diesel, die mit einem Druck oder Pumpe-Düse-Einspritzanlagen eine Technologie, die mit einem Drücken zwischen 1500 und 2000 Bar arbeitet. Je höher der Einspritzdruck, desto kleiner sind die durch die Verbrennung entstehenden Partikel. Das mit dem Kleinheckseln ist also Unsinn. Es stimmt aber, je kleiner die Partikel werden, desto tiefer können sie in die Lunge eindringen.

Gerücht 3: Partikelfilter gibt es nur in Deutschland, weil es hier Umweltzonen gibt.

Sander: Partikelfilter gibt es nicht wegen der Umweltzonen. Die Franzosen, obwohl sie gar keine Umweltzonen haben, haben schon vor uns damit angefangen, Partikelfilter einzubauen. Das wurde gemacht, weil erkannt wurde, dass die Partikel gesundheitsschädigend sind. Dieselruß ist nicht ungefährlich, sondern kann karzinomfördernd sein. Dem wirkt man entgegen. Die Partikelfilter werden sich weiter durchsetzen, nicht nur in Europa.

Gerücht 4: Trotz der Partikelfilter ist die Schadstoffbelastung in Städten mit Umweltzonen nicht gesunken.

Götz: Der AvD hält Umweltzonen nach wie vor für kein geeignetes Mittel, um die Luftqualität zu verbessern und die Feinstaubproblematik zu lösen. In Frankfurt beispielsweise wurden die Grenzwerte 2008 an 22 Tagen überschritten - 2009, nach Einführung der Umweltzone, sogar an 30 Tagen. (...) Partikelminderungssysteme hält der AvD wiederum für ein geeignetes Mittel, um die Feinstaubbelastung zu reduzieren - da die Abgaswerte der nachgerüsteten Fahrzeuge nachweislich verbessert werden und das verwendete System in Diesel-Motoren nach den Prüfungsvorschriften dauerhaft mindestens 30 Prozent der Partikelmasse mindern muss.

Welche Alternativen gibt es?

Götz: Der AvD weist darauf hin, dass die Feinstaubbelastung nur zu etwa 20 Prozent auf den Straßenverkehr (PKW + LKW) zurückzuführen ist. Weitere Feinstaubquellen sind zum Beispiel Kraft- und Fernheizwerke, Abfallverbrennungsanlagen, Öfen und Heizungen in Wohnhäusern, der Schüttgutumschlag sowie bestimmte Industrieprozesse. Auch bei der Tierhaltung und in der Landwirtschaft wird Feinstaub freigesetzt. Dementsprechend ist sinnvoll, Minderungsmaßnahmen in allen Bereichen einzuleiten. 

mat/sca/sgo/ivb/news.de

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