Gärtnern mit Künstlicher Intelligenz: So nutzen Hobbygärtner ChatGPT und Co. richtig
Künstliche Intelligenz kann beim Gärtnern helfen. Bild: AdobeStock / md
Von news.de-Redakteurin Anika Bube
23.01.2026 13.41
- Gärtnern mit ChatGPT & Co.: Ein neues Buch zeigt, wie KI bei Beetplanung, Aussaat und Pflanzenproblemen helfen kann.
- 100 Prompts für den Gartenalltag: Von Balkon bis Hochbeet – ohne Technik-Vorkenntnisse.
- Praxistest bestanden: Ein KI-Pflanzplan überzeugt mit Logik, Mischkultur und klarer Monatsübersicht.
Wie plane ich ein Beet so, dass es zum Standort und zum eigenen Zeitbudget passt? Was kann ich jetzt noch säen? Warum wächst die Pflanze trotz guter Pflege nicht? Solche Fragen gehören für viele Hobbygärtner zum Alltag. "Clever gärtnern mit KI" setzt genau hier an und verbindet klassische Gartenthemen mit dem Einsatz moderner KI-Anwendungen wie ChatGPT, Gemini oder ähnlichen Tools.
"Clever gärtnern mit KI": Kein Technikratgeber, sondern eine Anleitung zum richtigen Prompten
Autorin Zoé-Marie Rink versteht das Buch weniger als Technikratgeber, sondern als praxisorientierte Anleitung zum sogenannten Prompting – also zur Kunst, KI-Systeme gezielt zu befragen. Die vorgestellten 100 Prompts decken ein breites Spektrum ab: von Balkon- und Zimmerpflanzen über Gemüsebeete bis hin zu nachhaltiger Gartenplanung und typischen Problemfällen wie Schädlingsbefall oder mangelnder Blütenbildung. Jeder Prompt ist an reale Gartensituationen angelehnt und lässt sich an persönliche Vorlieben, Erfahrung oder Standort anpassen.
Ein zentrales Anliegen des Buches ist es, Hemmschwellen abzubauen. Leser müssen weder technisches Vorwissen noch botanische Expertise mitbringen. Stattdessen wird erklärt, wie KI als eine Art digitale Gartenberaterin genutzt werden kann – nicht als Ersatz für Erfahrung, sondern als ergänzendes Werkzeug. Dabei weist das Buch auch darauf hin, dass KI-Antworten immer von der Qualität der Fragen abhängen und keine pauschalen Lösungen liefern.
Von Aussaat bis Mischkultur: Inhalte mit Praxisbezug
Inhaltlich reicht der Band von saisonalen Pflanzübersichten über Mischkultur und Pflegepläne bis hin zu kleineren Balkonprojekten. Ergänzt werden die Prompts durch Hinweise, welche Zusatzinformationen der KI helfen, realistische und hilfreiche Vorschläge zu machen. So entsteht ein Arbeitsbuch, das zum Ausprobieren einlädt und den Gartenalltag strukturieren kann, ohne klassische Gartenpraxis aus dem Blick zu verlieren.
"Clever gärtnern mit KI. 100 Prompts, die deine Pflanzen und dich aufblühen lassen" von Zoé-Marie Rink Bild: Frechverlag
Titel: "Clever gärtnern mit KI. 100 Prompts, die deine Pflanzen und dich aufblühen lassen"
Autor: Zoé-Marie Rink
Verlag: Frechverlag, 2026
Seitenzahl, Buchart: 64, Softcover
Preis: 9,99 Euro
ISBN: 9783735854544
Praxistest: So gut funktionieren die Prompts wirklich
Wie gut die im Buch vorgestellten Prompts funktionieren, zeigt ein konkreter Praxistest. Ausgangspunkt war folgender Prompt, den ich auf meinen Garten angepasst habe: Erstelle einen Pflanzplan für ein sonniges Hochbeet (160cm x 70) in Mitteleuropa von März bis Oktober. Das Hochbeet steht quer in Richtung Süden. Fokus der Beetplanung soll auf Mischkultur mit Gemüse und Kräutern liegen. Bitte zeige in einer kurzen Monatsübersicht, wann welche Pflanzen gesät oder gesetzt werden und wie sie kombiniert werden können. Nutze für den Beetplan bitte Pflanzen aus folgender Liste, ergänze wenn nötig mit weiteren Pflanzen, die sich positiv auf das Wachstum auswirken und Schädlinge fernhalten: Erdbeeren, Feldsalat, Kopfsalat Briweri, Möhren, Moutarde Rouge, Petersilie, Porree/Lauch, Postelein, Radieschen, Red Giant, Rote Bete, Rucola, Schnittlauch, Sellerie, Snackgurken, Spinat, Tagetes, Tomaten, Zucchini und Zuckererbsen.
Folgendes Ergebnis hat mir ChatGPT geliefert: Pflanzplan Hochbeet 160 × 70 cm (März–Oktober)
1. Beetaufteilung nach Wuchshöhe (Süden → Norden)
- Südseite (niedrig, früh, schnell): Salate, Radieschen, Spinat, Feldsalat, Postelein, Kräuter
- Mitte (mittelhoch): Möhren, Rote Bete, Lauch, Sellerie, Erdbeeren
- Nordseite (hoch, wärmeliebend): Tomaten, Snackgurken, Zuckererbsen, Zucchini → beschatten nichts nach Süden
2. Bewährte Mischkultur-Kombinationen (Kern des Plans)
| Hauptpflanze | Gute Nachbarn | Nutzen |
| Tomaten | Tagetes, Sellerie, Petersilie |
Schutz vor Nematoden & Pilzen
|
| Möhren | Lauch, Schnittlauch |
Möhrenfliege fernhalten
|
| Gurken | Salat, Dill* , Tagetes |
Bodenfeuchte & Schädlingsschutz
|
| Zucchini | Kapuzinerkresse* | Blattlausfalle |
| Erdbeeren | Knoblauch*, Salat | Pilzschutz |
| Zuckererbsen | Salat, Möhren |
Stickstoff für Nachkulturen
|
*ergänzende, sehr empfohlene Pflanzen
3. Monatsübersicht: Säen, Pflanzen & Kombinieren
MÄRZ
Direkt säen (unter Vlies): Spinat, Feldsalat Elan, Postelein, Radieschen, Rucola, Moutarde Rouge
Kombination: Spinat + Radieschen + Feldsalat (Südseite)
APRIL
Direkt säen: Möhren, Rote Bete, Zuckererbsen (Nordseite mit Rankhilfe)
Pflanzen: Erdbeeren (Randbereich), Schnittlauch
Kombination: Möhren + Radieschen + Schnittlauch; Zuckererbsen + Salat
MAI (nach den Eisheiligen)
Pflanzen: Tomaten (Nordseite), Snackgurken, Zucchini (1 Pflanze!), Sellerie, Lauch (Porree), Tagetes zwischen Tomaten & Gurken
Nachsäen: Kopfsalat Briweri, Mizuna Salat
Kombination: Tomaten + Sellerie + Tagetes; Gurken + Salat + Petersilie
JUNI
Nachsaat: Rucola, Red Giant, Petersilie
Pflege: mulchen, regelmäßig ernten
Kombination: Red Giant + Salat + Petersilie
JULI
Ernte & Nachsaat gleichzeitig: Radieschen, Rucola, Spinat (im Halbschatten der Tomaten)
Kombination: Spinat unter Tomaten
AUGUST
Herbstkulturen säen: Feldsalat, Postelein, Spinat
Bestehende Kulturen: Tomaten, Gurken, Zucchini tragen weiter
SEPTEMBER
Letzte Aussaat: Feldsalat, Spinat
Ernte: Rote Bete, Möhren, Lauch (bleibt bis Winter)
OKTOBER
Ernte: Feldsalat, Spinat, Lauch
Beetpflege: Mulchen, Erdbeeren abdecken
Eine grafische Beetskizze Bild: news.de / cpt
4. Pflanzabstände (kurz & praxisnah)
- Tomaten: 50–60 cm
- Gurken: 40–50 cm
- Zucchini: 70 cm (wirklich nur 1!)
- Möhren: 3–5 cm
- Salate: 25–30 cm
- Lauch: 15 cm
- Erdbeeren: 25–30 cm
5. Profi-Tipps
- Immer nachsäen, nie nackte Erde
- Tagetes jedes Jahr neu (wirksam gegen Bodenmüdigkeit)
- Salate alle 2 bis 3 Wochen säen → durchgehende Ernte
- Mulch spart Wasser und fördert Bodenleben
Die KI lieferte einen strukturierten Pflanzplan, der nicht nur die räumliche Aufteilung des Beets berücksichtigte, sondern auch klassische Prinzipien der Mischkultur aufgriff. Auffällig war dabei die klare Logik der Vorschläge: Hohe Pflanzen wie Tomaten wurden konsequent an der Nordseite eingeplant, niedrig wachsende Kulturen im Süden. Ergänzend schlug die KI bewährte Mischkulturpartner wie Tagetes oder Sellerie vor und begründete deren Einsatz mit Schädlingsabwehr oder Bodenverbesserung. Auch die zeitliche Planung überzeugte durch eine übersichtliche Monatsstruktur von März bis Oktober, inklusive Nachsaaten und Übergängen zwischen Frühjahrs-, Sommer- und Herbstkulturen.
Der Test zeigte zugleich eine zentrale Aussage des Buches in der Praxis: Je präziser der Prompt formuliert ist, desto nachvollziehbarer und brauchbarer fallen die Ergebnisse aus. Die KI ersetzt dabei weder Erfahrung noch Beobachtung im Garten, kann aber als Planungs- und Denkstütze dienen – insbesondere bei komplexeren Fragen wie Fruchtfolge, Platznutzung oder der Kombination vieler unterschiedlicher Pflanzen auf kleiner Fläche. Ich würde mich bei meiner Gartenplanung nicht allein auf die KI verlassen. Für mich ist die KI ein hilfreiches Werkzeug, das ich mit einschlägiger Literatur und meiner Erfahrung kombiniere.
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