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Skispringerin Agnes Reisch: Olympia-Star spricht offen über ihre Periodenschmerzen

Die deutsche Skispringerin Agnes Reisch spricht bei den olympischen Winterspielen in Mailand offen über ihre Periode. Bild: picture alliance/dpa | Daniel Karmann

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  • Olympia-Athletin Agnes Reisch spricht offen über ihre Periode
  • Wegen Schmerzen verzichtete sie auf den dritten Trainingssprung
  • Ihr Team erklärte, dass es Reischs Entscheidung unterstütze

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Erstmals in der Geschichte der Olympischen Winterspiele dürfen die Frauen ebenfalls von der Großschanze springen - doch ein Thema macht so manchen Athletinnen einen Strich durch die Rechnung. So verzichtete Skispringerin Agnes Reisch am Donnerstagabend ganz bewusst auf ihren dritten Trainingssprung. Der Grund: ihre Menstruation.

Teamkollegin lobt mutige Entscheidung der Olympia-Athletin

Die 26-Jährige sprach gegenüber "Bild" ungewöhnlich offen über die Auswirkungen auf ihre Leistung. "Ich habe heute meine Tage bekommen. Dann bin ich immer superängstlich", erklärte Reisch. Als Privatperson würde sie sich selbst davon abraten, in dieser Phase Extremsport zu betreiben. Doch als Berufssportlerin gehöre das dazu – ein dritter Sprung habe trotzdem keinen Sinn ergeben, wie die Wintersportlerin erklärte. Der Stress durch den Wettkampf verstärke zudem ihre Beschwerden.

Selina Freitag, Reischs Zimmernachbarin bei Olympia, zeigte Verständnis für die Entscheidung ihrer Teamkollegin. "Ich finde es cool von Agnes, zu sagen: 'Meine Gesundheit und mein Körper gehen vor'", sagte die 24-Jährige. Bis zum Wettkampf werde die Periode nachlassen, dann könne Reisch wieder voll angreifen.

Freitag selbst macht eine unerwartete Erfahrung mit ihrem Zyklus. Während ihrer Menstruation fühle sich ihr Sprunggefühl teilweise sogar besser an. Der Haken: "Davor fühle ich mich dagegen immer ein bisschen wie ein Schluck Wasser in der Kurve", so Freitag über ihren Zustand vor Einsetzen der Regel. Die Auswirkungen sind bei jeder Athletin völlig unterschiedlich.

Offene Kommunikation mit dem Trainerteam

Im deutschen Skisprung-Team ist die Menstruation längst kein Tabuthema mehr. Fahnenträgerin Katharina Schmid bestätigte, dass die Athletinnen offen mit ihren Trainern darüber sprechen. "Das ist auch wichtig für die Trainer, um einzuschätzen, wie wir damit umgehen und mit welchen Leistungen sie rechnen können", erklärte die 29-Jährige.

Auch Schmid spürt deutliche Auswirkungen während ihrer Periode. "Ich merke schon, dass bei mir dann manchmal das Feingefühl fehlt", schilderte sie ihre Erfahrungen. Genau jene Feinheiten, die ihren Sprung normalerweise auszeichnen, funktionierten dann nicht richtig. Das Fliegen werde in dieser Phase schwierig.

Historischer Moment für weibliche Athletinnen auf der Großschanze

Am Sonntag steht ein Meilenstein im Skispringen bevor: Erstmals bei Olympischen Spielen treten die Frauen auf der Großschanze an. Der Wettkampf beginnt um 18.45 Uhr und markiert einen wichtigen Schritt in Richtung Gleichberechtigung im Sport.

Die deutschen Skispringerinnen sind mit ihrer Offenheit übrigens nicht allein: Kurz zuvor hatte auch die italienische Biathlon-Ikone Dorothea Wierer ihre Menstruation öffentlich thematisiert und damit erklärt, warum sie bei der Einzelentscheidung die Goldmedaille verpasst hatte. Den ersten Schritt machte die Tennisspielerin Steffi Graf bereits vor knapp 37 Jahren. Damals sprach sie nach ihrer Finalniederlage bei den French Open 1989 gegen Arantxa Sanchez erstmals öffentlich über ihre Periode.

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