Gesundheit

Gefühlschaos: Wann es besser ist, zu gehen

Den richtigen Zeitpunkt für eine Trennung zu finden, ist nicht einfach. Bild: dpa

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Je länger Paare zusammen sind, desto schwerer fällt es ihnen, sich zu trennen. «Frauen, die für Partner und Familie ihren Beruf aufgegeben haben, scheuen sich oft davor, diesen Schritt zu gehen, weil sie Angst haben, am Ende mit allem allein dazustehen», sagt die Sexberaterin Erika Berger. Junge Frauen, für die ein Dasein als Heimchen am Herd kaum noch vorstellbar ist, seien da viel schneller.

Ob sich ein Partner mit Trennungsabsichten trägt, lässt sich oft an seinem Verhalten feststellen. Doch da gibt es Unterschiede zwischen den Geschlechtern. «Männer ziehen sich zurück und versuchen so, jeder Kommunikation zu entweichen», hat der Psychologe Manuel Tusch aus Köln beobachtet. Sie konzentrierten sich dann verstärkt auf ihre Arbeit und zögen abends mit den Kumpels um die Häuser. «Männer leben sozusagen fast wieder so wie in alten Zeiten, als sie noch Single waren.» Emotionen zeigten sie selten.

Frauen verhielten sich völlig anders, sagt der Psychologe. «Sie sprechen über ihre Gefühle und thematisieren sie.» Auf diese Weise versuchten Frauen, zu einer Entscheidung zu kommen. «Wenn der Partner das verwehrt, kann es beiden zum Verhängnis werden.»

Die Verhaltensweisen von Männern und Frauen gleichen sich aber immer mehr an, glaubt Karsten Noack, Kommunikationstrainer in Berlin. «Manchmal neigen auch Frauen dazu, alles in sich hinein zu fressen. Wird der Druck zu groß, platzt es aus ihnen heraus und der Partner ist völlig überrascht und mit der Situation überfordert.»

Er geht feiern, sie will reden, und beide kommen nicht zueinander - ist das der Zeitpunkt, sich zu trennen? Oder gibt man damit vorschnell seine Beziehung auf? Schließlich besteht ja noch die Chance, alles wieder in glückliche Bahnen zu lenken, wenn man nur lange genug dafür kämpft.

Manuel Tusch rät in dieser Situation zur schonungslosen Selbstkritik: «Jeder sollte sich erst mal fragen, was ihn in der Beziehung hält. Ist es der Wohlstand, die Sicherheit oder das gemeinsame Kind? Oder steckt noch mehr dahinter?» Erika Berger empfiehlt, das Problem so schnell wie möglich mit dem Partner zu besprechen. «Allerdings nicht, bevor man sich selbst darüber im Klaren ist, wie man zu der Beziehung steht, was man gut findet und was nicht.» Eine Pro- und Kontra-Liste könne dabei helfen.

Eine Beziehung nur aufgrund noch vorhandener Gefühle aufrecht zu erhalten, hält Karsten Noack für keine gute Idee. Das Ende könne auch dann unausweichlich sein, wenn nicht mehr genug Gemeinsamkeiten vorhanden sind und mindestens einer von beiden nicht mehr daran arbeiten will, das zu ändern. «Eine Beziehung ist nur so gut, wie das, was man für sie tut.»

Sind sich beide darüber einig, dass es keinen Sinn mehr hat, kann eine Trennung schnell und schmerzlos über die Bühne gehen. Lässt einer aber partout nicht los, wird es schwierig. «Will sich der Partner trennen, bedeutet das für den anderen immer eine große Verletzung», erklärt Berger. Wer aber keine Zukunft mehr in der Beziehung sieht, sollte das klar aussprechen. Der Anspruch, den Partner nicht zu verletzen, sei zwar ehrenwert, aber in der Praxis kaum umzusetzen, fügt Noack hinzu. «Der Wunsch, sich zu trennen, wird immer auch ein Angriff auf das Selbstbewusstsein des anderen sein.»

Wichtig sei allerdings die Art und Weise, wie man seinem Partner den Trennungswunsch vermittelt. «Das sollte mit Respekt geschehen und die Würde des Gegenüber nicht mit Vorwürfen und Beschuldigungen angreifen», rät Noack. «In Kommunikationskursen, zum Beispiel im Job, lernen wir immer wieder, wie es am Arbeitsplatz funktioniert: Man muss lernen, zuzuhören und den anderen ausreden zu lassen.» In der Partnerschaft funktioniere das dann plötzlich nicht mehr. «Emotionen sorgen dafür, dass es fast schon in einen Kampf ausartet.»

Will sich ein Partner vom anderen trennen, sollte er ehrlich sein, rät der Kommunikationsberater Karsten Noack. Vor allem, wenn es um den Grund der Trennung geht. «Menschen brauchen Erklärungen, um etwas verstehen zu können.»

Darum sollte man auch nicht verschweigen, wenn eine neue Person in das eigene Leben getreten ist. «Schließlich ist es besonders verletzend, wenn man den Ex zwei Wochen nach der Trennung plötzlich mit einer Neuen sieht.» Verletzungen führten oft zum Wunsch, es dem anderen heimzuzahlen. Das schaukelt sich dann hoch, und am Ende werde mehr zerschlagen als gewonnen.

naf/car/reu/news.de/dpa

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