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Länger selbstbestimmt wohnen: Wie ein Smart Home Senioren den Alltag erleichtert

Christin Klose/dpa-tmn Bild: Christin Klose/dpa

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Das „Smart Home" entwickelt sich zum ernstzunehmenden Baustein der Altersvorsorge. Dabei geht es weniger um bunte Lichter, sondern um Assistenzsysteme, die diskret im Hintergrund agieren.

Die Technik passt sich dem Menschen an

Ein großes Missverständnis hält sich hartnäckig: Smarte Technik sei kompliziert und erfordere ständiges Hantieren mit dem Smartphone. Moderne Ambient Assisted Living (AAL) Lösungen verfolgen jedoch einen anderen Ansatz. Sie sollen unterstützen, ohne Aufmerksamkeit zu fordern. Wer sich einen Überblick über die aktuellen Möglichkeiten und Standards verschaffen will, findet auf dem Tech-Portal von Home&Smart detaillierte Analysen und Vergleiche, die zeigen, wie vielfältig der Markt mittlerweile ist.

Entscheidend für die Akzeptanz bei der älteren Generation ist die Unauffälligkeit. Die besten Systeme sind jene, die man vergisst, bis man sie braucht. Ein intelligentes Haus nimmt dem Bewohner Handgriffe ab, anstatt neue Aufgaben zu stellen. Rollläden, die sich nach dem Sonnenstand richten, oder Lichter, die beim Betreten des Raumes sanft aufdimmen, gleichen nachlassende Kraft und Sehstärke aus. Es findet eine Demokratisierung der Technik statt: Was früher Luxusvillen vorbehalten war, lässt sich heute in fast jeder Mietwohnung nachrüsten.

Sicherheit jenseits der Alarmanlage

Das größte Angstthema für alleinlebende Senioren und deren Angehörige ist der häusliche Unfall. Ein Sturz im Bad oder ein Schwächeanfall in der Küche kann ohne schnelle Hilfe gravierende Folgen haben. Klassische Hausnotruf-Knöpfe am Handgelenk existieren seit Jahrzehnten, doch sie haben eine Schwachstelle: Im Ernstfall muss der Betroffene noch in der Lage sein, sie zu drücken. Zudem werden sie oft aus Scham oder Unbequemlichkeit abgelegt.

Hier greifen moderne Sensoren ein. In den Boden eingelassene Druckmatten oder unauffällige Radarsensoren an der Decke registrieren Unregelmäßigkeiten im Bewegungsablauf. Erkennt das System, dass eine Person im Flur gestürzt ist und nicht mehr aufsteht, setzt es automatisch eine Meldung ab – sei es an einen Pflegedienst oder direkt auf das Mobiltelefon der Kinder.

Ebenso relevant ist die Gefahrenprävention in der Küche. Vergessene Herdplatten sind eine häufige Ursache für Wohnungsbrände. Intelligente Herdwächter erkennen übermäßige Hitzeentwicklung oder ungewöhnlich lange Betriebszeiten ohne menschliche Aktivität davor und schalten den Strom ab, bevor Rauch entsteht. Wassermelder an Spülmaschine und Waschmaschine verhindern, dass aus einem kleinen Leck ein großer Schaden wird, der körperlich eingeschränkte Bewohner überfordern würde.

Der sprachgesteuerte Assistent als Alltagshelfer

Mit dem Alter lassen oft Feinmotorik und Sehkraft nach. Die Bedienung von Touchscreens, die für jüngere Generationen selbstverständlich ist, wird dann zur Hürde. Winzige Icons auf glatten Glasflächen bieten keine haptische Orientierung. In diesem Kontext erweisen sich Sprachassistenten als mächtiges Werkzeug zur Inklusion.

Der einfache Befehl, das Licht einzuschalten, die Heizung hochzuregeln oder einen bestimmten Radiosender zu spielen, gibt ein Stück Autonomie zurück. Man muss nicht mehr zum Lichtschalter laufen oder an schwer gängigen Thermostaten drehen. Darüber hinaus erfüllen diese Systeme eine soziale Funktion. Sie können an die Einnahme von Medikamenten erinnern, Termine ansagen oder auf Zuruf Telefonverbindungen zu Angehörigen herstellen. Die Stimme ist das natürlichste "Interface" des Menschen; ihre Nutzung in der Haustechnik senkt die Einstiegsbarriere auf fast null.

Intelligente Überwachung oder Fürsorge?

Der Einsatz von Sensorik wirft zwangsläufig Fragen zur Privatsphäre auf. Wo endet die notwendige Fürsorge, und wo beginnt die Überwachung? Kameras in den Wohnräumen werden von den meisten Senioren zu Recht als massiver Eingriff in die Intimsphäre abgelehnt. Die Akzeptanz steigt jedoch, wenn abstrakte Daten statt Bilder verwendet werden.

Sogenannte Aktivitätsmonitoringsysteme lernen den gewohnten Tagesablauf des Bewohners. Sie registrieren beispielsweise, wenn morgens zur gewohnten Zeit die Kaffeemaschine läuft, die Toilettenspülung betätigt wird oder der Kühlschrank geöffnet wird. Bleiben diese Aktivitäten über einen längeren Zeitraum aus, sendet das System eine Warnung. Für Angehörige bedeutet dies eine enorme psychische Entlastung. Ein kurzer Blick auf eine App mit einem Ampelsystem (Grün für „Alles im normalen Bereich") genügt, um zu wissen, dass im Elternhaus alles seinen gewohnten Gang geht, ohne dass man einen Kontrollanruf tätigen muss, der von den Eltern oft als lästig empfunden wird. Es gilt, hierbei stets den Dialog zu suchen und die Technik nur mit ausdrücklichem Einverständnis der Bewohner zu installieren.

Finanzierungsmöglichkeiten nutzen

Oft schrecken die initialen Kosten vor einer Anschaffung ab. Doch im Vergleich zu einem Platz im Pflegeheim, der monatlich hohe Eigenanteile verschlingt, amortisiert sich die Investition in ein smartes Zuhause schnell. Der Gesetzgeber und die Pflegekassen haben den Nutzen erkannt. Liegt ein Pflegegrad vor, gewährt die Pflegekasse Zuschüsse für „wohnumfeldverbessernde Maßnahmen". Bis zu 4.000 Euro stehen pro Maßnahme zur Verfügung, wenn diese die häusliche Pflege erleichtert oder eine selbstständigere Lebensführung ermöglicht.

Dazu zählen nicht nur der Umbau des Badezimmers, sondern explizit auch fest installierte technische Assistenzsysteme. Auch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bietet im Rahmen ihrer Programme für altersgerechtes Umbauen Förderkredite oder Investitionszuschüsse an. Es lohnt sich, vor Beginn der Maßnahmen einen Energieberater oder spezialisierten Handwerker hinzuzuziehen, um die Förderfähigkeit der geplanten Installationen zu prüfen.

Ein neues Verständnis von Wohnqualität

Die Integration von Technologie in den Alltag älterer Menschen erfordert ein Umdenken. Es geht nicht darum, menschliche Zuwendung durch Roboter zu ersetzen. Technik kann keine Einsamkeit heilen und kein persönliches Gespräch ersetzen. Aber sie kann das Sicherheitsnetz engmaschiger weben. Sie schafft den Freiraum, dass die Zeit, die Angehörige oder Pflegekräfte vor Ort verbringen, für soziale Interaktion genutzt werden kann, statt für Kontrollgänge.

Ein smartes Zuhause im Alter bedeutet präventive Sicherheit. Wenn das Licht nachts automatisch den Weg zur Toilette weist, wird der Sturz verhindert, bevor er passiert. Wenn die Heizung automatisch regelt, wird Energie gespart und das Wohlbefinden gesteigert, ohne dass man sich darum kümmern muss. Die Digitalisierung des Wohnraums ist somit ein Werkzeug der Würde. Sie erlaubt es Menschen, auch bei nachlassenden Kräften Herr im eigenen Haus zu bleiben und den Lebensabend dort zu verbringen, wo sie sich am wohlsten fühlen.

Passend zum Thema: Wohnen im Alter: Die wichtigsten Dinge für Angehörige von Senioren.

brc/news.de